Briefmarkensammlung in Albstadt: Über Jahre hinweg mit der Lupe gesucht
Die Briefmarke Rote Mauritius gilt als berühmteste und teuerste Marke der Welt. 2022 lag ihr Wert bei rund acht Millionen Euro. Ganz so viel Geld kostete die Briefmarkensammlung, die derzeit im Philipp–Matthäus–Hahn–Museum in Onstmettingen ausgestellt wird, nicht. Sie ist ein Schatz ganz anderer Art.
„Es ist eine ganz außergewöhnliche Motivsammlung“, schwärmt Ludwig Bosch. „Diese Sammlung gibt es nirgendwo sonst.“ Der Waagenexperte ist 2019 auf die Sammlung gestoßen. Sie stammt von Rolf Stodt aus Kaarst in Nordrhein–Westfalen. „Ich wusste von der Sammlung und auch, dass er sie verkaufen möchte“, so Bosch. Die beiden lernten sich bei Tauschtagen für Waagensammler kennen. Für Bosch war klar: Diese Sammlung muss ins „Haus der 1000 Waagen“. Allerdings muss ein solcher Kauf auch finanziert werden. Die Sparkasse Zollernalb half 2019 aus und spendete mehrere Hundert Euro. Wie viel Geld genau die Sammlung gekostet hat, möchte der Förderverein, der sich um das Museum kümmert, nicht verraten.
Außergewöhnliche und einmalige Ausstellung
Ins Detail gehen Ludwig Bosch, Fritz Brenner und Volker Lässing hingegen bei der Ausstellung. Es sei nicht nur eine außergewöhnliche, sondern eine einmalige Sammlung. Schließlich machte sich Stodt die Mühe, in akribischer Kleinarbeit mit der Lupe Kataloge aus aller Welt zu durchsuchen. Dabei war er auf der Suche nach Briefmarken, deren Motive Waagen beinhalten. „Das war jahrelange Arbeit“, schätzt Bosch. Entdeckt hat Stodt letztlich mehr als 600 Briefmarken. „Auf manchen von ihnen erkennt man die Waage gar nicht auf Anhieb — selbst bei der Vergrößerung nicht.“ Denn die Briefmarken sind für die Sonderpräsentation auf DIN A4 vergrößert worden. Zudem ist beschrieben, woher sie stammen, von wann sie sind und welche Waagenart auf ihnen zu sehen ist. Schließlich sind in der Sammlung mehr als 160 Länder vertreten. „Es ist die ganze Welt vorhanden.“
Die Originale sind im Museum nicht zu sehen, doch auch diese gibt es zum Teil. Denn sobald Stodt eine Briefmarke mit Waagensymbol in den Katalogen gefunden hatte, soll er versucht haben, diese auch im Original anzuschaffen. Da zudem aus Platzgründen nur ein Teil der Ausstellung gezeigt werden kann, wurden die restlichen Briefmarkendrucke wie auch die Originale sicher verstaut.
Ludwig Bosch traf Auswahl
Die Auswahl, welche Briefmarken zu sehen sind, traf Ludwig Bosch. „Ich wollte nicht zu viele Wiederholungen haben.“ Eine der vier Schautafeln zeigt beispielsweise Tierkreiszeichen. „Zudem gibt es eine Serie mit Babywaagen.“ Hinzu kommen Handwaagen, elektronische Waagen, die Waage der Justitia, die wohl älteste Waage, die ägyptische Balkenwaage, und Gewichte, denn die gehören unweigerlich zu Waagen dazu, sagt Bosch. Der muss es wissen, denn er kennt sich mit der Materie aus: „Ich habe 30 Jahre lang Waagen gebaut und sammle schon von Kindesbeinen an Waagen und Gewichte.“ Auch sein Vater und Großvater teilten diese Leidenschaft. So bietet er immer montags seine Unterstützung an: Im Haus der 1000 Waagen können kaputte Messgeräte abgegeben werden und Bosch versucht, sie zu reparieren. Zumindest, wenn es sich um Mechanische dreht. „Heutzutage gibt es aber eigentlich nur elektronische Waagen.“
Da es sich bei der Sammlung um durchaus alte Briefmarken handelt, etwa ab 1900, zeigt sie vor allem mechanische Waagen. „Hier sieht man eine Quadrantenwaage“, sagt Bosch und zeigt auf eine Briefmarke, „die erinnert an Philipp Matthäus Hahn.“ Der soll nämlich die Neigungswaage (Pendel–Quadrantenwaage) erfunden haben. Der Onstmettinger Pfarrer war Astronom, Ingenieur und Unternehmer und gilt zudem als Begründer der Feinmess– und Präzisionswaagenindustrie im Zollernalbkreis. „Alles, was der Mensch handelt, muss gewogen werden“, erklärt Bosch den unmittelbaren Zusammenhang von Handel, Industrie und Waagen.
Info Die Briefmarkenausstellung ist bis Mitte Mai immer samstags, sonntags und an den Feiertagen von jeweils 14 bis 17 Uhr im Philipp–Matthäus–Hahn–Museum, Albert–Sauter–Straße 15 in Onstmettingen, zu sehen. Das „Haus der 1000 Waagen“ ist immer am ersten Samstag des Monats von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Größere Gruppen können beim Vorsitzenden des Museumsfördervereins, Fritz Brenner, telefonisch unter (07432) 2 22 65 eine Führung in beiden Museen anmelden.


