Philipp-Matthäus-Hahn-Museum in Albstadt: Wie viel wiegen Waagen? Onstmettinger Museen wegen Statik und Brandschutz teils gesperrt

Das Erdgeschoss des Philipp-Matthäus-Hahn-Museums in Onstmettingen ist frei zugänglich, doch das obere Stockwerk ist nur eingeschränkt nutzbar. Der Grund: Im denkmalgeschütztem Gebäude fehlt ein zweiter Fluchtweg.
Fritz Brenner„Das Philipp-Matthäus-Hahn-Museum und das Haus der 1000 Waagen zeigen die Ursprünge der Industrialisierung“, sagt Volker Lässing vom Förderverein der beiden Museen. Das mache sie zu sehr wichtigen Museen der Stadt Albstadt. Während sich die Gebäude im Besitz der Stadt befinden, kümmert sich der Förderverein um die Ausstellungsstücke.
Mehr als 600 Briefmarken mit Waagenmotiven hat Rolf Stodt gesammelt.
„Die Briefmarkensammlung hätte eigentlich im Haus der 1000 Waagen ausgestellt werden sollen“, erklärt Vorsitzender Fritz Brenner. Denn im Philipp-Matthäus-Hahn-Museum stehen dem Namen nach Philipp Matthäus Hahn und dessen Einfluss im Bereich Uhren und astronomischen Maschinen im Vordergrund. In der Riedschule (Haus der 1000 Waagen) indes sind etwa 1700 Waagen und Gewichte ausgestellt. Zu viel Gewicht für die Räumlichkeiten? Die Räume im ersten Obergeschoss (OG) des Südflügels sind laut Statiker überbelastet. Zudem wurden im Februar dieses Jahres eine Verletzung des Brandschutzes im Bereich des Foyers festgestellt. Die Verwaltung reagierte mit einer Sperrung der Ausstellungsflächen im oberen Stockwerk.
Die wertvollsten Stücke
„Wir bemühen uns ehrenamtlich, die Ausstellungen für künftige Generationen zu erhalten“, sagt Ludwig Bosch, der sich von der Stadt mehr Engagement wünscht. Immerhin wurden die brandschutztechnischen Mängel inzwischen beseitigt, sodass der Mitteltrakt im OG wieder zugänglich ist, die ehemalige Wohnung oberhalb der DRK-Räumlichkeiten bleibt jedoch gesperrt. „Dort befinden sich die wertvollsten Stücke“, sagt Bosch.
Der Mitteltrakt wurde bereits statisch ertüchtigt. Damals investierte die Stadt rund 110 000 Euro in einen Stahlträger. Das könnte laut Statiker auch bei der anderen Decke eine Lösung sein. Eine erneut kostspielige Lösung, die gut überlegt sein will, finden die Mitglieder des Fördervereins. Sie schlugen indes vor, die Waagen zu wiegen, um die Last zu ermitteln. Das tatsächliche Gewicht der Waagen wird derzeit vonseiten der Stadt geprüft und ermittelt.
Kostspielige Lösung
„Anstatt eines sehr kostspieligen abermals statisch-konstruktiven Nachrüstens in dem historischen Gebäude steht die Alternative einer Verlagerung eines Teils der ausgestellten Objekte im Raum, um die Situation zu entspannen und die Räumlichkeit so bald als möglich wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, teilt die Verwaltung mit.
Deswegen befindet sich die Briefmarkenausstellung mit Waagenmotiven eben nicht in der Riedschule, sondern im Philipp-Matthäus-Hahn-Museum. Doch auch dort gibt es Mängel im Bereich des Brandschutzes. Die romanische Johanneskirche wurde um 940 erbaut. Im Zuge der Reformation wurde sie etwa bis 1850 als Fruchtkasten genutzt, später als Armenhaus, Fabrik und Wohnhaus. In den 1980er-Jahren allerdings war die Überlegung, das Gebäude abzureißen. Eine Gruppe von Bürgern machte sich für den Erhalt stark und so wurde der „Kasten“ 1981 bis 1989 saniert, sodass 1989 das Museum einziehen konnte.
Unter Denkmalschutz
Das Museumsgebäude steht unter Denkmalschutz und der sieht vor, historisch wertvolle Gebäude so originalgetreu wie möglich zu erhalten. „Man hat den Ursprungszustand allerdings noch nie erhalten“, sagt Brenner mit Blick auf die zahlreichen unterschiedlichen Nutzungen. Derzeit ist das obere Stockwerk nur eingeschränkt nutzbar, weil es keinen zweiten Fluchtweg gibt. „Das ist der historischen Bausubstanz des Gebäudes geschuldet“, erklärt die Stadt Albstadt.
Bereits vor etwa sieben Jahren hatte die Verwaltung eine mit dem Denkmalamt abgestimmte fertige Lösung präsentiert, um diesen Fluchtweg zu schaffen. Die Lösung eines Fluchttreppenturms mit Brücke im hinteren Bereich des Gebäudes wurde nach Einreichung des Antrags abgelehnt. „Das weiß die Stadt seit Jahren“, so Fritz Brenner. Deswegen sei er überrascht gewesen, als die Stadt Anfang März beschloss, den Zugang zum ersten Stock nur noch „eingeschränkt“ zu ermöglichen. „Was bedeutet eingeschränkt?“, fragt sich nicht nur Brenner. Auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE teilt die Stadt mit, dass sich nur noch zehn Personen gleichzeitig im oberen Stockwerk befinden dürfen.
Der Förderverein hofft auf eine baldige Lösung. Keiner der Beteiligten möchte im Ernstfall ein Menschenleben gefährden, doch wünschen sich Brenner, Bosch und Lässing, dass es nicht weitere sieben Jahre dauert, bis das Denkmalschutzamt einen zweiten Fluchtweg nicht nur genehmigt, sondern die Stadt diesen dann auch baulich umsetzt. „Die Verwaltung ist nach wie vor bestrebt, baldmöglichst eine Lösung für den zweiten Fluchtweg zu finden.“ Den Zeitraum des eingeschränkten Zugangs des zweiten Stocks und Dachgeschosses werde die Verwaltung nutzen, um erneut auf das Denkmalamt zuzugehen und eine Lösung für einen zweiten Fluchtweg zu realisieren, versichert die Stadt Albstadt zudem.
