Weihnachtsspendenaktion Südwest Presse
: Plötzlich ist alles anders

Wir bitten unsere Leserinnen und Leser im Zollernalbkreis und der ganzen Region Neckar-Alb um Spenden für das Sozialzentrum der Diakonie in Ebingen und ein neues Projekt an der Kinderklinik der Universität Tübingen.
Von
Vera Bender
Zollernalbkreis
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Margareta Theile, Fachbereichsleiterin und Referentin für Flüchtlingsarbeit, und Micha Haasis, Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle Balingen setzen sich für Benachteiligte ein.

Margareta Theile, Fachbereichsleiterin und Referentin für Flüchtlingsarbeit, und Micha Haasis, Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle Balingen, setzen sich für Benachteiligte ein.

Vera Bender
  • Südwest Presse bittet um Spenden für das Sozialzentrum in Ebingen und die Kinderklinik Tübingen.
  • Im Kaufwaschcafé helfen zwei Flüchtlinge mit; dringend wird eine neue Kaffeemaschine benötigt.
  • Deutschkurse und Impfungen sind für die Integration von Migranten wichtig, aber oft schwer zugänglich.
  • Spendenkonto für beide Projekte: IBAN DE 20 6535 1260 0077 0400 00, BIC SOLADES1BAL.
  • Stichworte für Spenden: "Kauf-Wasch-Café" und "Kinderklinik".

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ihr Arbeitsalltag ist recht bunt, manchmal auch lustig und manchmal sind auch traurige Erlebnisse dabei, berichtet Margareta Theile. Die Fachbereichsleiterin für Flüchtlingsarbeit bei der Diakonischen Bezirksstelle hat mit den unterschiedlichsten Themen zu tun. Mal sind es Migranten, die schon lange im Land leben, und manchmal sind es Geflüchtete, die vor kurzem im Zollernalbkreis gelandet sind. Auch die Anliegen sind entsprechend verschieden.

Plastisch macht es Micha Haasis, Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle in Balingen, der verdeutlicht, wie es einem Geflüchteten, beispielsweise vom afrikanischen Kontinent, ergeht. Bei uns ist es unglaublich kalt, Schnee hat man noch nie zuvor gesehen, die meisten Menschen sind hellhäutig und dann ist irgendwie überhaupt alles anders. Wenn man dann noch dazu die Sprache nicht versteht, kommt man gar nicht mehr zurecht.

Neuer Kaffeevollautomat wichtig

Sehr gut eingelebt haben sich inzwischen die beiden Flüchtlinge, die im Kaufwaschcafé in Ebingen mithelfen. Sie sind in der Unterkunft beim Thalia in Tailfingen untergebracht und verstärken das Team im Second-Hand-Laden und dem angeschlossenen Café. Hier ist leider die Kaffeemaschine defekt, weshalb dringend ein Ersatz für das Gastrogerät angeschafft werden muss. Schließlich werden durchschnittlich 100 Tassen Kaffee und Kaffeespezialitäten zubereitet und das pro Öffnungstag. Im neuen Jahr wird statt bisher viermal in der Woche zusätzlich noch am Mittwoch geöffnet, so dass sich die Nachfrage nach den koffeinhaltigen Heißgetränken noch erhöht. Deshalb braucht man Spenden, um ein neues Gerät anschaffen zu können.

Darüber freuen sich dann auch die vielen Ehrenamtlichen, die Berater der Diakonie, die Helfer, die über Eingliederungsmaßnahmen arbeiten und natürlich die vielen Besucher des Kaufwaschcafés, die sich aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten hier zusammenfinden. So unterschiedlich wie die Migranten, die Hilfe im Bürokratiedschungel Deutschlands benötigen. Denn selbst die gebildeten unter ihnen, die der deutschen Sprache mächtig sind, scheitern oft an den komplizierten Formularen, die es auszufüllen gilt.

Das Kaufwaschcafé in der Ebinger Bahnhofstraße ist Treffpunkt für die unterschiedlichsten Menschen.

Das Kaufwaschcafé in der Ebinger Bahnhofstraße ist Treffpunkt für die unterschiedlichsten Menschen.

Vera Bender

Noch schwieriger wird es für solche, die kein Wort Deutsch sprechen. Manchmal hilft nur eine Übersetzungsapp auf dem Smartphone, berichtet Margareta Theile. Aber wenn der Fremde einen Dialekt in der Muttersprache spricht, dann helfen auch solche technischen Geräte nicht weiter. Gut ist es manchmal, wenn die Migranten quasi einen Übersetzer mitbringen, weil sie gut vernetzt sind. Manchmal kennt man auch bei der Diakonie Menschen, die bei der Kommunikation helfen können. Irgendwie kommt man immer weiter, erklärt die Beraterin.

Keine Aufnahme ohne Impfung

Deutschkurse sind für Ausländer eben enorm wichtig, weiß auch Micha Haasis. Und deshalb sei es für die Menschen so frustrierend, wenn sie bis zu einem Jahr lang auf einen Kurs warten müssten und dann alle zusammen unterrichtet werden – derjenige, der kein einziges Wort auf Deutsch kann, gemeinsam mit demjenigen, der sich schon gebrochen verständigen kann.

Auf ein weiteres Phänomen machen Hassis und Theile aufmerksam: Kinder, die nicht gegen Masern geimpft sind, werden weder in der Kita noch in der Schule aufgenommen. Aber einen Termin bei einem Arzt für eine Impfung zu bekommen, ist ein schier unmögliches Unterfangen. Wenn aber die Kinder die Sprache nicht lernen und sich nicht mit Gleichaltrigen austauschen können, werden sie nie integriert. Für Migranten sei es ohnehin schon schwer, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, wenn sie keine Ausbildung haben, erläutert Margareta Theile, aber oft werden bei qualifizierten Leuten die Zertifikate nicht anerkannt. „Da landet dann jemand, der Jura studiert hat, bei McDonalds“, verdeutlicht die Fachberaterin. Das deutsche Rechtssystem unterscheidet sich natürlich auch von denen in anderen Ländern.

Nur Männer auf der Flucht?

Warum man oft nur junge Männer auf der Flucht sieht, kann Margareta Theile erklären: „Es passiert so viel auf der Flucht.“ Und Micha Haasis macht es noch deutlicher: „Frauen erleben noch viel schlimmere Sachen auf der Flucht.“ Man kann es sich ausmalen. Oft werden auch junge Männer in das scheinbar gelobte Land vorgeschickt, um dann die Familie auf sicherem Weg nachzuholen, was fast nicht möglich ist. Wenn das schon nicht gelingt, erhoffen sich die Verwandten im Heimatland finanzielle Unterstützung von dem, der ausgesandt wurde. Doch es gibt eben kaum Geld, das man großzügig an die Zurückgebliebenen senden könnte. Um den Schein wahren zu können, kommen dann manche Geflüchtete auf die unmöglichsten Ideen.

Kein Tag ist bei der Flüchtlingsberatung wie der andere. Das ist sicher. In den letzten Jahren habe man viel Zuwanderer aus der Türkei gehabt aufgrund des Erdbebens oder weil es sich um Kurden handelt, berichtet Margareta Theile. Davor waren es vor allem Frauen aus der Ukraine, die aber teilweise wieder zurück sind in ihr Heimatland. Manche schlagen auch gar nicht bei der Beratung der Diakonie auf, weil sie eine entsprechende Community haben. Anderen müssen ihren ersten Antrag auf Leistung bei der Caritas oder der Diakonie stellen. Beide Einrichtungen haben sich die Zuständigkeiten anhand der Kommunen aufgeteilt.

Bei den vielfältigen Themen geht es um Deutschkurse, um finanzielle Hilfen, um Asylanträge oder überhaupt Formulare, um Kita-Plätze, um Schule, Kontoeröffnung, Bezahlkarte oder auch mal um Konflikte. Männer tun sich oft mit der Hilflosigkeit und der fehlenden Perspektive schwer. Helfen können da eine Gemeinschaft und Sprachkenntnisse, weiß Theile, die lobend die Arbeitskreise Asyl in Balingen, Albstadt und Hechingen hervorhebt. „Integration ist die beste Prävention vor Radikalisierung“, bemerkt Margareta Theile. Und jetzt braucht es für eine gute Gemeinschaft im Kaufwaschcafé noch eine gut funktionierende Kaffeemaschine und deshalb Spenden.

Ein Konto für gleich zwei Projekte

Bei der Weihnachtsaktion der Südwest Presse im Zollernalbkreis gehen weiter Spenden ein. Mitte dieser Woche war das Sonderkonto bei knapp 2500 Euro. Dafür ein herzlicher Dank an alle Spenderinnen und Spender. Geld gegeben wird sowohl fürs Kauf-Wasch-Café, für die Kinderklinik, oder für beide Projekte, also halbe-halbe.

Das Spendenkonto hat diese IBAN: DE 20 6535 1260 0077 0400 00. Der BIC Code der Sparkasse Zollernalb: SOLADES1BAL. Ganz wichtig, weil wir dieses Mal zwei Projekte haben: Bitte geben Sie auf der Überweisung mit an, wofür Sie spenden. Die Stichworte sind "Kauf-Wasch-Café" und "Kinderklinik". Wenn Sie nichts notieren, machen wir halbe-halbe.
Bei Spenden bis zu 300 Euro braucht es keine Spendenbescheinigung. Der Überweisungsbeleg reicht dem Finanzamt. Wenn Sie eine Bescheinigung wünschen, vermerken Sie das bitte ebenfalls.