Landtagswahl Wahlkreis Hohenlohe
: Fokus auf die Kandidaten: Wie werten sie das Wahlergebnis?

Nachdem das Ergebnis feststeht, Glückwünsche und aufmunternde Worte gesprochen sind, äußern sich die Kandidaten im Wahlkreis Hohenlohe zum Wahlergebnis.
Von
swp
Künzelsau
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Eine eingeschaltete Deckenleuchte ist während einer Plenarsitzung im Landtag von Baden-Württemberg im Plenarsaal zu sehen.

21.12.2022, Baden-Württemberg, Stuttgart: Eine eingeschaltete Deckenleuchte ist während einer Plenarsitzung im Landtag von Baden-Württemberg im Plenarsaal zu sehen. Der Landtag befasste sich in einer Debatte auf Antrag der SPD mit dem geplanten Teilverkauf des Stromnetzbetreibers Transnet BW. Foto: Marijan Murat/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Symbolbild: Sitzung im Landtag von Baden-Württemberg im Plenarsaal.

Marijan Murat/dpa
  • Hohenlohe verliert ein grünes Direktmandat; ins Parlament gehen CDU und AfD.
  • Grüne: Mario Dietel verpasst Landtag (19,3 %), freut sich über Özdemir und übt Selbstkritik.
  • CDU: Dr. Tim Breitkreuz holt deutlich das Direktmandat; will Ausschüsse u. a. für ländlichen Raum.
  • AfD: Anton Baron sieht gutes Ergebnis, hofft auf Gesprächsangebot der CDU.
  • SPD/FDP/Linke: Aberle macht weiter; Pfaller fordert Neustart; Odenwald bleibt kämpferisch.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im Wahlkreis Hohenlohe geht ein Direktmandat der Grünen verloren. Es werden nur noch zwei Landtagsabgeordnete ins Parlament geschickt (CDU und AfD). Anton Baron (AfD) konnte aufgrund seines Listenplatzes früh mit einem Erfolg rechnen. Für Tim Breitkreuz (CDU) stand der Erfolg als Direktkandidat relativ schnell mit einer gesicherten Mehrheit fest.

Mario Dietel tritt bei der Landtagswahl für die Grünen im Wahlkreis Hohenlohe an.

Mario Dietel ist bei der Landtagswahl für die Grünen im Wahlkreis Hohenlohe angetreten.

Sebastian Unbehauen

Mario Dietel: „Intensivster Wahlkampf aller Zeiten“

Grüne: Mario Dietel zieht nicht in den Landtag ein. Aber die Freude über den Özdemir-Sieg ist größer als die Enttäuschung.
Sein Hauptziel sei erreicht, sagt Mario Dietel (25): „Ich wollte, dass Cem Özdemir Ministerpräsident wird.“ Der Öhringer Stadtrat selbst hat den Sprung in den Landtag verpasst – und sieht’s sportlich. „Hätte es gereicht, wäre ich überglücklich gewesen. So geht das Leben weiter“, sagt er. Dietel lag mit 19,3 Prozent der Erststimmen klar hinter Dr. Tim Breitkreuz (CDU) und Anton Baron (AfD). Sein Listenplatz 56 reichte nicht für ein Mandat. Auch bei den Zweitstimmen gewannen die Christdemokraten im Wahlkreis 21. „Die CDU ist einfach strukturell stärker, finanziell und personell“, sagt Dietel. Aber die Grünen in Hohenlohe hätten „den intensivsten Wahlkampf aller Zeiten“ geführt. „Wir haben unseren Teil beigetragen.“ Bei aller Euphorie über die gelungene Aufholjagd seiner Partei, ist Dietel auch selbstkritisch: „Wir brauchen bessere Antworten für die ländlichen Räume.“ Viele Menschen auf dem Land hätten Angst, dass sich grüne Politik negativ auf ihren Lebensalltag auswirke, und blickten insgesamt sorgenvoll in die Zukunft. Dass die AfD mit vermeintlich einfachen Rezepten reüssiert, besorgt wiederum  Dietel.

„300 Förderprogramme im Land sind viel zu viel“, betont Dr. Tim Breitkreuz. Es müsse reduziert und vereinfacht werden.

Dr. Tim Breitkreuz (CDU) hat das Direktmandat geholt.

Marcus Haas

Dr. Tim Breitkreuz: „Pragmatisch Lösungen finden“

CDU: Neuling Dr. Tim Breitkreuz gewinnt das Direktmandat im Wahlkreis Hohenlohe überraschend deutlich.
„Das Ergebnis ist brillant, liegt deutlich über meinen Erwartungen“, freut sich Dr. Tim Breitkreuz am Dienstagvormittag am Telefon. Gleichzeitig sei das starke Mandat auch ein starker Auftrag. Der Neuling ohne kommunalpolitische Verankerung sieht im frühen Start des Wahlkampfs vor bereits einem Jahr einen wichtigen Schlüssel zum Erfolg. Durch die vielfältige Kampagne vor Ort mit vielen engagierten Unterstützern sei seine notwendige Bekanntheit und Sichtbarkeit erreicht worden. Der 31-Jährige wird noch drei Wochen im Ministerium der Justiz und Migration in Stuttgart arbeiten und voraussichtlich zum ersten April sein Mandat annehmen. Auf seiner Agenda, die er aus vielen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern im Wahlkreis mitnimmt, will der promovierte Politikwissenschaftler erstmal Einzelfälle mit Themen wie privates Bauen und Selbstständigkeit gründen angehen. Er würde gerne in den Ausschuss des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen und vor allem in den Ausschuss für Ernährung, ländlichen Raum und Verbraucherschutz kommen. Er will wie sein „Vorbild Karl Östreicher pragmatisch gute Lösungen finden.“

AfD will durch den Tunnel - Klage vor Verfassungsgerichtshof: ARCHIV - 13.12.2024, Baden-Württemberg, Stuttgart: Anton Baron, (AfD), Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag von Baden-Württemberg, steht im Landtag vor einem Tunnel der unter einer Straße vom Landtag zu den Büros der Abgeordneten führt. Die AfD-Fraktion zieht im Streit um den Zugang zu einem Tunnel am Landtag vor den Verfassungsgerichtshof. (zu dpa: «Zoff im Landtag: Warum die AfD nicht in den Tunnel darf») Foto: Bernd Weißbrod/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Anton Baron (AfD) ist Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag von Baden-Württemberg. Er geht nun in die dritte Legislaturperiode.

Bernd Weißbrod/dpa

Anton Baron: „Mit uns wäre das möglich gewesen“

AfD: Fraktionschef Anton Baron hofft nach wie vor auf „ein Gesprächsangebot der CDU“.
Anton Baron, seit 2023 Vorsitzender der AfD-Fraktion im Landtag, verbringt den Wahlabend unter anderem mit Alice Weidel und AfD-Parteichef Tino Chrupalla. Er spricht von einem guten Ergebnis: „Wir werden fast die einzige Oppositionspartei in diesem Landtag sein, alle anderen sind marginalisiert“. Im Wahlkampf sei vieles auf die beiden Parteien CDU und Grüne zugespitzt worden, so Baron: „Wahrscheinlich haben wir deshalb das Ergebnis von nicht ganz 20 Prozent.“ Es hätte mehr sein können. Er persönlich habe zehn Prozentpunkte dazugewonnen, „das macht mich stolz“, sagt er. Gleichwohl habe er sich auch hier „ein bisschen mehr gewünscht“; sein Ziel sei das Direktmandat gewesen. „Der Vertrauensvorschuss ist dennoch groß.“ Baron befürchtet, „dass Grün-Schwarz so weiter macht, in einem Land, das in der Bildung abgestürzt ist und in dem die Wirtschaft nicht rund läuft“. Die AfD habe auf einen politischen Wandel im Bereich Wirtschaft und Bildung, aber auch bei der inneren Sicherheit gehofft. „Mit uns wäre das möglich gewesen“, sagt er und hält kurz inne: „Vielleicht kommt ja noch ein Gesprächsangebot der CDU.“

„Arbeit ist für mich mehr als nur ein Job. Ich habe an meinem Arbeitsplatz ein Gefühl von zu Hause“, sagt Jonas Aberle.

Jonas Aberle (SPD) will trotz der Niederlage weiter Politik machen.

Marcus Haas

Jonas Aberle: „Nicht entmutigen lassen“

SPD: Das desaströse Ergebnis der SPD enttäuscht Jonas Aberle. Aufgeben will er aber nicht.

Der SPD-Kandidat im Wahlkreis Hohenlohe, redet nicht drumherum: „Das ist ein sehr enttäuschendes Ergebnis. Es ist nicht das, wofür wir gekämpft haben, und auch nicht das, was wir erhofft haben.“ Enttäuscht ist Jonas Aberle vor allem deswegen, weil er überzeugt ist, dass die SPD die richtigen Themen im Wahlkampf gesetzt hat. Und dass sie auch die richtigen Antworten auf die drängenden Fragen hatte. Aber das gab bei den Wählerinnen und Wählern nicht den Ausschlag. „Dieser Wahlkampf hat sich leider sehr darauf zugespitzt, wer Ministerpräsident werden soll.“ Aberle selbst hat mit „voller Überzeugung Wahlkampf gemacht“ – und das haben die Wählerinnen und Wähler auch honoriert: Im Erststimmen- ergebnis hat er besser abgeschnitten als seine Partei im Zweitstimmenergebnis: 6,6 Prozent bekam er und landet damit auf Platz 4 hinter Dr. Tim Breitkreuz (CDU), Mario Dietel (Grüne) und Anton Baron (AfD). Die SPD kam im Wahlkreis Hohenlohe nur auf 5,1 Prozent. Vom schlechten Wahlergebnis der SPD will sich der 28-Jährige, der Kreisvorsitzender der SPD Hohenlohe ist, „nicht entmutigen lassen“: „Ich mache weiter.“

Vor der Landtagswahl: Finn Pfaller macht sich keine Sorgen, dass die Liberalen scheitern. „Die FDP kommt rein“, sagt der 23-Jährige, der im Wahlkreis Hohenlohe antritt.

Finn Pfaller (FDP) fordert einen Neustart seiner Partei.

Marcus Haas

Finn Pfaller: „Dann wählen die Leute eben gleich CDU“

FDP: Einen fundamentalen Neustart für die Liberalen fordert Finn Pfaller – und Eigenständigkeit statt Lagerdenken.
Finn Pfaller ist tief enttäuscht vom miserablen Ergebnis seiner Partei: „Monatelang haben wir im Wahlkreis alles gegeben, mit einem tollen Team. Das tut schon weh.“ Das spannende Duell um das Ministerpräsidentenamt habe die FDP – wie auch SPD und Linke – im Endspurt zerrieben. Aber: „Zur Wahrheit gehört, dass auch sechs Prozent für uns in Baden-Württemberg nicht zufriedenstellend gewesen wären.“ Wie geht es weiter mit der FDP, nach dem Landtags-Aus im Stammland? „Wir müssen uns ganz fundamental neu aufstellen, was Personen, Kommunikation und Geisteshaltung angeht“, ist Pfaller überzeugt. Ob die „Marke FDP“ zu retten sei, weiß Pfaller nicht. „Mir geht es aber auch nicht so sehr um die Marke, sondern um die Ideen.“ Der 23-Jährige ist überzeugt, dass es eine liberale Stimme dringend brauche. Und: dass viele Menschen Lust auf Liberalismus hätten. In Baden-Württemberg habe man den Fehler aus dem Bund wiederholt, einen antigrünen Lagerwahlkampf zu führen. „Dann wählen die Leute eben gleich CDU“, sagt Pfaller. Er wünscht sich mehr Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein.

Matthias Odenwald

Matthias Odenwald (Die Linke) ist unzufrieden mit dem Ergebnis.

privat

Matthias Odenwald: „Von linker Überzeugung gefestigt“

Die Linke: Kandidat Matthias Odenwald ist sehr enttäuscht, doch er lässt sich in seinem politischen Weg nicht beirren.
Linken-Kandidat aus Hohenlohe Matthias Odenwald (72) meint: „Das Ergebnis ist schlecht. Ich bin unzufrieden.“ Im Büro der Linken in der Langen Straße in Schwäbisch Hall herrscht Katerstimmung auch ohne Party. Rund 50 Parteimitglieder und ihre Angehörigen haben sich eingefunden, um vor dem großen Bildschirm ab 18 Uhr am Sonntag das Ergebnis der Wahl zu erfahren. Die Stimmung wird allerdings extrem davon getrübt, dass die Linke den Einzug in das Parlament nicht geschafft hat. Im Hohenlohekreis holen sie nur 2,8 Prozent der Stimmen. Im Wahlkreis Schwäbisch Hall sind es immerhin 3,2 Prozent. Landesweit kommt die Partei auf 4,4 Prozent der Zweitstimmen. Alle würden sich jetzt Theorien bilden. „Ich nehme mal an, dass unsere Stimmen zu den Grünen gegangen sind.“ Die Arbeit gehe weiter. Odenwald gibt sich kämpferisch: „Von meiner linken Überzeugung bin ich so gefestigt, dass das von der Wahl nicht abhängig ist.“ Er ist voller Hoffnung. Die Mitgliederzahl hätte sich zuletzt verdoppelt. Immer mehr Jüngere treten ein. „Ich bin allerdings der älteste Knochen auf dem Podium“, sagt er und hofft auf mehr Parteinachwuchs.