Wohnung mieten in Albstadt
: Wie teuer sind die Immobilien? Stadt plant ersten Mietspiegel

Wie entwickeln sich die Mieten in Albstadt, Bitz und Meßstetten? Die Albstädter Stadtverwaltung möchte einen qualifizierten Mietspiegel erheben lassen. Es wäre ein Novum.
Von
Maik Wilke
Albstadt
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Ist die Miete, die Albstädter für ihre Wohnung zahlen, hoch oder niedrig? Ein Mietspiegel könnte Bürgerinnen und Bürgern einen Überblick verschaffen und sie so vor zu teuren Mieten schützen. ⇥

Emil Schmid

Eine 4-Zimmer-Wohnung mit 115 Quadratmetern und Balkon für weniger als 900 Euro Kaltmiete. Klingt nach keinem schlechten Angebot. Doch wie könnte sich der Mietpreis entwickeln, und wie haben sich die Mieten in Albstadt generell in den vergangenen Jahren erhöht? Eine Übersicht über die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt gibt es in dieser Form in Albstadt nicht. Noch nicht. Denn die Stadtverwaltung möchte das ändern und einen „qualifizierten Mietspiegel“ erstellen lassen. Das schlägt die Verwaltung dem Gemeinderat am Donnerstagabend, 30. März, zur Diskussion vor.

Pflicht ist der Mietspiegel nicht. Erst ab einer Größe von 50 000 Einwohnern sind Städte verpflichtet, die Mieten auf dem Wohnungsmarkt zu ermitteln. „Von dieser Einwohnerzahl ist Albstadt ohnehin nicht weit entfernt, und wir wollen der Bevölkerung den Mietspiegel als Service zur Verfügung stellen“, sagt Sarah Braun, Pressesprecherin der Stadt Albstadt.

Wohnungsmarkt richtig einschätzen

Die Verwaltung sei in der Vergangenheit regelmäßig gefragt worden, ob es in Albstadt einen Mietspiegel gibt. Auch Interessenvertretungen wie Mietervereine und „Haus&Grund“ begrüßen die Erhebung eines Mietspiegels. „Zudem hat das Land ein Förderprogramm aufgelegt, welches die Erstellung von Mietspiegeln bei Kooperationen derzeit finanziell unterstützt.“ Von den Kosten in Höhe von etwa 40 000 Euro könnte das Land fast die Hälfte übernehmen (siehe Info-Kasten).

„Der qualifizierte Mietspiegel hilft bei der Einschätzung des Wohnungsmarktes und gibt eine Übersicht über die ortsübliche Vergleichsmiete von Wohnraum vergleichbarer Art, Größe, Ausstattung, Beschaffenheit und Lage“, erklärt Braun weiter.

Erst den Zuschuss beantragen

Doch wie würde es weitergehen, sollte der Gemeinderat in seiner Sitzung heute Abend dem Vorhaben zustimmen? „Als erster Schritt ist über das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg die Antragsstellung auf Bezuschussung gemäß den aktuellen Richtlinien über die Bezuschussung für die Erstellung eines qualifizierten Mietspiegels vorgesehen“, heißt es in der Entscheidungsvorlage. Nach Vorliegen des Förderbescheids wird der Gemeinsame Gutachterausschuss der Stadt Albstadt die Beauftragung des hinzugezogenen Instituts vornehmen. Sobald der Mietspiegel im Entwurf vorliegt, wird er den Gemeinderatsgremien der teilhabenden Kommunen zur Beratung und Beschlussfassung vorgelegt.

Alle zwei Jahre anpassen

Auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt entwickeln sich aktuell neue Herausforderungen. Nachdem der Niedrigzins über viele Jahre eine günstige Finanzierung teurer Objekte ermöglicht hat, ist dies durch die drastische Erhöhung des Bauzinses für viele Kaufwillige trotz sinkender Immobilienpreise kaum finanzierbar. All diese Entwicklungen wirken sich auch auf den Mietsektor aus, ebenso wie steigende Auflagen.

Damit folglich ein Mietspiegel über einen längeren Zeitraum aussagekräftig ist, wird er alle zwei Jahre angepasst. Dabei kann eine Stichprobe oder die Entwicklung des vom Statistischen Bundesamtes ermittelten Preisindexes für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte in Deutschland zugrunde gelegt werden. „Nach vier Jahren ist der qualifizierte Mietspiegel neu zu erstellen. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist hierfür allerdings mit keiner Bezuschussung mehr zu rechnen“, erklärt die Stadtverwaltung Albstadts.

Jede Kommune des Gemeinsamen Gutachterausschusses Albstadt entscheidet selbst, inwieweit sie in Zukunft an der Fortschreibung oder Neuerstellung des Mietspiegels mitmachen möchte.

Wie viel zahlt die Stadt Albstadt für den Mietspiegel?

Für die Beauftragung des EMA-Institut aus Sinzing zur Erstellung eines qualifizierten Mietspiegels fallen Kosten in Höhe von voraussichtlich rund 34 500 Euro an; eventuell fallen weitere Kosten in Höhe von 6000 Euro an. Der zu erwartende Zuschuss beträgt 25 Cent pro Einwohner und damit bei einer Gesamteinwohnerzahl von rund 74 660 Einwohnern im Gemeinsamen Gutachterausschuss rund 18 650 Euro. Die verbleibenden Kosten werden gemäß dem vereinbarten Verteilungsschlüssel nach der Zahl der Einwohner auf alle Mitglieder aufgeteilt.

Dem Gemeinsamen Gutachterausschuss gehören die Städte und Gemeinden Albstadt, Bitz, Meßstetten, Nusplingen, Obernheim, Straßberg und Winterlingen an.

Die Kosten für die Erstellung des Mietspiegels werden gemäß vereinbartem Kostenverteilungsschlüssel unter den teilnehmenden Städten und Gemeinden aufgeteilt und abgerechnet. Der Anteil der Stadt Albstadt beträgt bei Teilnahme aller sieben Kommunen laut der Prognose der Geschäftsstelle des Gemeinsamen Gutachterausschusses rund 13 400 Euro. ⇥swp