Prachtvoll feierten die Balinger am Samstag den 40. Geburtstag ihrer Stadthalle, verbunden mit dem Bürgertreff. Der Bühnenbereich in der fast voll besetzten Halle war mit üppigem Blumenschmuck feinst herausgeputzt und gab schon einen Vorgeschmack auf die Gartenschau. Dutzende Ehrengäste aus Politik, Kirche, Wirtschaft, Behörden und dem öffentlichen Leben füllten die vordersten Sitzreihen. Gastgeber und Oberbürgermeister Helmut Reitemann mit seiner Frau Cäcilia kamen mit dem Händeschütteln der vielen Gäste kaum nach.
Die 40 Jahre alt gewordene Stadthalle stand im Mittelpunkt des Bürgertreffs. Wegen der Lockdowns musste das Jubiläum allerdings verschoben werden. Reitemann bezeichnete die Halle mit ihrem vielfältigen Angebot als „Balingens gute Stube“.

1,1 Millionen Besucher

40 Jahre Stadthalle, das bedeutet auch 40 Jahre Erinnerungen und große Gefühle: Das wären beispielsweise alleine über 1,1 Millionen Besucher, die in der Stadthalle mit großen Kunstwerken von Chagall, Picasso, Monet, Klimt, Klee, Nolde, Kirchner oder zuletzt Rizzi Auge in Auge standen. Hinzu kommen tausende Stunden mit Theater-, Film- und TV-Stars, darunter Mario Adorf, Katja Riemann und Luis Trenker. Das gemeinsame Lachen vor ausverkauften Rängen mit Otto, „Der kleinen Tierschau“ oder den aufstrebenden Sternen wie Özcan Cosar und Lisa Eckhart prägten ebenso das Bild der Stadthalle. Erinnerungen sind aber auch sicherlich verknüpft an eigene Auftritte, nicht zuletzt aufgrund der großen musikalischen Eigenproduktionen, die zuletzt mit „Orpheus in der Unterwelt“ zum 18. Mal über die Bühne gingen.
Für zahlreiche Vereine bot die Stadthalle seit 1981 eine wichtige Plattform für eigene Veranstaltungen und so manche einschneidende und richtungsweisende Entscheidung wurde im Rahmen von Parteitagen, Gremiensitzungen oder Tagungen beschlossen. Stadthallen-Geschäftsführer Matthias Klein würdigte die Eigenproduktionen wie die fast gleichzeitige Gründung des Balinger Opernchors und des Orchesters „Arcademia sinfonica“.
Über all die Jahre konnte das Tanzbein geschwungen werden, sei es bei Vereinsbällen, Schulabschlussfeiern oder im Rahmen von großen international besetzten Profi-Tanzsportturnieren.

Eintritt ins Schwabenalter

Den Eintritt ins Schwabenalter der Halle feierte man am Samstag mit einem kleinen, feinen und spaßigen Bühnenprogramm mit Komiker und Fernsehmoderator Helge Thun, dem Theater Lindenhof mit Bernhard Hurm aus Hirrlingen und den „Kächeles“ Michael Willkommen und Ute Landenberger. Sie alle kooperieren seit vielen Jahren mit der Balinger Stadthalle.
Eröffnet wurde der Festakt vom Balinger Opernchor unter dem Dirigat von Lennart Faustmann mit Jacques Offenbachs Barcarole – dem venezianischen Gondellied „Schöne Nacht, du Liebesnacht“ aus der Oper „Hoffmanns Erzählungen“. Die passende Musik dazu lieferte das Balinger Sinfonieorchester, bei dem der künstlerische Leiter Dietrich Schöller-Manno den Taktstock schwang. Der Chor und das Orchester bereicherten den Festakt mit weiteren glanzvollen Auftritten. In einem davon stach Solist Liangliang Zhao heraus.

Rückblick aufs Jahr 2022

Neben künstlerischen Darbietungen ließ es sich Oberbürgermeister Reitemann nicht nehmen, mit einer Bildpräsentation durch das vergangene Jahr zu führen. „In 2022 sind wir spitze gewesen, auch beim Wetter.“ So war Balingen im Dezember bundesweit auf Platz eins und im Jahresdurchschnitt auf Rang zwei.
Für einen zügigen Verkehrsfluss sorgen die beiden Kreisverkehre beim ADAC und Freibad. Viel investiert worden sei und würde in die Schullandschaft. Saniert worden sind das Gymnasium und die Sichelschule. Als Nächstes folgt die Realschule. Über eine Million Euro nahm die Stadt für intensive Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen in den Schulverbund Frommern in die Hand. Die Digitalisierung aller 260 Klassenzimmern an sämtlichen Schulen soll bis 2024 abgeschlossen sein. Fertiggestellt wurde der Mühltorplatz und ganz neu sind das Stadtarchiv im Eyachbogen mit Blick auf das Schloss sowie die Eisenbahnbrücke zwischen Balingen und Engstlatt, die speziell für den Regionalstadtverkehr gebaut wurde. Hinzu kommt noch die Blumentalbrücke in Frommern. Neue Zugänge und Wege erhielten die Friedhöfe in Dürrwangen und Frommern.
Erfreulich entwickelt hat sich die Geburtenzahl: Seit 2017 seien die Geburten auf über 1200 pro Jahr hochgeschnellt, so der Oberbürgermeister. Deshalb werde die Stadt den Ausbau der Kindergärten weiter im Blick haben. Im Gebiet „Hertenwasen“ schreitet der Wohnungsbau weiter voran.
Reitemann sprach außerdem das „Integrierte Stadtentwicklungskonzept Balingen 2035“ (ISEK) für die Kernstadt und Stadtteile an. Zuerst sind Ostdorf, Engstlatt und Heselwangen an der Reihe. Verfahren mit Bürgerbeteiligungen laufen bereits. Viel Geld floss auch in die Gesamtfeuerwehr für Fahrzeugbeschaffung und Gerätehäuser.
Neu gestartet nach der Pandemie im Herbst 2022 ist die Wissenswerkstatt mit dem Ziel, Kinder und Jugendliche für die Technik zu begeistern. Die 38 Kurse an der Hector-Kinderakademie an der Längenfeldschule werden derzeit von 321 Kindern besucht. Sie bietet besonders begabten und hochbegabten Grundschulkindern zusätzlich zum regulären Schulunterricht ein für sie entwickeltes Förderprogramm an, das weit über die regulären Unterrichtsinhalte hinausgeht.

3000 neue Arbeitsplätze

Die Arbeitslosenquote in Balingen liegt mit unter drei Prozent unter dem Landesdurchschnitt Baden-Württemberg. Genauso die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze. „Die letzten zehn Jahre haben wir 3000 Arbeitsplätze dazugewonnen“, freute sich Reitemann. Dabei verwies er auf die Neuansiedlung von Unternehmen in den Gewerbegebieten „Steinenbühl“, „Bangraben“ und „Rote Länder“. „Es sind zu wenig Flächen vorhanden, um alle Ansprüche und Wünsche bedienen zu können.“ Man arbeite an interkommunalen Lösungen mit Bisingen und Meßstetten. Nur noch mit Bisingen müsste eine Vereinbarung getroffen werden.

Lobende Worte für Sportler

Lobend hob Helmut Reitemann Balingens Sportlerwelt hervor. „Wir sind eine tolle Sportstadt“, stellte er fest. Nochmals beglückwünscht wurde der mehrfache Weltmeister Günter Bitzer aus Laufen vom Schützenverein Frommern, der bei der Vorderlader-WM in Pforzheim Gold holte. Dem HBW Balingen-Weilstetten drückt Reitemann den Daumen für die Rückkehr in die erste Bundesliga, ebenso den Fußballern der TSG auf dem Weg, die dritte Bundesliga. Erfolgreich unterwegs in der dritten Bundesliga seien die TSG-Turnerinnen.
Gut ankamen und äußerst gut besucht waren die kulturellen Veranstaltungen wie die Open-Air-Veranstaltung auf dem Marktplatz, das Kulturfestival im Sommer und die Ausstellungen in der Stadthalle und Zehntscheuer sowie die Messen, die es auch dieses Jahr wiedergibt.
Doch der Abend wurde nicht nur genutzt, um in die Vergangenheit zu blicken: 2023 werde für die Kreisstadt wieder ein „besonderes Jahr“ werden. Zum einen steht am 5. März die OB-Wahl an. Seit 2007 ist Helmut Reitemann Balingens Oberbürgermeister und die Amtszeit des 63-Jährigen läuft am 13. Mai ab. Dirk Abel und Erwin Feucht haben ihren Hut in den Ring geworfen und beide waren beim Bürgertreff präsent.
Als absolutes Highlight im noch jungen Jahr gilt die Gartenschau, die, so der OB, vom 5. Mai bis zum 24. September landesweit im Fokus stehen werde. Mit Hochdruck arbeite man an der Fertigstellung, bis dann, so Reitemann „die Blumen und Pflanzen in voller Pracht stehen.“
Rund 1000 Veranstaltungen wird es während der 143 Öffnungstage geben. Es sei gelungen, die angepeilten 600 ehrenamtlichen Kräfte schon zum Jahresende beisammen zu haben, sagt Reitemann. Nach der Ausstellung, so Reitemann, „geht der Zaun auf und alles bleibt so erhalten, wie es ist.“ Das Gartenschaugelände hat zu den vielen Schaugärten und Spielplätzen eine Holz-Bücke mit einer Spannweite von 42 Metern bekommen.

Zahlreiche Gäste feierten mit den Balingern

Gastgeber und Oberbürgermeister Helmut Reitemann mit seiner Frau Cäcilia kamen mit dem Händeschütteln der vielen Gäste kaum nach. Von auswärts hieß Reitemann den Regierungspräsidenten Klaus Tappeser, den Tübinger Landrat Joachim Walter, Reutlingens Polizeipräsident Udo Vogel und die Bürgermeister aus den Nachbarstädten und -gemeinden willkommen. Reitemann leitete den Bürgertreff zum letzten Mal, denn im Mai verabschiedet er sich in den Ruhestand.

Eine Reportage zeigt Geschichte der Halle

Zum 40-Jährigen der Stadthalle wurde zudem ein Videofilm mit einer Reportage über die Geschichte der Halle gezeigt, die unter der Amtszeit von OB Eugen Fleischmann gebaut wurde und deren Spatenstich 1978 erfolgte. Am 6. November 1981 war Eröffnung und schon 2009/2010 folgte ein großer Umbau. „Die Kultur ist explodiert, die Leute wollten in diesem neuen Haus und Ambiente Konzerte und Theater genießen und erleben“, „Die Stadthalle erobert die Herzen“ und „Auf die nächsten 40 Jahre“, heißt es in dem Filmbeitrag. Das besagte Video gibt es im Internet unter https://cloud.balingen.de/index.php/s/lXynWuNBuWZ0bEp zu sehen.