CSD in Balingen: Unbekannte starten Petition gegen CSD – so reagieren die Veranstalter

Kevin Paal, Peter Demmer und Dominik Ochs (von links) gehören zum etwa zehnköpfigen Orga-Team des diesjährigen CSD in Balingen. Die tragenden Organisationen sind der Verein „Immerwaslos“ aus Albstadt und die Jusos Zollernalb; Kevin Paal und Dominik Ochs gehören beide der SPD an.
Lea Irion- In Balingen soll am 6. September erstmals ein CSD stattfinden – eine Petition sorgt für Gegenwind.
- Die Petition fordert: Keine Regenbogenflagge am Rathaus, keine städtische Unterstützung für den CSD.
- Begründung: Der CSD sei „politisch“ und „ideologisch“ – das Rathaus müsse neutral bleiben.
- Veranstalter kritisieren die Petition als queerfeindlich und betonen die Flagge stehe für Vielfalt und Menschenrechte.
- Ein Instagram-Account mit religiösem Bezug verbreitete den Petitionslink – Hintergründe bleiben unklar.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Am 6. September soll in Balingen erstmals eine Demo anlässlich des Christopher Street Days (CSD) stattfinden. Doch schon Wochen zuvor entbrennt eine Debatte darüber, ob das Rathaus auch die Regenbogenflagge hissen sollte. Die Stadtverwaltung selbst spricht sich zum jetzigen Zeitpunkt aus „Neutralitätsgründen“ dagegen aus, unter anderem. Nun geht die Debatte in die nächste Runde: Eine Online-Petition wendet sich gegen das Hissen der Regenbogenflagge am Rathaus und gegen eine offizielle Unterstützung durch die Stadtverwaltung. Die Begründung: Der CSD sei „politisch“ und nicht mit den Überzeugungen aller vereinbar.
In der Petition, die sich direkt an die Stadtverwaltung richtet, fordert ein anonymer Aktivist: keine politische Symbolik auf öffentlichen Gebäuden, keine Unterstützung des CSD durch die Stadt. Die Person, die nur als „Max Musterman [sic!]“ aufgeführt wird, argumentiert, das Rathaus müsse „neutral“ bleiben – die Regenbogenflagge und die Veranstaltung selbst würden vermeintlich ideologische Positionen vertreten, etwa in Bezug auf Genderidentität oder Sexualpädagogik. Der CSD sei damit keine Veranstaltung für alle, sondern einseitig und „polarisierend“.
Das sagen die Veranstalter
Dominik Ochs, der für die SPD im Balinger Gemeinderat sitzt, widerspricht dieser Darstellung deutlich. Zusammen mit Stadträtinnen und -räten der Grünen will seine Fraktion mit einem Antrag erreichen, dass die Verwaltung die Regenbogenflagge am 6. September eben doch hisst. „Die Würde eines jeden Menschen ist nicht verhandelbar“, heißt es darüber hinaus in einer gemeinsamen Stellungnahme der CSD-Organisatoren und Unterstützer, zu denen Ochs gehört. Man sei „schockiert“ gewesen. Die Petition versuche, eine Bewegung der Vielfalt und der Menschenrechte als ideologisch zu diskreditieren – man stelle sich diesem Ansinnen „wild und entschlossen entgegen“.
Der CSD sei ein Fest der Hoffnung und des Zusammenhalts, heißt es weiter – ein Zeichen für eine offene Gesellschaft, in der niemand aufgrund von sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität ausgegrenzt werde. Die Regenbogenflagge stehe dabei nicht für ein politisches Lager, sondern für Respekt und universelle Werte wie Gleichheit und Menschenwürde.
Zu den Hintergründen der Petition ist indes nichts weiter bekannt. Nur so viel: Auf Instagram postete ein Account mit dem Namen „deutschlandundjesus“ mehrfach den Link zu der Petition. Selbiger Account verlinkt auf ein weiteres Profil mit der englischen Bezeichnung für „Jesus ist Gott“, auf dem queerfeindliche Inhalte mit Religionsbezug geteilt wurden.


Debatte um Regenbogenflagge:Wovor die Stadt Balingen wirklich Angst hat
Balingen verweigert sich der Regenbogenflagge zum ersten CSD – und gibt vor, damit neutral zu bleiben. Doch wer sich nicht positioniert, tut es eben doch, findet Autorin Lea Irion.