Weltgebetstag im Zollernalbkreis
: Durch das Band des Friedens

Palästina wurde bereits im Jahr 2017 ausgewählt, die Liturgie für das Jahr 2024 vorzubereiten. Nun haben sich die Ereignisse im Nahen Osten überschlagen.
Von
Vera Bender
Zollernalbkreis
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Eine Brotbäckerin in Palästina in traditioneller Kleidung.⇥

Kathrin Schwarze

Immer am ersten Freitag im März wird der Weltgebetstag gefeiert – und zwar rund um den Erdball. Zur gleichen Zeit mit derselben Liturgie. Diese kommt jedes Jahr aus einem anderen Land. Dieses Jahr haben Frauen aus Palästina die Texte, Gebete, Lieder und die Lesung ausgesucht.

Vesperkirche

Das Komitee aus Palästina wurde bereits im Jahr 2017 damit beauftragt. Wer hätte damals ahnen können, dass sich in diesem Jahr die Ereignisse im Nahen Osten geradezu überschlagen? Heute ist das Gebet für die Menschen in Palästina wichtiger denn je. Das findet auch Lisbeth Blickle, die eine besondere Verbindung zu Palästina, aber auch zu Israel, hat und im Evangelischen Kirchenbezirk Balingen dem Bezirksarbeitskreis Frauen angehört.

Auch wenn die Zahl der Christen in Palästina verschwindend gering ist – sie liegt bei etwa einem Prozent der Bevölkerung – so ist laut Lisbeth Blickle ihr Einfluss an Schulen, Krankenhäuser und Universitäten im Land sehr groß. Die gebürtige Schweizerin verbrachte von 1972 bis 1973 zwei Jahre als Volontärin an der Arab-evangelical-episcopal-School in Ramallah. Dort hat sie ihren späteren Mann Karl-Hermann Blickle kennengelernt, der als Zivildienstler mit einem Stickereiprojekt vor Ort war und im Jahr 2022 verstorben ist. Gemeinsam hat sich das Balinger Ehepaar über viele Jahrzehnte für die Friedensarbeit eingesetzt. Heute ist Lisbeth Blickle Vorsitzende des Vereins der Freunde Ramallahs.

Muslime und Juden haben viel gemeinsam

„Es war ein ganz friedliches Miteinander an der amerikanischen Schule“, blickt Lisbeth Blickle zurück: „Man hat gelernt, zusammenzuleben – Christen, Muslime und Juden.“ Im Jahr 1994 war Palästina schon einmal Weltgebetstags-Land und so kam die Balingerin schließlich auch zur jährlichen ökumenischen Andacht.

Zwei-Staaten-Lösung sinnvoll

„Bis zum fürchterlichen Anschlag der Hamas herrschte eine fragile Normalität. Viele Arbeitskräfte pendelten von Palästina nach Israel. Ärzte und Pflegekräfte wanderten hin und her“, fasst Blickle zusammen. Von israelischer Seite aus habe man immer gedacht, man könnte Palästina verwalten. Dann wurde die Zwei-Staaten-Lösung intensiver besprochen und hätte in den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts fast einen Durchbruch erzielt, doch dann brachen die Verhandlungen ab, nachdem der israelische Ministerpräsident Jitzchak Rabin, der sich sehr für den Friedensprozess einsetzte, von einem israelischen Studenten ermordet wurde. Aus Angst vor der Hamas und deren Einfluss fanden in Palästina keine Wahlen mehr statt.

Einigung auf Frieden

Lisbeth Blickle hofft in der aktuellen Situation, dass der Druck von außen, auch von den arabischen Staaten zunimmt, sodass sich Palästina und Israel auf eine Lösung einlassen müssen.

Beim Weltgebetstag geht es immer auch um die Situation der Frauen im Herkunftsland der Liturgie. Und auch wenn es in Palästina patriarchale Strukturen gibt, so sei der Ausbildungsgrad der Frauen mit 94,5 Prozent sehr hoch, erläutert Lisbeth Blickle. Die Frauen selbst würden mutiger werden und auch die palästinensischen Väter und Männer unterstützten die Mädchen und Frauen darin, zur Schule zu gehen und zu studieren.

Checkpoints erschweren Leben

Was den Frauen – und nicht nur ihnen – Probleme bereitet, ist unter anderem die Situation im besetzten Gazastreifen, wo es drei unterschiedliche Zonen gibt. Die Zone A um die Städte herum ist unter palästinensischer Kontrolle. In Zone B sind Israel und Palästina für die Sicherheit zuständig. Für Zone C ist Israel zuständig. Zwischen den Zonen gibt es Checkpoints, und so müssen die Palästinenser manchmal mehrmals am Tag, wenn sie zur Arbeit oder ihr Land bewirtschaften wollen, verschiedene Grenzübergänge und Kontrollen passieren. „Das macht den Alltag für die Menschen sehr schwer“, weiß Lisbeth Blickle.

Leid verbindet Menschen

Und sie weiß, dass Muslime und Juden sehr viel mehr verbindet als beispielsweise Christen und Juden. Auch auf religiöser Seite nähere man sich an und finde einen friedvollen Weg. Blickle berichtet auch von einem „Parents-Circle“, also einem Kreis von Eltern, die auf beiden Seiten Kinder oder Enkel verloren haben. Das Leid verbindet Palästinenser und Israelis. Die einen kamen durch die Gewalt des israelischen Militärs zu Tode, die anderen durch Selbstmordanschläge der Hamas.

Als Hoffnungszeichen dient beim diesjährigen Weltgebetstag nicht nur die Lesung aus dem Epheserbrief, die ausgesucht wurde: „Der Frieden ist das Band, das euch zusammenhält.“

Die Hintergründe des Weltgebetstags

Die Idee des Weltgebetstags seit über 130 Jahren ist, dass ein Gebet über 24 Stunden lang um den Erdball wandert und Frauen in mehr als 150 Ländern der Welt miteinander verbindet. Mittlerweile feiern auch Männer, Jugendliche und Kinder am ersten Freitag im März mit. In 88 Sprachen, mit den Werten Solidarität, Offenheit, Respekt, Mut und Kreativität.

Der Gottesdienst für den Weltgebetstag 2025 mit dem Titel „I Made You Wonderful“ kommt von den Cookinseln, einer Inselgruppe im südlichen Pazifik.