Akademietagen in Bietigheim: Kirchhof: „Freiheit beherzt nutzen“

Akamedietage: Professor Paul Kirchhof. ⇥
Oliver BürkleZum Abschluss der 15. Akademietage in Bietigheim-Bissingen trat am Freitag Professor Paul Kirchhof an das Rednerpult im Kronensaal. Unter dem Titel „Die Bewältigung der Zukunft mit Mut, Maß und Gelassenheit“ betrachtete er die künftigen Aufgaben, die auf Deutschland nun zukämen. Mit Mut, Idealen und Gelassenheit solle man die Aufgaben der Zukunft bewältigen. Wie das zu schaffen sei, erklärte er anhand von fünf verschiedenen Themenbereichen.
Als erstes betrachtete Kirchhof die Aufgaben zur Covid-Pandemie. Die Ungeimpften seien „Störer“, die in die Gefahrenabwehr einbezogen werden müssten. Für ihn war die Hilfsbereitschaft, die in den Lockdowns entstanden sei, beeindruckend und zeige, dass die Werte, die sich in einer freiheitlichen Gesellschaft bildeten, wichtig für die Zukunft seien.
Vertrauen in Technik
Der Klimaschutz sei die nächste Herausforderung für die Gesellschaft. Mit einer Erderwärmung, die die 1,5 Grad Celsius nicht übersteigen sollen, seien die Ziele zwar klar definiert, doch wie sie erreicht werden können, sei nicht festgelegt. Kirchhof sagte, dass es dafür Mut und Vertrauen in die technische Entwicklung brauche.
Für den Steuerfachmann ging es mit dem Aufgabenbereich staatliche Finanzpolitik dann um eines seiner Fachthemen. Er betonte die Notwendigkeit, dass die Europäische Zentralbank dringend wieder zu ihrer Kernaufgabe zurückkommen müsse und die Negativzinsen beenden solle: „Es braucht Mut zur Vernunft und ein Ende der staatlichen Finanzierung auf Kreditbasis. Investitionen müssen wieder durch Steuereinnahmen finanziert werden.“
Der technische Fortschritt sei sowohl ein Segen, als auch eine Gefahr. Zum einen ermögliche er neue Heilungsmethoden in der Medizin, doch die Sozialen Medien seien Plattformen, die eine große Gefahr für die Meinungsfreiheit darstellten. „Jeder kann seine Meinung sagen, aber steht dann auch mit seinem Gesicht dafür“, forderte Kirchhof. Zwar sei der technische Fortschritt wichtig, doch sei der Mensch weiterhin das wichtigste Korrektiv in dieser Entwicklung.
Freiheit formt Zukunft
Jeder Mensch habe die Qualifikation zur Freiheit. Zwar sei diese Freiheit immer sehr subjektiv, doch der Staat gebe mit der Schulpflicht eine Grundbildung mit, auf deren Basis man diese Freiheit auch nutzen könne. „Wir haben in Deutschland nicht das Recht, kleinmütig zu sein. Wir müssen das Angebot der Freiheit beherzt nutzen, um so unsere Demokratie in die Zukunft zu führen.“
„Mir haben die Vorträge sehr gut gefallen“, zieht Zuhörerin Renate Rausch Bilanz: „Den Vortrag von Herrn Kirchhof fand ich am besten. Mit seinem Thema über Werte und Bildung kam er quasi wieder an den Anfang der Akademietage zurück und hat an den Vortrag von Herrn Kraus angeknüpft“, sagte sie Es seien nicht ihre ersten Akademietage gewesen – und auch nicht ihre letzten.