Landtagswahl Wahlkreis Schwäbisch Hall: So reagieren die Kandidaten auf den Wahlausgang

Symbolbild: Erste Ergebnisse der Landtagswahl in Ulm.
Magdi Aboul-Kheir- Direktmandat geht an Isabell Rathgeb (CDU); Grünen-Direktmandat verloren.
- Lea Geldner (Grüne) zieht über Landesliste in den Landtag ein.
- Udo Stein (AfD) behält Mandat über Liste; AfD meldet 35 Sitze.
- SPD-Kandidat Multani nennt Ergebnis „Schlag in die Magengrube“.
- FDPs Köngeter und Linke enttäuscht; hoffen auf Neustart bzw. soziale Stimme.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im Wahlkreis Schwäbisch Hall erhalten wieder drei Personen das Ticket nach Stuttgart. Erneut ziehen eine Grünen-Kandidatin und der AfD-Mann ins Abgeordnetenhaus ein. Doch die FDP muss ihren Sitz an die CDU abtreten. Lea Geldner (Grüne) und Udo Stein (AfD) wurden erst im Lauf des Wahlabends von ihrem Einzug ins Parlament überrascht. Für Isabell Rathgeb stand der Erfolg als Direktkandidatin relativ schnell mit einer gesicherten Mehrheit fest.

Die 35-jährige Erzieherin, Sozialarbeiterin und Diakonin Lea Geldner aus Rot am See hat es in den Landtag geschafft.
privatLea Geldner: „Starke Frauen im Weltkreis“
Grüne: Das Direktmandat im Wahlkreis ist verloren, die Kandidatin Lea Geldner zieht über die Landesliste in den Landtag ein.
Der Jubel ist groß um kurz nach 18 Uhr am Sonntagabend in der Stadiongaststätte der TSG Schwäbisch Hall: Die erste Prognose sieht die Grünen vorne, rund 45 Anhängerinnen und Anhänger der Partei können es kaum fassen. Dass es noch zu einem Wahlkrimi ausartet, ahnt da noch niemand. Dann steht es gegen 21.30 Uhr fest: Die Grünen haben haarscharf gewonnen, Erleichterung macht sich breit. „Ein kleiner Dämpfer war es, dass wir das Direktmandat verloren haben“, sagt Wahlkreiskandidatin Lea Geldner. Sie wird künftig trotzdem viel Zeit im Zug verbringen beim Pendeln zwischen Stuttgart und ihrem Wohnort Rot am See, über die Landesliste zieht sie in den Landtag ein. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Liste zieht“, sagt sie. CDU-Kandidatin Isabell Rathgeb habe sie schon angerufen, um ihr zum Direktmandat zu gratulieren. Geldner ergänzt: „Es ist gut, dass der Wahlkreis jetzt von zwei starken Frauenstimmen vertreten wird.“ Ob sie künftig Politik in ihrem Hauptthemenfeld Bildung machen wird, kann Geldner noch nicht sagen. Soziales, Integration, ländlicher Raum oder Klimaschutz könne sie sich aber auch gut vorstellen.

Isabell Rathgeb (CDU) hat das Direktmandat geholt.
Marcus HaasIsabell Rathgeb: „Wir haben vor Ort Gas gegeben“
CDU: Isabell Rathgeb holt das Direktmandat nach zehn Jahren wieder von den Grünen zu den Christdemokraten zurück.
Früh wird am Sonntagabend deutlich: Das Direktmandat im Wahlkreis Schwäbisch Hall geht an Isabell Rathgeb. Da kann eigentlich nichts mehr passieren, denn zu deutlich ist der Vorsprung der Christdemokratin von Anfang an, als die ersten Ergebnisse aus den Gemeinden eintreffen. Die Feier in der Cafeteria des Goethe-Instituts in Hall endet gegen 23 Uhr. „Ich habe sehr gut geschlafen, bin sehr zufrieden und sehr dankbar für den engagierten Einsatz unseres Wahlteams“, sagt die 45-Jährige am gestrigen Vormittag am Telefon. „Wir haben vor Ort Gas gegeben“, so die Diplom-Betriebswirtin (BA) zu ihrem Erfolgsrezept. Das Engagement sei auf vielen Ebenen im Wahlkreis mit vielen Veranstaltungen, Gesprächen vor Ort, bürgernah gelaufen. Am heutigen Dienstag macht sich Rathgeb auf den Weg nach Stuttgart zur Fraktionssitzung der CDU. Konkrete Ziele für die ersten 100 Tage ihrer ersten Amtsperiode nennt Rathgeb keine. Sie nehme viele unterschiedliche Themen aus vielen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern im Wahlkreis mit nach Stuttgart. Es gehe dabei vor allem um das Thema Wirtschaft und Sicherung der Arbeitsplätze.

Udo Stein (AfD) bleibt Landtagsabgeordneter.
AfDUdo Stein: „Wir haben uns mehr als verdoppelt“
AfD: Udo Stein, seit zehn Jahren Mitglied des Landtags, behält sein Mandat. Er kam über die Liste ins Parlament.
„Es sieht sehr gut aus: Die AfD hat aktuell 33 Mandate und ich habe Listenplatz 31“, berichtete Udo Stein am Wahlabend gegen 20 Uhr, als er im Auto von Stuttgart nach Schwäbisch Hall unterwegs war. Knapp zwei Stunden später kam ein weiterer Sitz hinzu und der AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier gratulierte Stein telefonisch dazu, dass er sein Landtagsmandat halten konnte. Später steht fest: 35 Sitze wird die AfD im neuen Landtag innehaben. Mit dem Ergebnis seiner Partei ist Stein „sehr zufrieden“: „Wir haben uns mehr als verdoppelt.“ Allerdings hatte der Landtagsabgeordnete nach den Prognosen der vergangenen Wochen insgesamt ein deutlich besseres Wahlergebnis für die AfD erwartet. Stein: „Was mich wirklich überrascht, ist das Ergebnis der Grünen. Damit hätte ich überhaupt nicht gerechnet. Ich hätte eher die CDU vorne gesehen.“ Für den 43-Jährigen, der seit 2016 Landtagsabgeordneter ist und zudem Mitglied des Kreistags sowie Sprecher des AfD-Kreisverbands Hohenlohe/Schwäbisch Hall, geht die politische Arbeit in Stuttgart weiter. Sind Änderungen oder Neuerungen geplant? „Aktuell nicht“, sagt er.

Danny Multani (SPD) ist enttäuscht vom Wahlergebnis seiner Partei.
Marcus HaasDanny Multani: „Das ist ein Schlag in die Magengrube“
SPD: Nach einem Wahldesaster ringt die Partei um ihre Zukunft. Danny Multani hofft auf einen Neuanfang.
Die Stimmung im „Odyssee“ in Crailsheim ist gedrückt. Dass das Ergebnis kein gutes sein würde, war klar. Aber dass die SPD um den Einzug ins baden-württembergische Landesparlament kämpfen würde? Bis dato unvorstellbar. „Ute Vogt wurde 2006 mit 29 Prozent davongejagt“, erinnert Multani, der von einem „Schlag in die Magengrube“ spricht. Für ihn gibt es „nicht mehr viel, was man jetzt nicht hinterfragen muss.“ Das Thema Wirtschaft habe den Wahlkampf bestimmt: „Wenn sich die Leute Sorgen um ihre Jobs machen, kommen andere Themen nicht durch“, so Multani. Und: „Wir werden unsere Kommunikation und unsere Kampagnen kritisch unter die Lupe nehmen müssen, uns fragen, ob wir die richtigen Menschen an der Spitze haben, weil weiter runter geht’s einfach nicht.“ Das einzig Positive an diesem verheerenden Ergebnis: Es wird als Chance für einen Neuanfang begriffen. Die jungen Leute, die um ihn versammelt sind, geben Multani Hoffnung: „Man muss den jungen Menschen ein Angebot machen.“ Er selbst will seiner Partei treu bleiben. Ihrer Werte wegen sei er einst in die SPD eingetreten, „das ist meine Heimat“.

Luca Köngeter (FDP) will nicht aufgeben.
Verena KögerLuca Köngeter: „Es ist mehr als schade“
FDP: Luca Köngeter hat sich so engagiert im liberalen Stammgebiet. Doch auch er kann den Abstieg nicht aufhalten.
„So blöd es klingt, wird meine politische Karriere deswegen nicht mit 21 eingestampft. Wir müssen weitermachen, vor allem auch hier auf kommunaler Ebene. Es ist mir ein ganz großes Herzensanliegen, dass wir die Jugend auch ins Parlament reinkriegen“, sagt Luca Köngeter und bezieht sich damit auf sein eigenes Alter: Er ist 21 Jahre alt. „Es ist mehr als schade. Weil wir aus dem Landtag in Baden-Württemberg rausfallen, ist die FDP leider bundesweit auch weg.“ Doch er will weiter dafür kämpfen, dass die Partei wieder in den Medien und bei den Wählern wahrgenommen wird. „Der Junge macht das“ lautete sein Slogan. Er will weitermachen. „Es war ein Fulltime-Job, den ich nebenher gemacht habe: 40 oder 50 Stunden wöchentlich. Dementsprechend ist so ein Ergebnis natürlich sehr enttäuschend.“ Einfacher wäre die weitere Arbeit natürlich, wenn die FDP im Parlament geblieben wäre. Ein Grund für den Wahlausgang im Land liege bei den taktischen Wählern. Seine Analyse lautet daher: „Die Leute haben gegen Ende an den Urnen wahrscheinlich halt die CDU stärken wollen. Da sind uns halt viele Stimmen verloren gegangen.“

Ellena Schumacher-Koelsch (Die Linke) lebt nicht mehr im Wahlkreis Schwäbisch Hall.
Thumilan SelvakumaranEllena Schumacher-Koelsch: „Die Hoffnung einzuziehen war da“
Linke: In den Umfragen lag die Partei bei bis zu 7 Prozent. Doch den Einzug ins Parlament verfehlen die Linken am Ende doch.
Den Linken ist nicht zum Feiern zumute. Die vielen eingeschenkten Sektgläser bleiben am Wahlabend im Parteibüro in der Langen Straße in Hall stehen. Die Kandidatin Ellena Schumacher-Koelsch ist überraschend nach Frankfurt umgezogen, und am Wahlabend nicht dabei. Linken-Ersatzkandidatin Julia Eymann sagt: „Wir glauben, dass gerade Baden-Württemberg wieder eine soziale Stimme braucht und sind total frustriert, weil wir alle Kräfte mobilisiert haben im Wahlkampf.“ Eymann meint: „Die Hoffnung ins Parlament einzuziehen war da.“ Sie hat auch eine Erklärung für den Ausgang der Wahl: „Niemand wollte CDU auf Landesebene wie Merz und deswegen glaube ich, dass viele jetzt doch noch zu den Grünen gewandert sind. Die wollten eben Cem haben statt Manuel Hagel.“ Der Haller Linken-Kreisvorsitzende Florian Lenz erläutert: „Die Prognosen waren lange sehr gut für uns. Eine Zeit lang waren es sieben Prozent. Am Nachmittag des Wahltags waren es noch 5,7.“ Doch auch er geht davon aus, dass der zugespitzte Wahlkampf zwischen CDU und Grünen den kleineren Parteien am Ende viele Stimmen gekostet hat.


