Abriss der Klinik am Eichert: Chefärzte und ein Gemeinderat bringen sich in die Debatte ein

Der Altbau der Klinik am Eichert soll abgerissen werden - oder doch nicht? Die Debatte darüber geht am 22.11.2024 im Kreistag in eine neue Runde.
Max Radloff- Abriss der Klinik am Eichert bleibt umstritten; Debatte im Kreistag am 22.11.2024.
- Gemeinderat Böhmenkirch fordert Erhalt, verweist auf hohe Abrisskosten von bis zu 60 Mio. Euro.
- Chefärzte unterstützen Abriss, sehen Risiken in Nachnutzung und betonen Erweiterungsbedarf.
- Entscheidung am 10. Dezember erwartet.
- Investoren interessieren sich für Nachnutzung des Altbaus.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wenn heute, 22.11.2024, ab 14 Uhr der Kreistag im Landratsamt zusammentritt, geht es zum wiederholten Mal um den Abriss der Klinik am Eichert. Der ist eigentlich längst beschlossen, doch die Diskussion darüber entflammte in den vergangenen Jahren immer wieder neu. Jetzt stehen gleich vier Anträge zur Beratung an, eingebracht von FDP, Die Linke, AfD und CDU. Entschieden wird aber erst einmal nichts, das soll dann in der Sitzung am 10. Dezember geschehen.
In den Beratungsunterlagen findet sich ein ganzer Wust Anlagen, unter anderem die bisherigen Beschlüsse des Kreistags zum Thema, ein Gutachten, eine Projektskizze des interessierten Investors Johannes Krauter und auch zwei aktuelle Stellungnahmen: Zum einen hat sich der Gemeinderat Böhmenkirch am 6. November in einer Resolution gegen den Abriss des Altgebäudes ausgesprochen. Zum anderen wenden sich die Chefärzte des Klinikums in einem Schreiben an die Kreisräte, sie unterstützen die Marschrichtung des Landkreises und der Klinik-Geschäftsführung und plädieren ebenfalls für den Abriss.
Resolution gegen den Abriss
Die Böhmenkircher Gemeinderäte stellen sich jedoch gegen die Klinik: „Wir fordern den Erhalt des bestehenden Bestandsgebäudes der Klinik am Eichert mit Prüfung der Möglichkeiten einer sinnvollen Nachnutzung“, schreiben sie und begründen das so: „Bei der Schätzung der Abriss-Kosten geistern Summen von bis zu 60 Millionen Euro durch den Raum. Angesichts der Hiobsbotschaft, dass die Kreisumlage ab dem kommenden Jahr um bis zu 5,1 Punkte steigen wird, halten wir es für unverantwortlich, eine solch hohe Summe in den Abriss eines Gebäudes zu stecken. Zumal es Investoren gibt, die bereits Interesse an einer Nachnutzung des Gebäudes angemeldet haben.“
Der Beschluss zum Abbruch der bisherigen Klinik am Eichert sei in einer Zeit gefasst worden, in der die wirtschaftliche Lage eine vollkommen andere war. „Nun steht nicht nur der Landkreis, sondern auch der Großteil der Landkreiskommunen finanziell mit dem Rücken zur Wand. Es ist zu erwarten, dass die Abrisskosten das Defizit der Kliniken weiter erhöhen und dieses wieder vom Landkreis Göppingen gedeckt werden muss. Diese Deckung erfolgt dann durch die Kreisumlage, die infolgedessen noch weiter ansteigen wird. Unsere Gemeinde hat bereits schon jetzt die Grenze ihrer finanziellen Belastbarkeit erreicht, wenn nicht gar schon überschritten. Auf absehbare Zeit wird es uns nicht möglich sein, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen.“
Ebenso wie der Landkreis sei auch Böhmenkirch derzeit gezwungen, „eine Haushaltskonsolidierung durchzuführen, mit teilweise sehr schmerzhaften Einschnitten für unsere Bürgerschaft“. Die Schlussfolgerung: „Aus diesem Grund könnten wir unseren Bürgerinnen und Bürgern niemals vermitteln, dass wir noch weiter auf die Bremse treten müssen, nur weil die hohen Abrisskosten des Klinikgebäudes ebenfalls über die Kreisumlage abgewickelt werden. Zumal wir es hier mit einem 40 Jahre alten Gebäude in gutem Zustand zu tun haben. Durch den Abriss würde eine große Menge an Bausubstanz vernichtet werden, in welcher viel CO2 steckt, auch aus umwelt- und klimapolitischen Gründen wäre dies nicht vermittelbar.“
Ganz anders argumentieren die Chefärzte in ihrer Stellungnahme: „Aus unserer Sicht ist es nicht entscheidend, was an diesem Standort im Altbestand geschaffen werden könnte. Viel wichtiger ist doch, dass unser Klinikneubau ein Erfolg wird und die Attraktivität des Neubaus nicht durch einen Erhalt des Altbestandes leidet. Dies ist bei dem bisher veröffentlichten Nachnutzungskonzept dezidiert nicht der Fall.“
Ärzte kritisieren Pläne des Investors
Die Ärzte haben große Bedenken wegen der Pläne des Investors: „Wir sehen die große Gefahr, dass an diesem Standort ein sozialer Brennpunkt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Klinik entstehen könnte oder dauerhaft eine Bauruine zurückbleibt. Das ist unbedingt zu vermeiden, denn dies hätte verheerende Auswirkungen auf unsere Klinik.“ Ansonsten wiederholen sie bekannte Argumente der Befürworter des Abrisses, wie dieses: „Die Fläche, auf welcher der heutige Altbestand steht, ist langfristig unbedingt als potenzielle Erweiterungsfläche vorzuhalten, denn eine Klinik muss sich an die zukünftigen Gegebenheiten des Gesundheitswesens, auch baulich, anpassen können. Wer weiß denn heute schon, wie sich das Gesundheitswesen in 20 oder 30 Jahren entwickelt.“ Auch dürfe die Nutzung des Hubschrauberlandeplatzes nicht gefährdet werden.
Die Chefärzte schließen ihr vom Ärztlichen Direktorium unterzeichnetes Schreiben mit diesen Worten: „Aus unserer Sicht sind diese Risiken sowie die Auswirkungen auf das Alb-Fils-Klinikum zu groß. Final sind sie in Summe in ihren Auswirkungen auf unser Klinikum nicht einschätzbar und würden den essenziell notwendigen Wettbewerbserfolg in Zeiten der anstehenden, massiv strukturverändernden Klinikreform gefährden. Daher sollte nun zeitnah und endgültig der Abbruch beschlossen werden.“

