Holcim in Dotternhausen
: Verein legt Beschwerde wegen Abgaswerten ein

Laut Nuz-Verein gibt das Regierungspräsidium Tübingen nicht genügend Abgaswerte zum Zementwerk in Dotternhausen heraus. Die Daten seien zudem nicht genau genug.
Von
Karin Mitschang
Dotternhausen
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Das Zementwerk in Dotternhausen bereitet manchen Anwohnern Sorgen aufgrund der Emissionen.⇥

Paul Bossenmaier/Holcim

Die Aufzeichnungen von Emissionen des Zementwerks von Holcim in Dotternhausen aus den Jahren 2018 und 2019 entsprechen nicht den gesetzlichen Anforderungen, schreibt der Verein für Natur- und Umweltschutz Zollernalb (Nuz). Wie der Vereinsvorsitzende und ehemalige Bürgermeister Norbert Majer informiert, hat der Verein beim Regierungspräsidium (RP) Tübingen ein Beschwerdeschreiben eingereicht, nachdem er die übermittelten Daten durch zwei Experten habe prüfen lassen. Deren Namen liegen der Redaktion vor.

Hintergrund ist ein Urteil des Verwaltungsgerichts Sigmaringen aus dem Sommer. Wie berichtet, wurde das RP nach dem Umweltinformationsgesetz dazu angewiesen, Zugang zu Emissionsdaten zu geben. Die Befürchtung des Nuz-Vereins: Das Zementwerk in Dotternhausen könnte eine hohe Luftverschmutzung erzeugen. Unter anderem würden Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, Schwefel, Quecksilber ausgestoßen. Die vom RP übermittelten Unterlagen habe der Verein zwei hochkarätigen Fachexperten zur Auswertung übermittelt. „Beide bestätigen, dass die PDF-Datenlisten mit Verschlüsselungen versehen sind, die eine Auswertung nicht erlauben.“ Die Daten entsprächen damit nicht den gesetzlichen Vorgaben.

Kein Quecksilber?!

Bei Quecksilber würden in allen Messberichten bei Holcim 0 Milligramm (mg) ausgewiesen. Die Messungen müssten aber auf drei Stellen hinter dem Komma lauten, also bei fehlender Emission 0,000 mg ausweisen. Eindeutig sei bereits zu sehen, dass eigentliche gesetzliche Grenzwerte insbesondere bei Stickoxiden und Kohlenstoffen „mit der längst veralteten SNCR Abgasreinigungsanlage nicht eingehalten werden“, schreibt der Verein weiter. Dies sei nur aufgrund einer Ausnahmegenehmigung durch das Regierungspräsidium möglich. Der Nuz-Verein fordert von Holcim schon seit langem eine Abgasreinigung mit einer sogenannten SCR-Anlage, „was die Umwelt und Gesundheit der Menschen in der ganzen Region erheblich entlasten würde“. Seit 2015 sei laut Umweltministerium Baden-Württemberg die Abgasreinigung mit einer SCR-Anlage Stand der Technik. Und Ausnahmeregelungen über Schadstoffausstoß seien nur dann zulässig, wenn die Abgasreinigung auf dem Stand der Technik sei, informiert Norbert Majer.

Der Verein kritisiert schon seit längerem, dass Müllverbrennungsanlagen in Deutschland weitaus höhere Auflagen hätten als Zementwerke, welche eine Unmenge an Schadstoffen zur Herstellung des Baustoffes verbrennen, um die notwendige Hitze zu erhalten. Dies vor allem, weil sie verschiedenste Abfallstoffe als Ersatzbrennstoff verbrennen dürfen.

Messeinrichtung abgeschaltet

Beim RP bittet Majer auch um Abklärung, warum Holcim die Messeinrichtungen fast jeden Monat in den zwei Jahren 2018 und 2019 immer wieder für mehrere Stunden abgeschaltet hat, was eigentlich nicht zulässig sei. „Im Volksmund spricht man davon, dass dann die Entlastungsklappen geöffnet werden, zulasten der Umwelt.“ In der näheren Umgebung sei dies auch durch vermehrten Staubniederschlag festzustellen. Zudem beantragt der Verein nicht verschlüsselte Tabellen sowie die Messdaten zu den Jahren 2021 und 2022. Dies einschließlich der Messergebnisse für die einmalig gemessenen besonderen Schwermetalle und sonstigen Giftstoffe wie Benzole und Dioxine.

Auf eine kurzfristige Presseanfrage beim Regierungspräsidium Tübingen und bei der Firma Holcim zur Beschwerde gab es bis Redaktionsschluss noch keine Antwort.

Die vorgeschlagene Reinigungs-Technik 

SCR ist die Abkürzung für „selective catalytic reduction“. Selektive katalytische Reduktion bezeichnet eine Technik, mit der Stickoxide in Abgasen reduziert werden sollen. Beispielsweise in Verbrennungsmotoren, Feuerungsanlagen und Müllverbrennungsanlagen. Die SCR-Abgasnachbehandlung kommt hierzulande beispielsweise bei Dieselmotoren zum Einsatz.