Polizei Zollernalbkreis
: Diese zwei Stunden sind für Einbrecher besonders attraktiv

Eine Seniorin hat vor Kurzem Einbrecher überrascht und einen Diebstahl verhindern können. Doch das Gefühl der Unsicherheit bleibt. Wann schlagen Täter am häufigsten zu? Und welche Häuser sind besonders gefährdet?
Von
Maik Wilke
Zollernalbkreis
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Wie lange Einbrecher ein Haus oder eine Wohnung auskundschaften, kann auch die Polizei nicht genau sagen. Doch wenn ein Objekt unbewohnt aussieht, wittern Täter ihre Chance. ⇥

Silvia Marks/dpa

Hinter der Eingangstür zur Wohnung von Frau Schmidt steht ein schwerer Sessel. Auf diesem hat die Seniorin eine Glasschüssel platziert – „wenn die runterfällt, weiß ich Bescheid“, sagt Schmidt. Das Konstrukt soll sie vor Einbrechern warnen, denn Schmidt (Name von der Redaktion geändert) wurde vor Kurzem Opfer eines Einbruchs. Beziehungsweise eines versuchten Einbruchs. Die Seniorin hat das Bohren der Täter an der Türklinke gehört und lief aus dem Nebenzimmer zur Tür – die überraschten Einbrecher flüchteten. „Und zwar auf dem kürzesten Weg. Die wussten genau, wo sie lang müssen“, sagt Schmidt.

Schmidt wohnt im Verbreitungsgebiet der SÜDWEST PRESSE und hat sich bei unserer Zeitung gemeldet. Sie möchte andere warnen: „Ich fühle mich einfach nicht mehr sicher. Das ist richtig schlimm“, erzählt die über 80-Jährige. Dass am helllichten Tag bei ihr eingebrochen wurde, schockt sie noch immer.

„Primetime“ von 18 bis 20 Uhr

Dass die Täter kurz nach 18 Uhr in ihre Wohnung einbrechen wollten, passt für die Polizei ins Muster. „Es gibt Statistiken, die explizit Tatzeiten beinhalten. Ein Schwerpunkt ist in der Zeit von 18 bis 20 Uhr festzustellen“, sagt Gerhard Jaudas von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Reutlingen, das auch für den Zollernalbkreis zuständig ist. Einbrüche in der Nacht, wenn die Bewohner in der Regel zu Hause sind und schlafen, gebe es nur selten. „Wohnungseinbrecher sind darauf aus, ein Aufeinandertreffen mit den Bewohnern zu vermeiden. Sie schlagen entweder tagsüber zu, wenn die Bewohner bei der Arbeit oder beim Einkaufen sind, oder auch insbesondere in den Abendstunden“, sagt Jaudas.

Der Einbruch an sich geht nur wenige Minuten

Bei Dämmerung oder Dunkelheit können die Täter beim Ausbaldowern des Objekts leicht erkennen, ob jemand zu Hause ist. In der „dunklen Jahreszeit“ ab Oktober steigen die Einbruchszahlen am späten Nachmittag und am Abend regelmäßig an.

Frau Schmidt ist sich sicher, dass die Täter sie über einen längeren Zeitraum beobachtet haben. Mehrmals habe sie Männer im Umfeld der Wohnung gesehen, die Wohnung und Fluchtwege ausbaldowert hätten. „Täter schauen sich das Objekt genau an und entscheiden, ob dies ihren Vorstellungen entspricht“, erklärt Polizeisprecher Jaudas. Der Einbruch an sich geht schnell vonstatten und dauert nur wenige Minuten. Besonders begehrt: Einbrecher suchen sich in der überwiegenden Zahl der Fälle Einfamilienhäuser, oft in Ortsrandlage aus. „Die Täter gehen davon aus, dass sie dort im Vergleich zu Mehrfamilienhäuser ungestörter agieren können.“

Wie kann man sich schützen?

Gelten die „klassischen“ Tipps noch, wie man sein Gebäude schützen kann? „Es ist sicher von Vorteil, wenn das Haus oder die Wohnung bei Tageszeiten nicht durch sämtliche, heruntergelassene Rollläden den Anschein macht, dass niemand Zuhause sein könnte“, rät Jaudas. Allerdings könnte ein heruntergelassener Rollladen an einer Balkontür auch eine weitere Hürde für den Einbrecher darstellen.

Ein wichtiger Aspekt ist die richtige Sicherheitstechnik. „Wenn das Aufhebeln und damit Überwinden des Fensters oder der Tür nicht unmittelbar funktioniert, wird von diesem Objekt abgelassen und möglicherweise als Ersatz ein anderes Objekt angegangen.“

Die beste Technik helfe aber nichts, wenn man das Fenster offen oder schräg gestellt lässt, die Türen nicht abschließt, den Schlüssel an einem vermeintlich sicheren Ort außerhalb des Hauses „versteckt“ oder durch einen übervollen Briefkasten einem Einbrecher signalisiert, dass hier eine gute Tatgelegenheit ist. „Während längerer Abwesenheit sollte man sein Haus mithilfe von Nachbarn oder Angehörigen bewohnt aussehen lassen“, rät der Experte.

Im Inneren der Wohnung oder des Hauses gilt: Einbrecher kennen die üblichen Verstecke. Und: „Schmuck wird meistens immer noch im Nachtschrank aufbewahrt“, sagt Gerhard Jaudas. „Deshalb ist es wichtig, dass Wertsachen in einem Safe oder Tresor aufbewahrt werden.“

Diese Tipps klingen einfach und bekannt, sind aber nach wie vor die wichtigsten Maßnahmen, um sich und sein Eigentum zu schützen. Auch Frau Schmidt hat ein deutlich besseres Schloss einbauen lassen – auch in der Hoffnung, das Gefühl der Sicherheit kehrt zurück.

Info Tipps zu diesen Themen gibt es im Internet unter www.polizei-beratung.de oder www.k-einbruch.de.

Mehr Einbrüche nach Corona? Nicht im ZAK

Für den gesamten Zuständigkeitsbereich verzeichnet das Polizeipräsidium Reutlingen im Jahr 2022 einen Anstieg der Einbruchsfälle. Die genauen Zahlen werden demnächst in der polizeilichen Kriminalstatistik 2022 veröffentlicht.

Im Zollernalbkreis ist die Tendenz dagegen rückläufig. Die Zahlen liegen laut Polizei im Jahr 2022 sogar unter den Vor-Corona-Zahlen. 2018, 2020 und 2021 gab es jeweils 39 Einbrüche, Ausreißer war das Jahr 2019 mit 56 gemeldeten Einbrüchen.