Die Entscheidung fiel bereits im ersten Wahlgang und war mit 70 Prozent eindeutig: Tommy Geiger wird der neue Bürgermeister von Ratshausen. Von Mittwoch, 15. Februar, an übernimmt der 42-Jährige die Geschäfte der Gemeinde. Für den Ortsvorsteher von Schörzingen eine neue Aufgabe. Im Interview der SÜDWEST PRESSE spricht er über den Wahlabend am vergangenen Sonntag und seine Pläne für die ersten Wochen im Amt.

Glückwünsch zum Wahlsieg, Herr Geiger. Wie lange haben Sie am Sonntag noch gefeiert?

Tommy Geiger: Wir haben bis circa 22 Uhr gefeiert, dann sind wir nach Hause. Denn meine große Tochter hatte ja am Montag wieder Schule.

Wie haben Sie gefeiert?

Ich habe in Ratshausen den Musikverein, den Liederkranz und die Bürger ins Sportheim auf ein Wahlbier eingeladen. Meine Familie und Bekannte waren noch in der Löwenstube in Schörzingen. Ich selbst war bis circa 21 Uhr in Ratshausen und bin danach ebenfalls noch kurz in die Löwenstube.

Wie haben Sie sich am Sonntag gefühlt, als feststand, Sie haben gewonnen?

Natürlich sehr gut, es war toll. Es freut mich natürlich sehr, dass die Bürgerinnen und Bürger von Ratshausen meine Bemühungen im Wahlkampf zu schätzen gewusst haben und mir ihre Stimme gegeben haben. Ich hatte versucht, mit jedem Bürger ins Gespräch zu kommen. Ich bin ja von Haus zu Haus gegangen und habe mich mit allen Rathausmitarbeitern, dem Gemeinderat, den Vereinen, der Feuerwehr, dem DRK und dem Kirchengemeinderat getroffen.

Das Ergebnis war ja mit 70 Prozent eindeutig.

Hoffen tut man immer, dass es so ausgeht, wissen tut man es natürlich nicht. Viele haben mir auch gesagt, es wird sicherlich spannend und knapp werden. Ich hatte durch die Gespräche, die ich geführt habe und durch die Rückmeldungen der Bürger ein gutes Gefühl. Aber wie letztlich abgestimmt wird und welchen Eindruck der andere Kandidat hinterlassen hat, das weiß man ja nicht. Es ist immer eine Überraschung, aber ich war zuversichtlich. Ich konnte für mich selbst sagen, alles Mögliche getan zu haben und ich bin mit mir selber zufrieden, egal, wie es ausgeht.

Wenn Sie die vergangenen Wochen Revue passieren lassen: Hätten Sie sich mal gewünscht, nicht kandidiert zu haben?

Nein, überhaupt nicht. Alle Gespräche waren angenehm, offen und freundlich. So hatte ich das aber auch erwartet. Die Ratshausener waren interessiert und kamen gern ins Gespräch. Also hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, es passt nicht.

Wie starten Sie ins Amt?

Heiko Lebherz und ich haben vereinbart, dass wir jetzt im Januar Termine für eine Übergabe und Einarbeitung abstimmen, um alles kennenzulernen und noch mehr über laufende und kommende Projekte zu erfahren. Am 15. Februar geht‘s dann mit dem ersten Arbeitstag los.

Wie steht es jetzt um Ihre Ämter als Ortsvorsteher und Gemeinderatsmitglied?

Ortsvorsteher in Schörzingen bleibe ich. Im Gemeinderat der Stadt Schömberg höre ich aber auf.

Was planen Sie für die ersten Wochen im Amt des Ratshausener Bürgermeisters?

Natürlich erstmal ankommen und alles noch genauer kennenlernen. Gespräche mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern führen. Termine für die kommenden Gemeinderatssitzungen festlegen. Das werden so die ersten Dinge sein. Dann nehme ich mir aber vor, die Sache mit dem Dorfladen in Angriff zu nehmen. Hierzu möchte ich schnellstmöglich die ersten Gespräche führen.

War der Dorfladen ein großes Thema in Ihren Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern?

Ja, auf jeden Fall. Ich hatte dazu ja auch die Presseberichterstattung in den letzten Monaten verfolgt und viele Bürger haben angesprochen, dass es schön wäre, die Grundnahrungsmittel vor Ort zu bekommen. Und die Räumlichkeiten sind ja vorhanden. Es ist natürlich für alle unbefriedigend, wenn diese nun ungenutzt leerstehen.

Was könnte eine Herausforderung für Sie im Amt werden?

Jedes neue Amt, jeder neue Beruf, ist erstmal eine Herausforderung. Aber diese nehme ich gerne an und freue mich darauf.

Und worauf freuen Sie sich am meisten?

Aufs Anfangen, aufs Gestalten. Aufs mit den Bürgerinnen und Bürger und mit den Vereinen weiter ins Gespräch zu kommen und im Gespräch zu bleiben. Ich denke, es muss wieder mehr gesprochen werden, mehr das Miteinander gefördert werden. So eine Bürgermeisterwahl ist ja auch immer ein Neustart. Ich hoffe, viele Bürgerinnen und Bürger starten mit mir zusammen durch und bringen sich in die Dorfgemeinschaft ein.

Ihre Familie und Freunde freuen sich mit Ihnen auf das Amt?

Absolut, und das freut mich natürlich. Ich bekomme sehr viele Glückwünsche. 

Und Ihre beiden Töchter sind stolz?

Auf jeden Fall. Die muss ich ein bisschen bremsen und ihnen sagen: Ich bin erst dann Bürgermeister, wenn ich vereidigt bin.

Tommy Geiger im Kurzporträt

Tommy Geiger ist Handwerksmeister und arbeitet seit 25 Jahren bei der Firma Hermann in Weilen. Bei der Kandidatenvorstellung vor der Wahl sagte der 42-Jährige, das Bürgermeisteramt bringe mit seinen Verwaltungsvorgängen trotz seiner bishergen Gemeindeerfahrung viel Neues: „Es gibt viel für mich zu lernen, darauf freue ich mich.“ Geiger ist verheiratet und hat zwei Töchter, Alexa und Juliana. Mit seiner Familie lebt er in Schörzingen.