Weihnachtsspendenaktion Südwest Presse: Gutes tun für die Menschen

Micha Haasis, der Geschäftsführer der Diakonischen Beratungsstelle Balingen, Martin Weise, Fachbereichsleiter Suchtberatung, und Patricia Seibert-Klöck, Geschäftsführerin des Kauf-Wasch-Cafés in Ebingen, freuen sich schon auf eine neue Kaffeemaschine.
Vera Bender- Weihnachtsspendenaktion der Südwest Presse für das Sozialzentrum der Diakonie in Ebingen und die Kinderklinik der Uni Tübingen.
- Kauf-Wasch-Café in Ebingen braucht dringend eine neue Kaffeemaschine.
- Diakonie im Zollernalbkreis ist die einzige kostenlose Suchtberatungsstelle.
- Über 4700 Kontakte mit rund 650 Klienten im Jahr 2023.
- Spendenkonto: IBAN: DE 20 6535 1260 0077 0400 00, BIC: SOLADES1BAL.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Kauf-Wasch-Café in Ebingen benötigt dringend eine neue Gastro-Kaffeemaschine. Die alte ist sechs Jahre alt und leckt, bereitet auch keinen Milchschaum mehr. Etwa 100 Tassen laufen pro Öffnungstag, also vier Tage in der Woche, normalerweise durch die Maschine. Für die Besucher des Cafés, für die – überwiegend ehrenamtlichen – Mitarbeiter, aber auch für die Berater der angegliederten Diakonischen Beratungsstelle. Hier verrichtet auch Fachbereichsleiter Martin Weise seinen wichtigen Job. Er ist nämlich in der Suchtberatung tätig. Seine drei Kolleginnen und Kollegen und er selbst haben alle Hände voll zu tun.
Einzige Beratung im Kreis
Das hängt vor allem auch damit zusammen, dass die Diakonie im Zollernalbkreis mit seinen rund 190.000 Einwohnern die einzige Stelle ist, die eine Suchtberatung – wohlgemerkt kostenlos – anbietet. Auch in Meßstetten und Hechingen ist man mit Sprechstunden vor Ort. Eigentlich sei es eine Aufgabe des Landkreises, doch der Evangelische Kirchenbezirk Balingen stehe auch hinter dem Angebot, so Weise. Aber die Einnahmen werden sowohl bei den Kommunen und Landkreisen, als auch bei den Kirchengemeinden immer weniger, sodass auch der Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle in Balingen, Micha Haasis, um die künftige Finanzierbarkeit bangt. Denn gerade in Bereichen wie der Suchtberatung braucht es qualifiziertes und ausgebildetes Personal. Ehrenamtliche können da nicht weiterhelfen.

Im Kauf-Wasch-Café in Ebingen herrscht zumeist ein buntes Treiben zwischen der angebotenen Ware und im Café.
Ernst KlettZurück zur dringend benötigten Kaffeemaschine und zur Frage „Kann denn auch Koffein zur Sucht werden?“ Sucht kann vielfältig sein. „Nur kein Konsum ist völlig ohne Risiko“, bringt es Martin Weise auf den Punkt. Aber Koffein, Süßigkeiten und dergleichen sind nicht das eigentliche Problem. An erster Stelle steht laut Suchtberater immer noch der Alkohol. Wann ist es noch Genuss und wann schon eine Sucht? Das könne man gar nicht so genau definieren, erläutert der Fachmann. „Es ist auch egal, ob ich einen Wein trinke, bei dem die Flasche 150 Euro kostet oder nur 3,99 Euro.“ Und deshalb ist Alkoholsucht auch kein Problem von armen Leuten, sondern diese Gefährdung ist mitten in der Gesellschaft angekommen. Und in Deutschland gehört es quasi zur Kultur, sein Feierabendbier zu trinken. Deshalb sei es für Betroffene auch so schwierig.
Es geht nicht um Party
Ähnlich verhält es sich auch mit Medikamenten. Oft werde den Menschen ein Schmerzmittel verschrieben, ohne das die Leute dann gar nicht mehr auskommen. „Ich bemühe mich bei Suchtgefahren stets um Sachlichkeit, aber manche Entwicklungen betrachte ich mit Sorge“, erläutert Weise, der seit fünf Jahren bei der Suchtberatung tätig ist. Tablettensucht oder Alkoholsucht ziehe sich durch die Schichten hindurch. Oft gehe es dabei gar nicht um Spaß oder Party. Auch nicht bei sogenannten Drogen.
Gerade Menschen in höheren Positionen oder Leute mit mehreren Jobs greifen schnell zu Aufputschmitteln, um überhaupt den Anforderungen gerecht zu werden und den stressigen Alltag bewältigen zu können. Die Dunkelziffer sei auch hier sehr hoch, gibt Geschäftsführer Micha Haasis zu bedenken. Schließlich gehe es bei allen Suchtgefahren um die Funktion der emotionalen Regulierung, erklärt Martin Weise. Manche Betroffene trauen sich nicht, die Beratung in Anspruch zu nehmen, gerade weil sie eine angesehene Persönlichkeit sind oder in einer leitenden Position beschäftigt. Da lässt sich ein Banker mit Alkoholproblem schon mal einen Termin spät am Abend geben, wenn es dunkel ist und ihn hoffentlich niemand sieht, wie er die Beratungsstelle betritt. Die Ehefrau eines Politikers wage es schon gar nicht, vorstellig zu werden. „Scham und Schuld“ sind die beiden Stichworte, die ein solches Verhalten erklären, berichtet Martin Weise.

Die sechs Jahre alte Kaffeemaschine im Ebinger Kauf-Wasch-Café muss ersetzt werden. Momentan behilft man sich mit von Hand gebrühtem Kaffee.
Vera Bender„Wir sehen den Menschen, nicht den Süchtigen“, versichert der Suchtberater, der zunehmend Multiproblemlagen wahrnimmt. Deshalb gab es bei den rund 650 betreuten Klienten in diesem Jahr auch mehr als 4700 Kontakte. Denn es ist nicht mehr nur ein einziges Problem, weshalb der Einzelne die Beratungsstelle aufsucht. Im Gespräch werde oft deutlich, dass mehrere Dinge ineinandergreifen, die man erst sortieren und aufarbeiten muss. Mal ist es eine psychische Erkrankung, mal ein medizinisches Problem, mal die gescheiterte Beziehung, der Verlust des Arbeitsplatzes und noch vieles mehr.
Prävention wäre so wichtig
So müssen die Berater mit mehr Kooperationspartnern, mit denen sie gut vernetzt sind, kommunizieren, brauchen mehr Gesprächstermine mit den Klienten, um tatsächlich helfen zu können. Eigentlich sollte man mehr Zeit in die Prävention investieren, gibt Weise zu bedenken. Doch dafür fehlt die Zeit, es fehlt das Personal und das Geld. Während sich die Rahmenbedingungen immer mehr verschärfen, kann man nicht mal mehr eine ambulante Reha anbieten, wie es früher noch der Fall gewesen sei, blickt der Fachberater zurück. Seit 1978 gibt es die Beratungsstelle der Diakonie im Kirchenbezirk und damit im Landkreis immerhin schon.
Martin Weise wird nicht müde, sein Anliegen immer wieder in die Öffentlichkeit und in den Kreistag zu tragen. Damit die Probleme erkannt werden und finanzielle Mittel fließen. Damit man Projekte und eine Prävention angehen kann. Denn es kann eben jeden treffen und oft melden sich die Menschen auch selbst und fragen um Hilfe. Manche aber nur, wenn der Druck von außen größer wird. Wichtig ist Martin Weise, dass die Klienten wissen, es wird ihnen nichts aufgezwungen. Alles wird gemeinsam besprochen. Einen Termin gibt es normalerweise innerhalb von vier Wochen. Die netten Damen in Albstadt und Balingen freuen sich über jeden Anruf und schauen im Kalender, wann ein Erstgespräch möglich ist.
Und dann gibt es auch einen Kaffee. Für den, der will. Aber eben nur, wenn die Kaffeemaschine funktioniert. Und die Suchtberater selbst trinken auch gerne mal ein Tässchen Cappuccino oder Espresso. Es ist ja nicht alles gleich eine Sucht.
Ein Konto für gleich zwei Projekte
Kaum ist die Weihnachtsaktion der Südwest Presse im Zollernalbkreis eröffnet, gehen auch schon die ersten Spenden ein. Mitte der Woche war das Sonderkonto schon knapp über 1000 Euro. Dafür ein herzlicher Dank an alle Spenderinnen und Spender. Geld gegeben wird sowohl fürs Kauf-Wasch-Café, für die Kinderklinik, oder für beide Projekte, also halbe-halbe.
Das Spendenkonto hat diese IBAN: DE 20 6535 1260 0077 0400 00. Der BIC Code der Sparkasse Zollernalb: SOLADES1BAL. Ganz wichtig, weil wir dieses Mal zwei Projekte haben: Bitte geben Sie auf der Überweisung mit an, wofür Sie spenden. Die Stichworte sind Kauf-Wasch-Café und Kinderklinik. Wenn Sie nichts notieren, machen wir halbe-halbe.
Bei Spenden bis zu 300 Euro braucht es keine Spendenbescheinigung. Der Überweisungsbeleg reicht dem Finanzamt. Wenn Sie eine Bescheinigung wünschen, vermerken Sie das bitte ebenfalls.

