Meinung zur Bundestagswahl: Wer spricht für die junge Generation im Zollernalbkreis?


Bei der Jugendwahl U18 zeichnete sich dieses Jahr ab: Die junge Generation wählt vor allem links.
Stefan Puchner/dpaDer Bundestag hat sich verändert – für den Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen auf besondere Weise. Mit Thomas Bareiß bleibt ihm ein erfahrener Politiker erhalten, aber mit Robin Mesarosch verliert er eine junge Stimme, die dreieinhalb Jahre lang insbesondere die Interessen der jüngeren Wählerinnen und Wähler vertreten hat.
Die Frage, die sich mir stellt, ist: Wer wird künftig für junge Menschen und moderne Politik in unserer Region sprechen?
Thomas Bareiß wird es vermutlich nicht sein. Als Vertreter des klassischen Konservatismus und Mitglied des CDU-Wirtschaftsflügels hat er sich in wichtigen Debatten, wie zuletzt in der Migrationspolitik, deutlich von den Bedürfnissen der jüngeren Generation entfernt. In der Frage der Gleichstellung der Frau sagte er gegenüber der SÜDWEST PRESSE: „Ich sehe da keine Probleme mehr.“ Und zur „Ehe für alle“ äußerte er vor Jahren: „Ungleiches kann man nicht gleichstellen.“ Diese Haltung steht im Widerspruch zu den Werten und Forderungen vieler junger Menschen, die sich vor allem durch eine progressive und inklusive Politik vertreten fühlen.
Wer nicht die Sprache der Jugend trifft, wird sie kaum erreichen
Und diese progressive Stimme war bis zuletzt Robin Mesarosch. Laut eigenen Angaben erzielt er nach Olaf Scholz und Karl Lauterbach die dritthöchste digitale Reichweite der SPD – und trifft sich genau dort, wo junge Menschen heute politische Inhalte konsumieren: auf Social Media. Plattformen, die Bareiß nicht im selben Maß bespielt. Wie sollte er auch verstehen, was die junge Generation bewegt, wenn er sich weder mit diesen Inhalten beschäftigt noch den Dialog mit jungen Menschen sucht?
Viele junge Wählerinnen und Wähler fühlen sich von der etablierten Politik nicht mehr ausreichend repräsentiert. Sie haben das Gefühl, dass ihre Anliegen nicht gehört werden. Die Politik erscheint oft zu langsam, zu bürokratisch und wenig flexibel. Besonders, wenn man bedenkt, dass sich die junge Generation zunehmend auf Plattformen wie Instagram und TikTok informiert – Kanäle, die von vielen traditionellen Politikerinnen und Politikern immer noch stiefmütterlich behandelt werden. Wer dort nicht aktiv ist und die Sprache der Jugend spricht, wird sie kaum erreichen.
Wer sich von der Politik nicht verstanden fühlt, sollte seine Stimme erheben
Dennoch: Junge Menschen sind politisch aktiver denn je. Sie setzen sich leidenschaftlich für Themen wie Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit ein. Es braucht ein Umdenken, damit sie nicht nur als Protestierende oder digitale Aktivisten wahrgenommen werden, sondern als ernsthafte politische Akteurinnen und Akteure.
Thomas Bareiß wird auch in Zukunft nicht für die junge Generation sprechen – das ist klar. Aber eines steht fest: Wer politische Veränderung will, muss sich einbringen. Wer sich von der Politik nicht verstanden fühlt, sollte seine Stimme erheben – auf der Straße, in den sozialen Medien und vor allem an der Wahlurne. Sonst sitzen wir in vier Jahren wieder hier und fragen uns, warum die Politik von gestern immer noch die von morgen ist.
