Der eine ist Verwaltungsfachangestellter, der andere Handwerksmeister. Der eine will neu in die Kommunalpolitik einsteigen, der andere hat bereits Erfahrung. Dominik Fischer (29) und Tommy Geiger (42) eint nicht viel – eines aber doch: Beide möchten Bürgermeister von Ratshausen werden. Jeweils 20 Minuten hatten sie am Dienstagabend (3. Januar) in der Plettenberghalle Zeit, sich den rund 200 Ratshausenern im Publikum vorzustellen.
Den Anfang macht Fischer. Ohne Skript geht er auf die Bühne. Er ist verheiratet, hat einen Sohn und lebt in Hartheim. Würde er am Sonntag zum Bürgermeister gewählt werden, bliebe das auch so. Dass er nicht aus Ratshausen kommt, sieht Fischer als Stärke. „Als Hartheimer kann ich neutral auf Ratshausen blicken“, sagt er. Bisher arbeitet der Beamte im Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Stetten am kalten Markt.

Bürgermeisterwahl in Ratshausen: Kandidat Fischer will kleine Probleme sofort lösen

Er sei ein offener Typ, gern in Gesellschaft und diskussionsfreudig. Worauf er allerdings allergisch reagiere: wenn „hinter dem Rücken falsche Spiele“ gespielt werden. Frei nach den Worten von Trigema-Chef Wolfgang Krupp will Fischer Probleme lösen, solange sie noch klein sind. „Nur wenn man kleine Probleme direkt aus der Welt schafft, wird gar nicht erst ein großes daraus“, sagt er. Worin Fischer als Bürgermeister investieren will: in die Feuerwehr. Der 29-Jährige ist darin selbst aktiv. Besonders wichtig sind ihm Unfallverhütungsmaßnahmen, damit den Männern und Frauen im Einsatz nichts passiert. Handlungsbedarf sieht der Hartheimer auch beim Hochwasserschutz. Ratshausen dürfe kein zweites Ahrtal werden. Mit Blick auf die ältere Bevölkerung in Ratshausen will Fischer außerdem die örtliche Nahversorgung angehen. So zieht er Selbstbedienungsläden oder Verkaufswagen in Betracht.
In Gesprächen vor der Wahl hätten junge Menschen einen Jugendtreff gefordert, berichtet Fischer. „Es ist wichtig, dass man Jugendliche in die Vereinsarbeit und in die Gemeinde integriert“, sagt der 29-Jährige. Aber auch die Erwachsenen brauchen Möglichkeiten. „Den Bau auf der grünen Wiese wird es nicht mehr geben“, sagt Fischer. Er will Leerstände und abbruchreife Gebäude in der Gemeinde erfassen, um Platz für Neubauten zu schaffen. „In der Zukunft wird es wichtig sein, clever und weitsichtig in Ratshausen zu investieren“, sagt Fischer. Aktuell stehe die Gemeinde wunderbar da, weil Bürgermeister Heiko Lebherz, der an diesem Abend die Veranstaltung leitet, die Gemeinde „toll geführt“ habe.

Tommy Geiger: Bürgermeister-Kandidat mit Erfahrung

Anders als Fischer ist Tommy Geiger ein alter Hase, wenn es um die Arbeit in öffentlichen Ämtern geht. Aktuell ist der Vater zweier Töchter ehrenamtlicher Ortsvorsteher von Schörzingen sowie im Schömberger Gemeinderat und im Schörzinger Ortschaftsrat aktiv. Für den gelernten Handwerker, der seit 25 Jahren bei der Firma Hermann in Weilen arbeitet, bringe das Bürgermeisteramt mit seinen Verwaltungsvorgängen dennoch viel Neues: „Es gibt viel für mich zu lernen, darauf freue ich mich.“
Das Amt möchte Geiger, im Falle seiner Wahl am Sonntag, nutzen, um Ratshausen weiterzubringen. Dazu zählen große wie kleine Projekte. Neben der Sanierung des Feuerwehrgebäudes sind es in erster Linie Bauvorhaben: „Wir sollten die frei gewordenen Flächen nicht brachliegen lassen“, sagt Geiger. Mit kommunalen Förderprogrammen könnten Leerstände verhindert werden. Ebenso möchte er der Problematik des Dorfladens „intensiv nachgehen“. Die Idee eines Selbstbedienungsladens, wie sie Fischer genannt hat, ist für Geiger eine „B-Lösung“. Die Räumlichkeiten müssten stattdessen mit Leben gefüllt werden.

Tommy Geiger als Ideengeber ins Bürgermeisteramt?

Ebenfalls auf Geigers Agenda: Die Themen Ganztagsbetreuung, öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV), Hochwasserschutz und der Ausbau erneuerbaren Energien. „Hier haben wir Möglichkeiten, die bisher nicht erschlossen sind.“
Geiger selbst sieht sich bei der Weiterentwicklung der Gemeinde als Ansprechpartner und Ideengeber. Dafür möchte er jedes mögliche Thema in der Öffentlichkeit diskutieren, denn Transparenz ist für den Handwerker wichtig. „Lassen Sie uns gemeinsam etwas tun“, gibt er den Anwesenden im Saal mit auf den Weg. „Ich kann keine Versprechungen machen“, ergänzt er, „aber ich kann versprechen, dass ich mich mit vollem Einsatz für Ratshausen einsetze.“

Info Die Wahl findet am Sonntag von 8 bis 18 Uhr im Vereinshaus des Rathauses statt.

Stimmen aus dem Publikum

Sarah Blepp (24): „Es ist interessant, dass viele junge Leute da waren. Wir besprechen auch untereinander die Pro- und Contra-Argumente.“
Martin Bertsch (57): „Die Veranstaltung war informativ und hat mich weitergebracht, damit man die Kandidaten mal sieht. Aber ich habe noch keine Tendenz, beide Kandidaten haben Vor- und Nachteile.“
Lea Koch (23): „Beide versprechen Ähnliches, besonders das Thema Jugendarbeit finde ich interessant.“