Schalksburgschule in Albstadt: Wie funktioniert die Umstellung auf Ganztagsbetreuung?
Ab 2026 haben alle Kinder, die eine Grundschule besuchen, Anspruch auf Ganztagsbetreuung. In Albstadt gibt es vier Grundschulen, die bereits eine solche Betreuung anbieten. Um dem Rechtsanspruch gerecht zu werden, muss die Stadt diese Entwicklung an den restlichen Schulen vorantreiben. Doch wie? Das zeigte Bärbel Göttling-Lebherz, Leiterin der Schalksburgschule in Ebingen, dem Ausschuss für Soziales, Kultur, Schule und Sport (SKSS) in seiner jüngsten Sitzung.
Schalksburgschule seit 2018 mit Ganztagsbetreuung
In der Schalksburgschule gibt es seit 2018 verbindlich an vier Tagen die Woche bis 15 Uhr Unterricht. Die Einführung fand sukzessive statt. „Wir wollten es nicht überstülpen.“ Der Rechtsanspruch in Baden-Württemberg soll ebenfalls stufenweise, beginnend in Klassenstufe 1, eingeführt werden. Die Vorarbeit muss jedoch schon jetzt getätigt werden, um für das Schuljahr 2026/2027 gewappnet zu sein, wird durch den Vortrag der Schulleiterin klar.
Bis zum Antrag im Mai 2017 wurden Stadt, Lehrkräfte und Eltern ins Boot geholt. Die Räumlichkeiten, der Umfang, das pädagogische Konzept, Arbeitszeit des Kollegiums, die Finanzierung und der Bedarf mussten vorab geklärt werden. Ein Vorteil für die Schalksburgschule: Durch den Wegfall der Hauptschule gab es Fachräume, die für die Ganztagsbetreuung genutzt werden konnten. Die Ebinger Schule besteht aus einem Hauptgebäude, in dem sich Unterrichtsräume, Lehrer- und Klassenzimmer, VKL-Klassenzimmer, Verwaltung, Fachräume sowie die Hector-Kinderakademie befinden. Hinzukommen ein Pavillon mit Betreuungs- und Kursräumen und einer Mensa sowie eine Sporthalle.
Nachfrage bei Eltern da
Zudem hatte die Schule bereits einige Mittagsangebote und dadurch passende Kooperationspartner. „Die Nachfrage aus den Kindergärten war ebenfalls da“, erinnert sich Göttling-Lebherz und ergänzt: „Das sind ideale Voraussetzungen, so etwas umzusetzen.“
Klärungsbedarf gab es indes beim Mittagessen und den Hausaufgaben. „Die Eltern haben natürlich Ängste und Sorgen geäußert.“ Das Mittagessen sei dabei der größte Punkt gewesen: Was wird gegessen und welche Qualität hat das angebotene Essen? Für die Schule selbst seien die Hausaufgaben zudem relevant gewesen. Die Kinder sollten nicht erst nach 15 Uhr nach Hause kommen und dann Hausaufgaben machen müssen, betont die Schulleiterin.
Darin sieht sie eine große Chance in Sachen Ganztagsbetreuung und Rechtsanspruch. „Wir haben sehr viele Kinder in Albstadt, die zu Hause bei den Hausaufgaben keine Unterstützung bekommen.“ Die Aufgaben werden teilweise gar nicht gemacht oder von den Eltern ausgefüllt. Jetzt sind es Schulaufgaben, die gemeinsam mit den Lehrern und den Mitschülerinnen und -schülern erledigt werden können. Das schaffe Chancengleichheit bei den Kindern. Lernen müssen sie zu Hause dennoch. Hier werden die Eltern nicht aus ihrer Pflicht genommen.
Natürlich bedeutet das auch für das Kollegium Vor- und Nachteile. „Es eröffnen sich sehr viele Themengebiete für uns, wenn wir die Kinder den ganzen Tag haben“, nennt Bärbel Göttling-Lebherz einen Vorteil. „Wir erziehen und bilden, sind aber auch Ersatzeltern.“ Kein wirklicher Nachteil, dafür aber eine andere Definition des Berufs Lehrkraft.
Deswegen war und ist es der Schalksburgschule wichtig, das pädagogische Konzept gemeinsam mit dem Kollegium zu entwickeln. „Wir haben es wahrscheinlich zehnmal umgeworfen und auch jetzt ist es nicht in Stein gemeißelt.“ Das heißt nicht etwa, der Stundenplan ist nicht verlässlich. Ein Punkt, bei dem die Schule keine Abstriche machen möchte, so die Schulleiterin. Durch die Verbindlichkeit können jedoch die Kurse am Morgen mit denen am Nachmittag getauscht werden, weil alle Kinder alle Kurse wahrnehmen müssen. Bei einer freiwilligen Nachmittagsbetreuung sei dies nicht möglich. So kann die Schule auch auf Krankheitsfälle und Ausfälle reagieren.
Bewegungsdrang der Kinder gerecht werden
„Ganztagsschule muss mehr sein, als ein ganzer Tag Schule“, fasst es die Schulleiterin zusammen. In der Schalksburgschule sind deswegen Räume für Pausen und Bewegung eingerichtet worden. „Kinder haben einen wahnsinnigen Bewegungsdrang, dem wir gerecht werden müssen, aber viele Kinder gehen mittags nicht mehr aus dem Haus.“ Sitzen beispielsweise vor dem Fernseher oder der Spielekonsole. In Ebingen gibt es daher eine Mischung aus An- und Entspannung.
„Damit das alles funktioniert, haben wir einen bunten Strauß an Personal: Wir haben 23 Lehrerinnen und Lehrer, ein Sekretariat, das vormittags durchgängig besetzt ist, sehr viele Kooperationspartner, Kooperationslehrkräfte von SBBZ-Schulen (Anm. Redaktion ‚sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren‘), Hausaufgabenbetreuung, Hector-Kinderakademie, Bufdi, Schulbegleiter, Hausmeister, Jugendbegleiter, Mittagsbetreuung, Wehrbeauftragte und Schulsozialarbeiterin.“ Insgesamt 50 bis 60 Personen, zu denen sich 20 Jugendbegleiter in der Mittagszeit gesellen, die die rund 250 Schülerinnen und Schüler in neun Klassen betreuen.
Tausende Lehrkräfte fehlen
Doch wie sollen das andere Schulen in Zeiten von Personalmangel stemmen? An einer Ganztagsschule lasse sich Personal von außen einkaufen. Sechs Stunden werden von der L-Bank, der Staatsbank für Baden-Württemberg, finanziert. Doch auch diese Lehrkräfte muss es für alle geben. Verschiedene Studien gehen davon aus, dass Zehntausende Erzieherinnen und Sozialpädagogen in Deutschland fehlen werden. Deswegen setzen schon jetzt viele Schulträger auf eine Betreuung, die stark von Vereinen und Co. getragen wird.
Da die Schalksburgschule bereits seit 2018 ein solches Angebot hat, wollte FDP-Stadtrat Ulrich Deufel wissen, wie sich die Ganztagsbetreuung auf den schulischen Erfolg auswirkt. Das lasse sich allerdings noch nicht messen, so Bärbel Göttling-Lebherz, da kurz nach der Umstellung die Pandemie begann und das die Schule vor ganz neue Herausforderungen stellte.
Würde die Schulleiterin diesen Weg erneut gehen? „Ja, auch wenn es wahnsinnig viel Arbeit war.“ Arbeit, die dank Rechtsanspruch jetzt einige Schulen leisten müssen.
Wie wird der Rechtsanspruch aussehen?
Ganztagsschulen sind laut Kultusministerium Schulen, die an mindestens drei Tagen in der Woche ein ganztägiges Angebot für die Schülerinnen und Schüler bereitstellen. Dieses muss täglich insgesamt mindestens sieben Stunden umfassen. Zudem müssen die Schulen, an den Tagen des Ganztagsschulbetriebs den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern ein Mittagessen anbietet und das Ganztagsangebot muss in einem Konzept zusammengefasst sein. Dieses Konzept muss die Ganztagsangebote und den Unterricht – also Lern- und Freizeitmöglichkeiten – miteinander verbinden.
Der kommende Rechtsanspruch wird stufenweise ab dem Schuljahr 2026/2027 eingeführt, beginnend in Klassenstufe 1. Er umfasst acht Stunden an allen fünf Werktagen in der Woche. Er gilt auch für die Zeit der Schulferien. Das Landesrecht kann eine Schließzeit der Einrichtung im Umfang von bis zu vier Wochen im Jahr während der Schulferien regeln.
Ob und in welchem Umfang der Rechtsanspruch wahrgenommen wird, entscheiden die Eltern beziehungsweise die Sorgeberechtigten. Das bedeutet für die Kommunen allerdings fehlende Planbarkeit, weil sich der Bedarf nicht eindeutig darstellen lässt.
Ob eine Ganztagsschule eingerichtet wird oder ob es beispielsweise Betreuungsangebote der Kommune oder von privaten Trägern gibt, hängt von den örtlichen Bedarfen und Möglichkeiten ab. Das schlägt sich letztlich aber auch auf die Finanzierung aus. Eine Ganztagsschule ist für Eltern bis auf das Mittagsessen kostenfrei, ein kommunales Angebot nicht.



