Bietigheim-Bissingen: Alles dreht sich ums Geld? 16. Akademietage

Dr. Verena Krauel-Maichle, Professor Ludwig Uhland und Constanze Weis haben für dieses Jahr ein brandaktuelles Thema für die 16. Akademietage ausgewählt.
/Oliver BürkleArm oder reich – Schicksal oder Selbstbestimmung: Brauchen wir eine neue Wirtschaftsordnung?“ Mit dieser Frage beschäftigen sich die 16. Akademietage Bietigheim-Bissingen, die im Oktober und November im Kronzentrum stattfinden. „Schon lange haben wir dieses Thema mit uns herumgetragen und uns dann vergangenen Herbst dafür entschieden. Es ist ein spannendes Thema, dass gerade jetzt so passend ist in Zeiten von hoher Inflation und Energiekrise“, erklärt Professor Ludwig Uhland, einer der Organisatoren der Akademietage.
Die Suche nach Referenten sei auch in diesem Jahr wieder eine „Puzzlearbeit“ gewesen, denn neben passenden Vortragsthemen mussten die Redner auch an den Akademietagen Zeit haben. „Es hat nicht alles geklappt, was ich gehofft hatte, aber wir haben dieses Jahr auch wieder ein vielseitiges Programm aufgestellt, das auch die unterschiedlichen Standpunkte zu diesem Thema beleuchtet. Dieses mal gab es nur fünf Absagen. Das ist wirklich wenig“, so Uhland.
Die Auftaktveranstaltung findet am Montag, 24. Oktober, um 19 Uhr im Kronenzentrum statt. Professor Hartmann von der TU Darmstadt referiert an diesem Abend zum Thema „Die Wirtschaftselite – Reichtum durch Leistung oder durch familiäres Erbe“. „Das wird auf jeden Fall interessant. Die vier reichsten Menschen der Welt sind alle selfmade-Milliardäre, die haben nichts geerbt“, so Uhland.
Zwar ist bis jetzt noch nicht bekannt, welche Corona-Maßnahmen im Herbst auf die Veranstalter zukommen werden, doch ein System aus dem vergangenen Jahr hat sich bereits bewährt und gab viele positive Rückmeldungen: „Auch dieses Jahr gibt es wieder feste Plätze im Saal. Die Sitzplätze richten sich nach der Reihenfolge der Anmeldungen. Je früher man sich anmeldet, desto weiter vorne sitzt man“, erklärt Constanze Weis, Leiterin der Schiller-Vhs. Ansonsten warten die Veranstalter ab, welche Regelungen das Land Baden-Württemberg für Veranstaltungen im Herbst festlegen wird. „Wir blicken positiv in die Zukunft und hoffen, dass wir die Veranstaltung ganz normal durchführen können. Genug Platz haben wir im Kronenzentrum auf jeden Fall“, so Weis.
Diskussionen als Highlight
Bei der Planung der 16. Akademietage haben die Organisatoren wieder auf altbewährtes zurückgegriffen: „Es ist uns immer ein großes Anliegen möglichst verschiedene Gesichtspunkte aufzuzeigen und das Thema so kontrovers wie möglich zu betrachten. Die Vorträge sollen zum Nachdenken anregen“, sagt Uhland. Die anschließenden Diskussionen nach den Vorträgen seien für ihn deshalb auch immer ein Highlight bei den Akademietagen: „Ich bin schon gespannt, gerade beim Thema bedingungsloses Grundeinkommen, wie die Diskussion verlaufen wird. In den vergangenen Jahren haben die Referenten auch immer wieder das Publikum gelobt, da sie selten solch fachkundige Diskussionen hatten.“
Bei den Akademietagen ginge es eben auch darum einem politisch interessierten Publikum eine Vielfalt an fundiertem Wissen zu Verfügung zu stellen, sodass man über den eigenen Wissenstellerrand blicken könne. „Für die Akademietage können Arbeitnehmer auch Bildungszeit beim Arbeitgeber beantragen. Das wissen viele nicht. Politische Bildung ist so wichtig und bei Fragen, können sich die Leute auch gerne an die Volkshochschule wenden“, erklärt Vhs-Leiterin Weis.
Dr Judith Niehues wird den 16. November beginnen mit dem Vortrag „Soziale Schichtung und Ungleichheit in Deutschland: Fakten und subjektive Wahrnehmung“. „Dabei geht es auch darum zu erkennen: Sind denn die Zahlen so wie wir die Verteilung subjektiv wahrnehmen? Viele Arme und einige Reiche? Das wird der Vortrag klären“, sagt Uhland. Danach geht es bei Professor Michael Opielka um das Thema Grundeinkommen und den letzten Vortrag des Tages hält Professor Christoph Butterwegge zum Thema Ungleichheit in Deutschland.
„Dieses Jahr war es leider nicht möglich einen Tag Pause zwischen den beiden Akademietagen im Kronenzentrum zu bekommen. Die Kulturschaffenden drängen wieder auf die Bühnen und wir müssen dieses Mal leider ohne einen Reflexionstag auskommen. Vielleicht klappt das im nächsten Jahr wieder“, erklärt Weis. So startet der zweite Tag am 17. November mit einem Vortrag von Professor Maaz, der sich dem Thema „soziale Ungleichheiten im deutschen Bildungssystem“ widmet. Danach spricht der Publizist und Autor Christian Felber über das Wirtschaftsmodell der Gemeinwohl-Ökonomie.
Blick auf „Die Suche nach Glück“
Die Akademietage schließen mit Professor Wilhelm Schmid mit einem philosophischen Blick auf das Thema „Arm oder reich – Die Suche nach Sinn und Glück“.
„Auf den Abschlussvortrag freue ich mich besonders. Nach dem man so viele Fakten und Theorien gehört hat, kommt noch ein philosophischer Exkurs. Das wird sicher interessant, wo doch das Thema Glück auch wieder so in den Vordergrund rückt“, sagt Constanze Weis. Für Mitorganisatorin Dr. Verena Krauel-Maichle zielt die Vorfreude auf den Vortrag von Professor Opielka: „Das Thema Grundeinkommen ist so vielseitig und häufig diskutiert. Das wird sicher interessant.“
Pandemiebedingt gab es im vergangenen Jahr einen deutlichen Teilnehmerrückgang. Die Veranstalter hoffen, dass sich dieses Jahr wieder mehr Zuhörer ins Kronenzentrum wagen. „Bei Themen wie der Klimakatastrophe kamen 340 Teilnehmer hier nach Bietigheim. Die Akademietage sind auch über die Landkreisgrenzen bekannt“, sagt Uhland. Die Organisatoren freuen sich auf das Stammpublikum der Akademietage und hoffen in diesem Jahr auch viele neue Zuhörer im Kronenzentrum begrüßen zu können.
Info
Anmeldung
Für die 16. Akademietage Bietigheim-Bissingen kann man sich bei der Schiller-Vhs Kreis Ludwigsburg anmelden: telefonisch unter der nummer (07141) 1442666, per Mail an info@schiller-vhs.de oder direkt über die Homepage www.schiller-vhs.de (Kursnummer 22B058106). Die Gebühr für beide Tage betrögt 70 Euro (ermäßigt 50 Euro).