OB-Wahl in Albstadt
: Wie es für die Kandidaten nach der Wahl weitergeht

Katerstimmung nach der Wahl? Im Gegenteil bei den Kandidaten herrscht Tatendrang. Die Motivation, die Erfahrungen aus dem Wahlkampf künftig einfließen zu lassen, ist bei allen hoch.
Von
Rena Weiss
Albstadt
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  • Am Montag saß Udo Hollauer wieder in seinem Büro im Tailfinger Rathaus. Dort möchte er seine Wahlkampf-Erfahrungen einsetzen.

    Am Montag saß Udo Hollauer wieder in seinem Büro im Tailfinger Rathaus. Dort möchte er seine Wahlkampf-Erfahrungen einsetzen.

    Emil Schmid
  • Nach der Wahl ist vor der Wahl: Markus Ringle möchte seine Erfahrung im Wahlkampf für die anstehende Kommunalwahl nutzen.

    Nach der Wahl ist vor der Wahl: Markus Ringle möchte seine Erfahrung im Wahlkampf für die anstehende Kommunalwahl nutzen.

    Emil Schmid
  • Roland Tralmer machte das Rennen. Bis Juni arbeitet er weiter als Anwalt, zudem wolle er sich parallel ins Amt des OB einarbeiten.

    Roland Tralmer machte das Rennen. Bis Juni arbeitet er weiter als Anwalt, zudem wolle er sich parallel ins Amt des OB einarbeiten.

    Emil Schmid
  • Michael Gonser (links) mit seinen Wahlkampfhelfern Vater Walter Gonser und Tochter Laura Gonser.⇥

    Michael Gonser (links) mit seinen Wahlkampfhelfern Vater Walter Gonser und Tochter Laura Gonser.⇥

    Michael Gonser
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Keine Katerstimmung, aber ein bisschen hört man allen Kandidaten einen Tag nach der Wahl zum Oberbürgermeister Albstadts die anstrengenden Wochen und Monate des Wahlkampfs an. Zwar zeigen sich Markus Ringle, Udo Hollauer und Michael Gonser zufrieden mit ihren Ergebnissen, doch hört man heraus, dass sie sich mehr erhofft haben. Vor allem bei der Wahlbeteiligung.

So haben die Albstädter abgestimmt

Dort möchte der Grünen-Kandidat Markus Ringle ansetzen. „Während meines Wahlkampfs hat sich die Erkenntnis vertieft, dass bei Bürgerinnen und Bürgern viele Sachverhalte gar nicht oder wenig bekannt sind“, erklärt er. Damit sich das ändert und damit möglicherweise auch das Interesse an der Politik gesteigert wird, muss in die Öffentlichkeit getragen werden, was in Albstadt gemacht wird. „Diese große Bringschuld sehe ich bei der lokalen Politik und der Verwaltung.“

Bürgerschaft miteinbeziehen

Doch wie soll die breite Masse angesprochen und informiert werden? Über die großen Themen berichten gleich mehrere Tageszeitungen, die Stadt informiert über ihre Homepage, das Ratsinformationssystem, über die sozialen Medien und in den Amtsblättern. Trotzdem gibt es Albstädter, die sich nicht informiert, nicht mitgenommen fühlen. „Wir können keinen einzigen Kanal weglassen“, betont Ringle. Als Beispiel nennt er die zahlreichen kulturellen Veranstaltungen. Diese sollten als Rahmen genutzt werden, wichtige politische Themen der Stadt, nicht der Fraktionen, anzusprechen. Dabei müssten die Informationen allerdings auch zielgruppenspezifisch aufbereitet werden, ist Ringle überzeugt.

Durch seine beiden Töchter sei ihm bewusst geworden, dass dazu auch die Schulen gehören. Dort sollte detaillierter erklärt werden, was Demokratie bedeutet und welchen Einfluss jeder Einzelne nehmen könne. „Da sind wir nicht auf dem idealen Weg.“

Live-Übertragung der Gemeinderatssitzung

Einen Vorschlag des Mitbewerbers und nun gewählten Oberbürgermeisters Roland Tralmer will Ringle unterstützen: Live-Übertragung der Gemeinderatssitzungen und Videos über Projekte der Stadt. So können Bürgerinnen und Bürger ohne große Barrieren an notwendige Informationen gelangen, findet Ringle.

Das möchte auch Udo Hollauer umsetzen. Der Baubürgermeister saß am Montag wieder an seinem Schreibtisch in Tailfingen und arbeitete auf, was über den Wahlkampf liegen geblieben ist. Viel sei es nicht gewesen, weil er trotz Wahlkampf gearbeitet habe, versichert er.

Der parteilose Kandidat, der am Ende des Wahlkampfs von einem Bündnis der Gemeinderatsfraktionen SPD, der Freien Wähler und einigen Grünen-Stadträten unterstützt wurde, sieht in den sozialen Medien ebenfalls Nachholbedarf. Er könne sich vorstellen, über die Stadt-Accounts bei Instagram und Facebook über Baustellen und -projekte zu berichten, damit sich die Bürger einen Überblick verschaffen können.

Zeit wird genutzt, die Anregungen durchzugehen

Dahingehend seien die vergangenen Wochen sehr gewinnbringend für ihn persönlich, aber auch beruflich gewesen, erklärt er. Hollauer habe bei jedem Bürgergespräch bis zu 30 Seiten Notizen gemacht. Diese wolle er in der nächsten Zeit sortieren und Anregungen, die er als Bürgermeister umsetzen kann, auch ändern. Alle weiteren Themen müssten dementsprechend im Gemeinderat eingebracht werden.

Dadurch, dass er direkt wieder im Büro sitzt, erwecke es den Eindruck, dass es nahtlos weitergehe, so Hollauer, doch versichert er: „Es wird sich etwas ändern.“ Konkret wird er dabei bei der Einbindung der Bürgerschaft. „Was für uns sonnenklar ist, kam bei den Betroffenen oft nicht an“, habe er im Wahlkampf erfahren. Udo Hollauer möchte künftig mehr Infoveranstaltungen durchführen, sei es für die breite Masse oder im einzeln für Betroffene.

Helfen sollen dabei auch die neu geknüpften und intensivierten Kontakte wie mit den Bündnispartnern. Am Sonntagabend saßen sie zusammen, feierten das Ergebnis gefeiert und sprachen über die kommenden Aufgaben. „Ich denke, dass wir dieses Format öfter nutzen werden.“ Eine bessere Zusammenarbeit strebt er jedoch nicht nur mit den Bündnispartnern an, sondern mit dem gesamten Gemeinderat.

Ins neue Amt einarbeiten

Und wie verlief der Montag für den Wahlsieger Roland Tralmer? Aufgrund von IT-Problemen erlebte er einen entspannten Vormittag, bis es mittags für den Anwalt in seiner Kanzlei weiterging. „Ich lasse meine Mandanten nicht hängen“, erklärt er. Bis Ende Mai werde er die Mandate abschließen, die sich in dieser Zeit beenden lassen, ansonsten kümmert er sich um Nachfolgeregelungen. Parallel habe er bereits mit der Verwaltung gesprochen, die Zeit bis Juni zu nutzen, um sich in sein neues Amt einzuarbeiten.

Einen Nachfolger für die Kanzlei werde es nicht geben, aber hier setzt Tralmer auf die bestehende Zusammenarbeit mit anderen Anwälten.

Zusammenarbeit ist für ihn auch das Stichwort, wenn es um die Arbeit mit und im Gemeinderat geht. „Die letzten Wochen waren mitunter etwas anstrengend, aber es gehört zu den Aufgaben des Oberbürgermeisters, die Stadt nicht mehr zu spalten, sondern Gräben, die in den vergangenen zwei Wochen aufgerissen worden sind, wieder zuzuschütten“, erklärte er noch am Sonntag. „Deswegen, und darauf dürfen Sie sich verlassen, sehe ich meine Aufgabe in der Einigkeit dieser Stadt, im Gemeinderat, in der Bürgerschaft, denn nur so werden wir weiterkommen.“

Albstadt steht vor großen Herausforderungen

Der 56-Jährige führt weiter aus: Diese Stadt stehe vor großen Herausforderungen, die in den vergangenen Wochen hinreichend beschrieben worden seien. „Das wird ein Oberbürgermeister allein nicht leisten können. Dazu braucht es ein hervorragendes Team in diesem Rathaus – das haben wir schon.“ Dazu brauche es auch stets Mehrheiten im Gemeinderat. An der Zusammenarbeit der Mitglieder will das baldige Stadtoberhaupt arbeiten. „Hier werde ich Brücken bauen.“ Zudem brauche es vor allem die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger. „Lassen sie uns nicht getrennt und gegeneinander an der Zukunft Albstadts arbeiten, sondern miteinander.“ Das sei seine Aufgabe als baldiger OB und das dürfe man von ihm erwarten, so Tralmer.

Michael Gonser gratuliert indes seinem alten Bekannten und Gewinner der Wahl: „Ich wünsche ihm eine glückliche Hand für die neuen Herausforderungen und das neue Amt.“ Tralmer solle froh sein, dass er so spät eingestiegen ist, scherzt Gonser selbstbewusst. „Ich hätte es mit Herzblut und mit Vollgas gemacht.“ Er sei enttäuscht über das Ergebnis, weil er gehofft hatte, es reicht. „Aber nicht zu Tode betrübt, weil nicht gewonnen, sondern stolz und glücklich, dass wir so ein tolles Team waren“, sagt er über seinen Vater Walter (92) und seine Tochter Laura Gonser (28), die ihn unterstützt hatten.

„Ich bin total froh, dass ich es versucht habe. Ich hätte es mir ewig vorgeworfen, wenn ich es nicht versucht hätte.“ Er habe tolle Menschen kennenlernen dürfen, alte Freundschaften wiederbelebt und neue hinzugefügt. „Bei einer Bundestagswahl würden wir jetzt mit 5,5 Prozent in den Bundestag einziehen“, sagte er am Sonntagabend, als noch nicht klar war, wie viele Stimmen der „freien Zeile“ auch tatsächlich für ihn waren.