Bahnhofstraße Balingen
: Den Anwohnern stinkt es – Ärger um Döner-Laden

Die Bahnhofstraße ist belebt, auch dank einiger Imbiss-Läden. Doch der Geruch nach frischem Döner kann auch als lästig empfunden werden. Vor allem ohne Dunstabzug.
Von
Peter Kiedaisch
Balingen
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  • Gabriele und Peter Seifert stören sich am Dönergeruch, der auch in ihrer Apotheke deutlich wahrnehmbar ist.⇥

    Gabriele und Peter Seifert stören sich am Dönergeruch, der auch in ihrer Apotheke deutlich wahrnehmbar ist.⇥

    Peter Kiedaisch
  • Hier gelangt altes Frittieröl in die Kanalisation.⇥

    Hier gelangt altes Frittieröl in die Kanalisation.⇥

    Privat
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Riecht gut, riecht sogar verführerisch gut. Rings um den Döner-Laden in der Bahnhofstraße leben die kulinarischen Versuchungen nicht allein vom alten Wirtshausschild und den ordentlich drapierten Tischen und Stühlen, wie sie in der Außengastronomie üblich sind. Die Versuchung schleicht sich über den Geruchssinn in Herz und Hirn. „Ich hätte gerne einen Döner“, ist eine an diesem Ort oft gehörte Bestellung, der üblicherweise die Herausgabe eines eingeklappten Fladens mit saftiger Füllung folgt.

Hackfleischberge am Spieß

Freilich nicht nebenan in der Apotheke von Gabriele Seifert. Ihr aber wird oft genug, wenn auch im Jux, dieselbe Bestellung aufgetragen, ergänzt um die Bemerkung, hier rieche es so gut nach Essen. Das ärgert die Apothekerin. Es ärgert auch ihren Mann Peter Seifert, dem das Gebäude gehört. Ein stattliches Haus mit Mietwohnungen in dessen oberen Etagen. Auch dort gibt es Klagen, denn so gut die Hackfleischberge am Spieß auch riechen, beim Einschlafen wäre frische, sauerstoffgetränkte Luft um so vieles angenehmer als Variationen von Bratfett.

Kurzum: Peter Seifert stinkt’s, was er kürzlich während der Sitzung des Technischen Ausschusses des Gemeinderats sicher auch wortreich zum Ausdruck gebracht hätte, als es um die Bahnhofstraße ging. Doch weil der erstens Immobilienbesitzer in der Bahnhofstrasse ist und zweitens selber in der Straße eine Gastronomie betreibt, musste er als befangen vom Ratstisch abrücken.

Andere brauchen Abluftanlagen

Indessen sollte sein Groll über die Zustände wenigstens den Behörden bekannt sein. Schon einige Male habe er versucht, dem Gewerbeaufsichtsamt diesen Missstand zu verdeutlichen. Zumal ein früherer Döner-Laden aus derselben Straße durchaus die Härte der Vorschriften zu spüren bekommen hatte.

Der damalige Betreiber musste eine Abzugsanlage installieren, die erst eineinhalb Meter über dem Dachfirst den Bratgeruch ins Freie entließ. „Nicht mal das Küchenfenster durfte gekippt sein, bei Androhung von 500 Mark Ordnungsgeld“, erinnert sich Seifert. Bis heute, inzwischen ist dort ein Asia-Imbiss eingezogen, ist das Abluftrohr weithin zu sehen.

Auch besagter Döner-Laden neben der Apotheke verfügt über solch eine Anlage. Muss er auch, wie das dem Landratsamt unterstellte Gewerbeaufsichtsamt auf Anfrage bestätigt: „Für Gaststätten gilt, dass diese so zu errichten und zu betreiben sind, dass Belästigungen und Beeinträchtigungen für die Nachbarschaft verhindert werden, die nach dem Stand der Technik vermeidbar sind. Nach dem Stand der Technik nicht vermeidbare Belästigungen und Beeinträchtigungen sind auf ein Mindestmaß zu beschränken.“

Laden-Besitzer widerspricht

Die Krux an der Sache ist das Rohr an sich, denn es endet nicht über dem Dach, sondern führt in den rückwärtig gelegenen Garten und endet fünf Zentimeter über dem Boden. Eine Geruchsbelästigung geht davon allerdings nicht aus, wie Peter Seifert ermittelt hat: Die Anlage scheint gar nicht zu funktionieren, zumindest kommt daraus kein Hauch von Küchengeruch. „Eigentlich kommt da gar nichts raus“, sagt Seifert.

Die Betreiber des Döner-Ladens widersprechen: „Der Dunstabzug funktioniert ganz normal, da läuft alles.“ Einen Grund zur Beanstandung hat auch das Landratsamt nicht: „Uns sind aktuell keine Beschwerden über Geruchsbelästigungen durch den Döner-Imbiss in der Balinger Bahnhofstraße bekannt.“

Wurden die Anfragen von Peter Seifert übersehen? Erst im Mai habe er die Behörden über ein anderes Vorkommnis unterrichtet, es steht ebenfalls im Zusammenhang mit dem Döner-Imbiss: Ein mit altem Frittieröl gefüllter Mülleimer war umgekippt, sodass das Öl am Rinnstein entlang floss und in die Kanalisation gelangte. Niemand habe sich darum geschert, ärgert sich Seifert. Es gehe ihm gar nicht darum, jemanden anzuschwärzen, aber es müsse gleiches Recht für alle gelten. Inzwischen fühlt er sich, wie er sich selbst ausdrückt, „regelrecht verarscht.“