Der Blick auf das Blutgruppenbarometer des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg/Hessen sieht wahrlich nicht beruhigend aus. Kleine Blutspendebeutel zeigen an, wie gut die Speicher einer jeden Blutgruppe gefüllt sind. Schnell wird ersichtlich: Die aktuelle Versorgungslage an Blutkonserven in den beiden Bundesländern ist ernst. Alle Blutgruppen zeigen einen niedrigen bis kritischen Speicherstand, am dramatischsten sieht es bei den Blutgruppen A- und 0- aus. Die Erklärung unter der Grafik macht das noch einmal deutlich: „Langsam wird es eng. Bitte kommen Sie direkt zu einem Blutspendetermin in Ihrer Nähe und bringen Sie am besten noch ein paar Freunde mit.“

Blutspendedienst gibt Entwarnung: Lage im Kreis entspannter

Ganz so dramatisch, wie es die Grafik verlauten lässt, ist es laut dem Pressesprecher des Blutspendedienstes Eberhard Weck in den beiden Bundesländern aber nicht: „Ich bin noch entspannt“, sagt er nach Rückfrage unserer Zeitung. Dabei sanken die Blutreserven allerdings von 3,3 Tage am Montag auf 2,4 Tage nur zwei Tage später. Grund sei der Dreikönigs-Feiertag gewesen, über den viele Spender verreist seien. „Natürlich hätten wir gerne einen Vorrat für 3,5 bis 4 Tage“, ergänzt Weck, dennoch sei die Lage im Südwesten Deutschlands wesentlich entspannter als in anderen Bundesländern.
Vor allem in NRW schlagen die Weihnachtsferien und die Erkältungswelle dramatisch zu. Im ganzen Bundesland fehlen seit Wochen Hunderte Spender. Ob des Mangels an Blutkonserven sind die dortigen Blutspendedienste in Sorge „und haben extrem zum Blut spenden aufgerufen“, bestätigt Weck. Die Konserven reichen stellenweise gerade für einen Tag. „Das ist erschreckend wenig“, sagt Weck. Auch in anderen Bundesländern ist die Lage angespannt. So hat Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) jüngst zum Blut spenden aufgerufen.

Blutdepots im Zollernalbklinikum sind gefüllt

Die Krankenhäuser im Zollernalbkreis haben diese Sorgen derzeit nicht. Das Zollernalbklinikum in Albstadt sei im Dezember zwar in einem Schreiben vom Blutspendedienst über den drohenden Mangel an Blutkonserven informiert worden, die aktuelle Situation in dem Krankenhaus sei bislang aber noch stabil. „Die Blutdepots an den Klinikstandorten Balingen und Albstadt sind in normalem Umfang gefüllt. Auch die letzten Bestellungen beim Blutspendedienst wurden komplett geliefert“, heißt es in einer Mitteilung.
Das liegt auch daran, dass die Spendenbereitschaft im Landkreis seit dem ersten Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 immer weiter steigt. Der Zollernalbkreis hat keine Probleme, ausreichend Spender zu finden. „Die Blutspende hat sich auch während Corona positiv entwickelt“, bestätigt Weck. Während es 2019 noch rund 8000 Spender im Landkreis gab, waren es 2022 fast 9500 (siehe Infografik). Die Zahl der Erstspender stieg von 523 (2019) auf 615 (2022).

Trend zeigt: Immer mehr „Marathonspender“

Den Trend bestätigt auch der Vorsitzende des DRK in Geislingen, Michael Wolfram: „Bei uns sind die Termine immer ausgebucht.“ Auch Corona habe nichts an dem hohen Spendeninteresse geändert. Demnach kämen zu jedem Termin rund acht bis zehn Prozent neuer Spender dazu. Erfahrungsgemäß würden auch alle Spendenwilligen wiederkommen, die beim Ersttermin keine körperlichen Probleme hatten. Das DRK profitiere außerdem von sogenannten „Marathonspendern“, das heißt all jenen, die so oft es geht, spätestens nach der vorgegebenen achtwöchigen Pause, ihr Blut abgeben.
Warum so akut und immer fortdauernd Spenden benötigt werden und nicht gespeichert werden können, erklärt Pressesprecher Weck: Demnach werde das Blut, je nach Einsatzbereich, nach der Entnahme in seine Bestandteile zerlegt. Der größte Teil, das Plasma, könne zwei Jahre lang eingefroren werden und ist entsprechend lange haltbar. Die roten Blutkörperchen können im Kühlschrank gelagert, etwa 42 Tage aufbewahrt werden. Das größte Problem stellen jedoch die Thrombozyten dar: Diese sind für Krebspatienten überlebenswichtig, halten als Konserve jedoch nur vier Tage. Entsprechend wichtig sind, gerade für die Krebspatienten, täglich neue Blutspenden.

Regelmäßige Termine: Spenden bei DRK-Ortsvereinen

Das Zollernalb Klinikum beobachtet derweil die weitere Entwicklung der Blutvorräte. Gerade auch, weil der Stopp an nicht dringend notwendigen Operationen keinen Einfluss auf den Verbrauch an Blutkonserven habe. „Die meisten Bluttransfusionen werden im Rahmen der weiterhin in vollem Umfang stattfindenden Notfallversorgung vorgenommen“, heißt es von der Klinik.
Damit die Reserven auch im Zollernalbkreis nicht zu Neige gehen, bieten die hiesigen DRK-Ortsvereine regelmäßig Blutspendetermine an. Die Buchung dafür erfolgt im Internet. „Das läuft inzwischen routinemäßig“, bestätigt Michael Wolfram. Wer nicht sicher ist, ob er spenden kann und wie der genaue Ablauf aussieht, kann sich im Internet beim DRK oder bei den Terminen vor Ort informieren.