Wenn es um die Fasnet-Leidenschaft geht, stehen sich Walter Sieber und Marc-Oliver Schwarz in nichts nach. Sieber (66) ist seit 17 Jahren Vorsitzender des Narrenfreundschaftsring Zollern-Alb. Schwarz (42) ist Narrenrat in Schömberg. Entsprechend groß ist die Freude über die Fasnetszeit. Am 22. Januar steht für beide aber erstmal die Bürgermeisterwahl in Zimmern an.
Am Mittwochabend präsentierten sie sich in der dortigen Festhalle den interessierten Anwohnerinnen und Anwohnern. Rund 200 Gäste waren gekommen, in Anbetracht dessen, dass der Ort gerade einmal 447 Einwohner zählt, war das Interesse riesig. „Es wird spannend heute“, sagte Gemeinderatsmitglied Werner Panthen vor Veranstaltungsbeginn. Denn abgesehen von der Fasnetsleidenschaft, eint die Kandidaten nicht viel.

Mit 66 Jahren nochmal durchstarten

Den Anfang der Vorstellungsrunde macht Walter Sieber. „Ich freue mich, mich hier vor vollem Haus vorstellen zu dürfen“, sagt er zu Beginn seiner Rede. Nach 50 Jahren bei der Deutschen Bahn, zuletzt als Betriebsinspektor, ist er seit dem vergangenen Jahr in Rente – eine Zeit, in der er nachdenklich wurde: „Ich habe mich dabei erwischt, wie ich am Nachmittag im Fernsehen Frauentausch geguckt habe“, plaudert der Pensionär aus dem Nähkästchen. „Mir wurde klar, dass ich mit 66 nochmal durchstarten möchte.“ Warum aber gerade Zimmern, fragt ein Anwohner in der anschließenden Fragerunde. „Weil‘s klein, beschaulich und händelbar ist“, antwortet Sieber. Ratshausen habe ihn auch gefragt, „aber der schönere Ort ist Zimmern.“ Die Entfernung sei für ihn dabei kein Hindernis. Aktuell wohnt er in Benzingen, rund 40 Minuten von Zimmern entfernt: „Die letzten 50 Jahre bin ich gependelt. Dann werde ich es auch jetzt schaffen.“
Der Narrenfreund möchte viel in Zimmern anpacken. Unter anderem die Heizung im Bürgerhaus sanieren und den ÖPNV ausbauen. Helfen soll ihm dabei seine Erfahrung bei der Bahn. Auch das Thema Funkmasten stehe auf der Agenda, „da fehlt mir allerdings die Akteneinsicht“, gibt er zu. Schnell angehen möchte der Pensionär dafür das Neubaugebiet, das unbedingt kommen soll, sowie die Innenentwicklung. All das werde eine Herausforderung, „weil der Haushalt nicht viel Spielraum lässt.“

Viel Erfahrung als Kommunalpolitiker

Bei der Realisierung der Projekte sicher hilfreich sein wird seine Zeit in der Kommunalpolitik. Als ehemaliger Ortsvorsteher von Benzingen und langjähriges Mitglied im Ortschaftsrat sowie im Gemeinderat von Winterlingen hat er viel Erfahrung gesammelt. Außerdem war er für die Freien Wähler Mitglied im Kreistag des Zollernalbkreises.
Ein Amtsversprechen möchte Sieber zwar nicht geben, als Bürgermeister möchte er aber immer ansprechbar sein und sich für die kleine Gemeinde einsetzen. „Zimmern ist schön mit dem starken Vereinsleben. Hier wird das WIR-Gefühl gelebt.“

Gegenkandidat Schwarz hat Finanzen im Blick

Nicht weniger zielstrebig zeigt sich Gegenkandidat Marc-Oliver Schwarz, dafür mit einem genauen Blick auf die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde. „Zimmern ist nicht so gut aufgestellt, deshalb müssen wir weitsichtig planen.“ Pläne hat der Vater einer sieben Monate alten Tochter dennoch. Ebenso wie Siebert möchte er die Heizung im Bürgerhaus sanieren, öffentliche Gebäude und den Dorfplatz „aufhübschen“. Auch die Erweiterung des Baugebiets ist ihm ein Anliegen: „Viele junge Leute wollen Zimmern nicht verlassen. Aber Bauen ist zurzeit nicht lukrativ.“ Darüber hinaus möchte er Brachflächen zur Energiegewinnung nutzen.
Auch die öffentliche Versorgung gelte es aufzubessern. Schwarz denkt da zum Beispiel an einen Lebensmittelautomaten oder Verkaufswagen, mit „allem, was man auf die Schnelle braucht.“ Auch den ÖPNV möchte der Versandleiter, der bei der Firma Holz Steinwandel in Rottweil arbeitet, angehen.
Diskutiert wird in dem Ort im Schlichemtal zudem der Bau eines Mobilfunkmastes. Die jüngere Generation fordert einen Ausbau des Netzes, die ältere hat unter anderem gesundheitliche Bedenken. „Hier bin ich gerne Mediator und Vermittler, um den Schritt in Richtung Zukunft zu wagen“, sagt Schwarz. Immerhin sollte jeder, der in Zimmern ist, ohne Probleme im Notfall die 112 wählen können.

Schwarz ist in Zimmern kein Unbekannter

Es sind motivierte Ziele, die Schwarz angehen möchte. Unbekannt ist er in Zimmern nicht, immerhin liegt der Ort unweit von Schömberg, seinem Wohnort. Dort ist er sowohl bei den Narren als auch bei der Feuerwehr aktiv. „Was mich in Zimmern immer fasziniert hat, ist das aktive Vereinsleben.“ Durch seine Erfahrungen im Finanzwesen und als Vorsitzender der CDU in Schömberg, traut er sich den Posten des ehrenamtlichen Bürgermeisters zu. Dabei möchte er nicht als Diktator, sondern als Teamplayer auftreten: „Es gibt viel zu tun, auch miteinander, aber nur gemeinsam sind wir stark.“

Zweite Wahl des Jahres in der Region Heuberg

Die Wahl in Zimmern unter der Burg ist in diesem Jahr bereits die zweite in der Region Heuberg. Am 8. Januar wurde Tommy Geiger zum neuen Bürgermeister in Ratshausen gewählt.
Die beiden Kandidaten, Walter Sieber und Marc-Oliver Schwarz, duellieren sich um die Nachfolge von Jürgen Leichtle. Dieser übernahm in der Gemeinde Lauterbach das Bürgermeisteramt.
Die Wahllokale haben am Wahltag (22. Januar) von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Erreicht keiner der Kandidaten die Mehrheit, erfolgt am 5. Februar ein zweiter Wahltermin.