Archäologie in Albstadt
: Was alte Skelette über Burgfelden und die Schalksburg verraten

Beim Vortrag über die Schalksburg und Burgfelden sieht Experte die These eines Herrschaftssitzes als widerlegt an. Er stellt erstmals einen zeitlichen Zusammenhang zwischen den Fundstätten her.
Von
Karin Mitschang
Albstadt
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  • Zwei der vielen Folien im Vortrag „Alte Skelette – neue Funde“: Links die 2004 entdeckten Skelett-Bestandteile aus Burgfelden, rechts das neue Landschaftsrelief der Schalksburg bei Albstadt-Laufen, erstellt per neuartiger Lasermessung im Überflug. ⇥

    Zwei der vielen Folien im Vortrag „Alte Skelette – neue Funde“: Links die 2004 entdeckten Skelett-Bestandteile aus Burgfelden, rechts das neue Landschaftsrelief der Schalksburg bei Albstadt-Laufen, erstellt per neuartiger Lasermessung im Überflug. ⇥

    Karin Mitschang
  • Folie im Vortrag von Dr. Christoph Morrissey in Balingen über die Schalksburg und Burgfelden, "Alte Skelette – neue Funde".⇥

    Folie im Vortrag von Dr. Christoph Morrissey in Balingen über die Schalksburg und Burgfelden, "Alte Skelette – neue Funde".⇥

    Karin Mitschang
  • Folie im Vortrag von Dr. Christoph Morrissey in Balingen über die Schalksburg und Burgfelden, "Alte Skelette – neue Funde".⇥

    Folie im Vortrag von Dr. Christoph Morrissey in Balingen über die Schalksburg und Burgfelden, "Alte Skelette – neue Funde".⇥

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  • Andreas Zekorn dankt Dr. Christoph Morrissey (rechts) für seinen Vortrag im Landratsamt Balingen.

    Andreas Zekorn dankt Dr. Christoph Morrissey (rechts) für seinen Vortrag im Landratsamt Balingen.

    Karin Mitschang
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Die Überschrift „Alte Skelette – neue Funde“ hat viele geschichtlich Interessierte zum Vortrag ins Landratsamt gezogen. Dr. Christoph Morrissey – früher Mitarbeiter beim Landesdenkmalschutz – berichtete in Balingen über neue Erkenntnisse zu Funden aus der Michaelskirche in Burgfelden und der Schalksburg bei Albstadt-Laufen. Letztere wurde per Lasermessung im digitalen Geländemodell durchleuchtet, wobei keine frühmittelalterlichen Befestigungen gefunden wurden.

Funde aus allen Epochen

Im November hatten Morrissey und andere auf dem hoch gelegenen Areal der Schalksburg alte Keramikstücke gesammelt und untersucht. Demnach waren Menschen auch schon vom siebten bis zehnten Jahrhundert dort aktiv, als auch in Burgfelden Gräber angelegt wurden. „Haben die Menschen aus Burgfelden diesen abgelegenen, naturheiligen Platz aufgesucht?“ Zeitlich war dies möglich, sagte der Freiberufler.

Neue Schlüsse konnten gezogen werden, nachdem im Landesarchiv ein alter Grabungsbericht von 1957 Burgfelden zugeordnet und erstmals ausgewertet werden konnte. „Mehrere Gräber konnten dadurch genauer in der Kirche lokalisiert werden“, sagte Morrissey. In dem Steinkammergrab in der halbrunden Apsis des ersten Kirchenbaus hatte man lange Zeit ein alemannisches Stifter- oder Gründergrab gesehen und zugleich einen fränkischen Herrschaftssitz vermutet.

Kellenburg war nur ein Steinhaufen

Die neue Erkenntnis: „Einen Herrschaftssitz in Burgfelden können wir inzwischen streichen“, sagte Morrissey. Auch die sogenannte Kellenburg habe sich als Steinhaufen entpuppt. Da müsse man nüchtern bleiben. Der Fundort bleibe trotzdem etwas ganz Besonderes: Denn dass der dritte Bau aus dem elften Jahrhundert so abgelegen und isoliert liegt, habe bewirkt, dass er nie abgerissen und ersetzt wurde. Das sei selten.

Außerdem habe man inzwischen ein vergoldetes Kreuz aus Silber, das in der Kirche einst gefunden wurde, anhand von Zeichnungen analysieren können. Es ist nach Raubgrabungen verschollen und hat eine eigenartige Form, die Morrissey mit vielen anderen Kreuzen aus jener Zeit aus anderen Fundstätten verglich. Die beiden Blätter sind ineinander gesteckt, zudem weist das Kreuz ein Loch für die ebenfalls gefundene Kette auf.

Doch kein Stifterkreuz

Sein Schluss: „Das war kein Stifterkreuz, sondern ein Pektoralkreuz.“ Denn ein Stifterkreuz sei eher ohne Loch gearbeitet worden und wurde beispielsweise auf einen Totenschleier aufgenäht. Es müsse folglich ein Tragekreuz eines hohen Geistlichen gewesen sein. Somit komme der Kirche eine hohe Bedeutung zu. Der Sprengel der Kirche, also die dazugehörigen Gemeindeteile, seien weit verstreut gewesen, was zu dieser Feststellung passe.

Inzwischen hält Morrissey es für wahrscheinlich, dass die allererste, kleinere Kirche in Burgfelden auf einem älteren Gräberfeld errichtet wurde. Dies sei aufgrund von Umgrabungen im Kirchenboden aber nur schwer bis unmöglich nachzuweisen, sagte er auf Nachfrage am Ende seines Vortrags. Anhand des neu ausgewerteten Grabungsberichts von 1957 kann man von etlichen Gräbern unter der Kirche ausgehen. In mehreren wurden Kinder bestattet, im Grab eines Jungen wurden silberne, konvexe Schälchen gefunden. Es handle sich dabei wohl um Teile von Schmuck – möglicherweise von Ohrringen.

Verschollen geglaubte Skelette im Archiv gefunden

Erst im Jahr 2004 waren die lange verschollen geglaubten Skelett-Elemente im Landesarchiv in Stuttgart entdeckt worden, die dem „Doppelgrab“ in der Burgfelder Kirche unter der hufeisenförmigen Apsis zugeordnet werden konnten. „In desaströsem Zustand“ habe man sie gefunden, bemerkte Morrissey. Er ist der Meinung, dass es sich um ein Einzelgrab handelte.

Die Knochen waren in Zeitungspapier eingewickelt, die Notizen dazu waren völlig verstreut und schwer zuzuordnen. „Wer waren sie?“ Diese Frage bleibt zunächst weiter unbeantwortet, auch mangels Grabbeigaben. Anhand der sogenannten „C-14-Methode“ konnte zumindest festgestellt werden, dass der Körper der Frau im mittleren Alter erst 60 bis 70 Jahre nach dem des männlichen Körpers – ebenfalls im mittleren Alter – hineingelegt wurden. Und zwar im sechsten und frühen siebten Jahrhundert schon.

Veröffentlichung in der „Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte“

Andreas Zekorn von der Heimatkundlichen Vereinigung Zollernalb, die den Vortrag organisiert hatte, dankte Morrissey für seine Ausführungen. Beide erwähnten auch weitere, ehrenamtliche Helfer wie Wilfried Schübel sowie Reinhard Mayer aus Burgfelden, die den Forscher unterstützt hatten und Experten zu den lokalen Funden seien.

Die zusammengefassten, neuen Forschungsergebnisse würden in der übernächsten Ausgabe der „Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte“ erscheinen, vorher bereits in kompakter Form in den „Heimatkundlichen Blättern“ der Heimatkundlichen Vereinigung Zollernalb. Zekorn: „Klar geworden ist, dass jede Forschung immer wieder weitere, spannende Fragen aufwirft.“ Sein Verein wolle mittels Spenden noch öfter Forschungsprojekte ermöglichen.

Kunstgeschichtliche Bedeutung der Kirche

Die 1892 freigelegten Wandmalereien („Reichenauer Malschule“ um 1070) in der Michaelskirche in Burgfelden erzwangen angesichts ihrer kunstgeschichtlichen Bedeutung den Erhalt des Baus. Anlässlich eher flüchtiger Bauuntersuchungen (1893-1896, 1943 und 1957) wurden zwei Vorgängerbauten aus Stein sowie etliche, meist beigabenlose Bestattungen aufgedeckt.

Die Heimatkundliche Vereinigung Zollernalb wurde am 7. Juli 1954 („Heimatkundliche Vereinigung des Landkreises Balingen“) gegründet. Der Verein setzt sich unter anderem für die Pflege der Heimat- und Landeskunde, heimatliche Naturgeschichte, Geschichte und Kunstgeschichte und Denkmäler und heimisches Brauchtum ein.