Klaus Birk und Andreas Müller in Albstadt: Ein Badener und ein Schwabe gemeinsam auf der Bühne

Mit ihrem neuen Comedy-Programm werden Schwabe Klaus Birk (links) und Badener Andreas Müller klären, dass die Welt nicht größer ist als THE LÄND.⇥
Susanne ConzelmannMit den beiden inoffiziellen Landeshymnen, dem Badnerlied und dem Lied der Württemberger „Preisend mit viel schönen Reden“ startete „Homeländ-Zack“, eine Hommage an das schöne Baden-Württemberg. Mit Schwabe Klaus Birk, Kabarettist und Autor, sowie Badener Andreas Müller, Comedian und Stimmenimitator, waren zwei äußerst amüsante Repräsentanten der beiden Landesteile auf der Bühne der Ebinger Festhalle zu sehen.
Gesamtdeutsche Themen in Humor verpackt
„Wir können alles, außer was dafür!“ Die Werbeslogans des Landes haben es den beiden besonders angetan, sind sie doch „ländläufige The-Länd-Fäns“. Der Hirsch (Württemberg) und der Greif (Baden) sind auf dem Landeswappen zu sehen, gemeinsam mit den drei schreitenden schwarzen Löwen – oder sind es doch eher Wildschweine? Berlin lässt grüßen. Überhaupt nimmt sich Andreas Müller mehr gesamtdeutscher Themen an als seinem Baden.
Der fantastische Stimmenimitator lässt beispielsweise den grünen Wirtschaftsminister Robert Habeck von der deutschen Weltrettung singen, lässt Herbert Grönemeyer in dem im eigenen Singstil über das Aus des Verbrenners fragen: „Womit fährt denn dann ein Mann?“ Oder reist „atomlos“ durch die Nacht. Faszinierend ist auch das Telefongespräch zwischen Bundeskanzler Olaf Scholz und seiner Vorgängerin Angela Merkel, scheinbar mühelos springt Andreas Müller zwischen diesen beiden Stimmen hin und her.
Wenn Angela Merkel und Olaf Scholz telefonieren
Wie schnell er den Duktus wechseln kann zwischen mehreren Personen, beweist er auch bei „Komet“: Udo Lindenberg, Johann Lafer, Boris Becker und Til Schweiger sind nur einige des knappen Dutzends, das er singen lässt. Leicht ist auch Altkanzler Gerhard Schröder an seinem sonoren „hahaha“ zu erkennen, und Karl Lauterbach ist natürlich eine Steilvorlage für jeden Imitator. Genauso wie Winfried Kretschmann, der es Müller auch ob dessen Stachelfrisur angetan hat.
Klaus Birk beobachtet amüsiert das Treiben seines kongenialen Partners, widmet sich selbst in seinen Wortbeiträgen aber hauptsächlich Eigenheiten der Schwaben. Birk wohnt in Tübingen und hat dort kürzlich in einem Gespräch zweier älterer Damen den Begriff „geistweis“ aufgeschnappt. Eine schwäbische Eigenart, die wohl jeder kennt: Man spricht jemanden nicht mit Du oder Sie an, sondern vermeidet es gekonnt durch „So, au schau beim Einkaufa?“ oder „Ka ma uff sei?“ Als genauer Beobachter erweist sich der Schwabe Klaus Birk beim lokalen Geschehen, ob es um eine Rattenplage in der Stuttgarter Königsstraße geht oder um stauproduzierende Feinstaubkehrmaschinen.
Unvergesslich sein Bericht, wie amerikanische Investoren mit dem Bau eines 220 Meter hohen Gebäudes an schwäbischen Naturschützern scheiterten. Trumps Firma kann doch nicht einfach einen Turm in die Einflugschneise der Zugvögel bauen. Skurril außerdem das Gespräch zwischen Kurt und Helmut, das Autor Klaus Birk vorliest. Wohnt der Adler nun im Horst oder ist der Horst eher im „Adler“ anzutreffen?
Dazwischen unterhalten sich die beiden Künstler, und der geneigte Zuhörer fragt sich sicher nicht nur ein Mal, wie viel von den Dialogen vorbereitet ist und was hingegen alles spontan heraussprudelt. Ein unterhaltsamer Abend, bei dem man sich einmal mehr eine vollere Festhalle gewünscht hätte.
Woher kennt man die beiden?
Klaus Birk war ab 1982 zehn Jahre lang mit Bernd Kohlhepp als Duo Vis a Vis unterwegs durch Republik und Fernsehstudios. Von 1998 bis 2005 spielt er mit Udo Zepezauer „Helmuts Kurt!“; machte sich 1992 dann als Solist auf eigene Wege. Er schreibt für alle erdenklichen Medien und Formate und ist als Text-Coach, Co-Autor und Regisseur im Bereich Kabarett und Theater tätig.
Andreas Müller ist Comedy-Chef bei SWR3, Comedian, Parodist, Musikant und „Leihstimme“ politischer, sportlicher und sonstiger Prominenter. Radioserien wie „Feinkost-Zipp“, die „Lallers“, „Jogis Jungs“ oder die „Coolen Coronakniffs“ verdanken ihre Existenz seinem komischen Talent. In Albstadt hatte er außer seiner scharfen Zunge Gitarre und Keyboard mit dabei.
