Vesperkirche 2024 in Balingen: Für das kommende Jahr gibt es zahlreiche Neuerungen bei der Vesperkirche

Freuen sich auf die Vesperkirche im kommenden Jahr: Die Steuerungsgruppe um Silvia Seydel (von links), Claudia Beck, Achim Wicker, Hannah Eberbach und Christhardt Tröger.⇥
Sebastian BuckNein, die Vesperkirche in Balingen findet nicht in der Kirche selbst statt. Was alles andere als tragisch ist, wie Achim Wicker als Referent des katholischen Dekanats in Balingen beruhigt: „Es geht um die Menschen, nicht um das Gebäude“, stellt er klar. Statt in einem der beiden Gotteshäuser wird die Vesperkirche im Jahr 2024 im katholischen Gemeindehaus über die Bühne gehen. Auch, weil es „nicht mehr darstellbar“ wäre, die Kirche zehn Tage lang warmzuhalten, die Heizkosten würden schlicht „davon galoppieren“.
Vesperkirche nicht in der Kirche
Dass es im kommenden Jahr einen Tag länger geht, als noch im Vorjahr, ist übrigens nur eine von ein paar Neuerungen. Vom 28. Januar bis zum 7. Februar öffnet das Gemeindehaus täglich von 11 bis 14 Uhr seine Pforten. Eingeladen sind alle Menschen, wie die Steuerungsgruppe, die an diesem nasskalten Freitagvormittag zum Pressegespräch geladen hatte, betont. Egal, ob Menschen mit kleinem Geldbeutel, mit Einsamkeit oder solche, die einfach auf der Suche nach „einer warmen Stube“ sind – alle sind in die Vesperkirche eingeladen.
Doch zurück zu den Neuerungen: Dass nun nach den OB-Wahlen Dirk Abel neuer Schirmherr der Aktion ist, ist dabei die kleinste. Was aber wirklich neu daherkommt, ist das Essen. Das wird nämlich von der Küche des Zollernalb Klinikums zubereitet. Eine Idee von Landrat Günther-Martin Pauli, freut sich Wicker. Zwar zahle man das Essen selbstverständlich, trotzdem habe das Klinikum „einen guten Preis gemacht“, formuliert es der Dekanatsreferent.
Neu: kultureller Programmpunkt
Ganz neu ist aber auch, dass es in der 2024er-Vesperkirche ein kulturelles Highlight gibt. Am 1. Februar gibt es für die Gäste einen Kulturabend mit der Band „Finn Mc Cool“, die Dudelsack mit Geige kombiniert, wie es Wicker erklärt. Trotzdem ist die Vesperkirche auch in Balingen vornehmlich ein Ort der Begegnung zwischen vielen verschiedenen Menschen. Das Motto lautet daher auch „Miteinander. Essen. Reden. Leben.“
„Hier begegnen wir einander mit Respekt, egal woher wir kommen, wer wir sind und wohin wir gehen“, ist auch in der Beschreibung zu lesen. Denn es seien nicht immer die Armen, die in die Vesperkirche kämen, sagt Wicker: „Es gibt viel Bedürftigkeit.“ Auf die Studie zur Einsamkeit aus dem Oktober verweist der Dekanatsreferent, in der „erschreckende Zahlen“ aufgetaucht seien. Viele Menschen fühlen sich demnach einsam – und hier soll und kann die Vesperkirche helfen. „Die ist ein gutes Heilmittel gegen Einsamkeit“, sagt Wicker und berichtet davon, dass manche Besucher am Ende der ökumenischen Aktion gar geweint hätten, in dem Wissen, nun wieder alleine zu sein.
„Über zehn Tage ändert sich die Stadt. Jede Stadt braucht eine Vesperkirche“, ist der Organisator überzeugt. Um die Begegnungen zu fördern, sind Helferinnen und Helfer maximal drei Tage lang im Einsatz, danach kommt Ersatz. „In der Gesellschaft gibt es eine Separierung, die Vesperkirche bricht diese Blasen auf“, erklärt Achim Wicker die Idee dahinter. An einem Tag helfen sogar Schüler aus der Balinger Realschule tatkräftig mit. Doch nach wie vor sind zahlreiche Helfer gebraucht und gefragt. „Wir fünf heben es nicht“, blickt Wicker beim Pressegespräch in die Runde seiner Mitorganisatoren. Pro Tag werden bis zu 20 Helfer im katholischen Gemeindehaus gebraucht, um den Laden am Laufen zu halten. Jetzt, in Phase eins sozusagen, gehe es zunächst darum, genügend Helfer zu finden. In Phase zwei, so ab Januar, mache man dann Werbung für die Gäste. Doch die kommen normalerweise auch von alleine.
Wer an der Vesperkirche als Gast teilnimmt, der gibt für die Speisen, was er kann. „Wenn jemand nichts geben kann, dann ist da auch vollkommen in Ordnung“, stellt Wicker klar, dass es keinen Mindestpreis oder ähnliches gibt. Was es sicher gibt, ist einen geistlichen Impuls täglich um 13 Uhr. Den teilen sich katholische und evangelische Geistliche, ganz im Sinne der Ökumene, zu gleichen Teilen auf.
Helfer werden noch viele gesucht
Wer bei der Balinger Vesperkirche Anfang 2024 mithelfen will, ist freilich willkommen. Aufgaben gibt es zahllose: Von der Begrüßung der Gäste über Essen schöpfen bis hin zum Spülen und Wäschewaschen gibt es einiges zu tun. Wer Interesse hat, kann sich ab Montag bei folgenden Stellen melden: Katholisches Dekanat (07433) 901 10 10, evangelisches Dekanat (07433) 70 10 oder bei der katholischen Kirchengemeinde Heilig-Geist (07433) 96 71 00. Auch Kuchen werden dringend gebraucht und das täglich. Denn der Kuchen, so hat es Wicker in all den Jahren erlebt, kommt in den Vesperkirchen besonders an.

