Weihnachtsspendenaktion: Wo der Schuh sprichwörtlich drückt

Familienberaterin Susanne Rettinger hat neben Informationen, Tipps und Hilfen auch gestrickte Babysöckchen, die eine Ehrenamtliche gespendet hat, für die jungen Eltern.
Vera Bender- Weihnachtsspendenaktion im Kaufwaschcafé Ebingen: Unterstützung für bedürftige Familien.
- Familienberaterin Susanne Rettinger bietet Beratung und Hilfen für werdende Eltern und Eltern mit Kleinkindern.
- Spendenaufruf: SÜDWEST PRESSE sammelt für eine neue Kaffeemaschine im Café.
- Kinderarmut im Zollernalbkreis: Familien erhalten günstige Babyausstattung und Kleidung.
- Kostenlose, vertrauliche Beratungen zu staatlichen Unterstützungen und Alltagsproblemen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Enorm wichtig ist das Kaufwaschcafé der Diakonie vor allem auch für Eltern und solche, die es bald werden, aus dem gesamten Kreis. Denn hier können Familien und Alleinerziehende mit schmalem Geldbeutel die Erstausstattung fürs Baby oder Kleidung und Spiele für den Nachwuchs günstig einkaufen. Ohne dass man sich outen muss, Bürgergeldbezieher zu sein oder ein geringes Einkommen zu haben. Hier trifft man Bessergestellte genauso wie ärmere Menschen. In der Regel sieht man es niemandem an, wie dick die Geldbörse ist. Hier ist man einfach Mensch.
Und hier kann man gemütlich im Café sitzen und sich eine Kaffeespezialität gönnen, wenn denn der Vollautomat funktionieren würde. Aber hier kommen Sie, liebe Leser, ins Spiel. Die SÜDWEST PRESSE sammelt Spenden, um die defekte Gastro-Kaffeemaschine ersetzen zu können. Wie wichtig das Kaufwaschcafé in der Ebinger Innenstadt für die Menschen ist, wird bewusst, wenn man sich genauer mit den angegliederten Beratungen der Diakonie Balingen auseinandersetzt.
Kinderarmut auch im Zollernalbkreis
Die Diplom-Sozialpädagogin Susanne Rettinger berät kostenlos werdende Eltern und Eltern mit Kindern bis drei Jahren in so ziemlich allen Lebenslagen. Oft geht es schlicht und ergreifend um komplizierte Anträge fürs Elterngeld und dergleichen. Sie hilft aber auch bei der Hebammensuche oder da, wo eben der Schuh drückt. Apropos: Schuhe für Kinder, die schnell wachsen und deshalb oft neue brauchen sind teuer. Man kann sie aber auch günstig im Kaufwaschcafé erstehen. Oder dort die zu kleinen Schuhe des eigenen Nachwuchses abgeben. Denn Kinderarmut ist kein Begriff, den man mal irgendwo liest. Kinderarmut gibt es auch hier im Zollernalbkreis.
Susanne Rettinger schmerzt es, wenn sie mitbekommt, dass manche Kinder nicht zu Geburtstagen gehen, weil das Geld für ein Geschenk zu knapp ist, und dann mit der Ausrede Krankheit die Einladung ausschlägt. Oder wenn die Kleinen nicht in die Kita geschickt werden, weil alle anderen das Frühstück hinzugebucht haben, für das der eigenen Familie das Geld fehlt. Bevor man dann ausgeschlossen ist, weil man sein Brot von zu Hause mitbringt, bleibt der Knirps eben zu Hause.
Ärmere Familien schämen sich
Scham ist dabei allgegenwärtig, weiß die Diakonie-Beraterin aus ihrem Alltag. Viele Menschen, die am Existenzminimum leben, weil sie beispielsweise im Niedriglohnsektor arbeiten und die Miete zu teuer ist, müssen Monat für Monat kämpfen, um über die Runden zu kommen. Da darf keine Waschmaschine kaputt gehen oder von drei Kindern Kosten für Schulausflüge oder Ausstattung. Natürlich gibt es vielerlei finanzielle Hilfen. Aber davon wissen laut Rettinger manche nichts oder scheuen sich, diese in Anspruch zu nehmen. Diese Menschen tauchen quasi unter dem Radar ab. Und deshalb ist die Dunkelziffer so hoch. Niemand weiß genau, wie viele Menschen – und vor allem Kinder – im Zollernalbkreis tatsächlich von Armut betroffen sind.
„Manche Familien arbeiten voll, haben aber so wenig Einkommen, dass es oft hinten und vorne nicht reicht“, weiß Susanne Rettinger. Wenn Frauen ungewollt schwanger werden, dann überlegen manche auch, ob sie sich überhaupt ein Kind leisten können. „Alleinerziehung ist eine große Gefährdung für Armut“, weiß die Beraterin, „mit etwas Glück hat man die Familie im Background, aber viele haben das eben nicht.“ Auch Migranten sind oft in prekären Arbeitsverhältnissen, dann leihen sie sich Geld von Bekannten, müssen das aber auch wieder zurückzahlen und kommen dann in einen regelrechten Teufelskreis.
Vielerlei Hilfsmöglichkeiten
Auch bei staatlicher Unterstützung helfen Susanne Rettinger und ihre Kollegin. Sie informieren über Mutterschafts-, Eltern- und Kindergeld und helfen beim Ausfüllen der Anträge, vermitteln finanzielle Hilfen über die Bundesstiftung „Mutter und Kind“ oder die Landesstiftung „Familie in Not“ und geben Auskünfte zu Geburtsvorbereitungskurse, Elternzeit, Mutterschutzgesetz, Familienbetreuung, Unterhalt und vielem mehr. Die Beratungen sind kostenlos, überkonfessionell und die Beraterinnen unterliegen der Schweigepflicht.

Kleidung, Schuhe, Babyausstattung, Spiele, Haushaltswaren und noch viel mehr gibt es im Ebinger Kaufwaschcafé.
Vera BenderAlso eine Anlaufstelle für Eltern ganz allgemein, unabhängig von Herkunft und Einkommen. Einen Beratungstermin erhält man innerhalb von zwei Wochen und wenn es eilt, auch früher, so Rettinger. Sie freut sich über die vielen Erfolgserlebnisse, die sie in den knapp zehn Jahren, in denen sie in der Schwangeren- und Familienberatung in Ebingen arbeitet, erleben durfte. Manche Familien sieht sie immer mal wieder, dann wenn das nächste Kind unterwegs ist. Dann kann sie die Fortschritte sehen oder das gestärkte Selbstbewusstsein der Mütter, die oft „viele Bälle in der Luft“ haben, wie es die engagierte Beraterin ausdrückt. Auch wenn sich das Familienbild verändert hat und Männer verstärkt Aufgaben übernehmen, so seien es eben oft die Frauen, die sich mehr oder weniger gleichzeitig um den Zuverdienst, die Kinder, Kita und Schule und den Haushalt kümmern müssen.
Und wenn das Geld knapp ist, dann kann man im Kaufwaschcafé gut erhaltene Kleidung, Schuhe, Baby- und Kinderausstattung und Haushaltswaren erstehen und sich eine Ruhepause im Café gönnen, in dem es hoffentlich bald wieder herrlich duftenden heißen Kaffee gibt.
So können Sie helfen
In diesem Jahr können unsere Leserinnen und Leser für zwei Weihnachtsprojekte spenden: Da ist die Kaffeemaschine fürs Ebinger Kauf-Wasch-Café, und da ist ein neues Projekt an der Kinderklinik Tübingen, das den kleinen Patienten die Angst vorm Krankenhaus nehmen soll. Das Spendenkonto hat diese IBAN: DE 20 6535 1260 0077 0400 00. Der BIC Code der Sparkasse Zollernalb: SOLADES1BAL. Ganz wichtig, weil es zwei Projekte sind: Bitte geben Sie auf der Überweisung mit an, wofür Sie spenden. Die Stichworte sind Kauf-Wasch-Café und Kinderklinik. Wenn Sie nichts notieren, machen wir halbe-halbe.
Bei Spenden bis zu 300 Euro braucht es keine Spendenbescheinigung. Der Überweisungsbeleg reicht dem Finanzamt. Wenn Sie eine Bescheinigung wünschen, vermerken Sie das bitte ebenfalls.

