Julian Prinz
: Bodybuilder aus Balingen schuftet für die große Bühne

Mit seinem gestählten Körper gehörte Julian Prinz einst zu den besten Talenten Deutschlands. Nach einer längeren Pause will er sich nun wieder in Wettkampf-Form bringen.
Von
Alexander Kern
Balingen
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  • Mit dieser Form wurde Julian Prinz, damals mit Scheitel, beim Wettkampf in Bochum Vierter. ⇥

    Mit dieser Form wurde Julian Prinz, damals mit Scheitel, beim Wettkampf in Bochum Vierter. ⇥

    Oliver Rink
  • Julian Prinz

    Julian Prinz

    Privat
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Der Jury in Bochum gefällt, was sie sieht. Sie wählt den Balinger Bodybuilder auf Platz vier in der Kategorie „Men‘s Physique“. Vierter. Prinz in der deutschen Top Ten. Für den jungen Sportler geht ein Traum in Erfüllung. Monatelanges Hantelstemmen, Kalorienzählen, Verzichten – alles für diesen einen Moment.

Aber es bricht nicht aus ihm heraus. Statt zu jubeln steht er ungläubig da. Spürt nichts, fühlt nichts. Erst als er von der Bühne runtergeht und die Siegerschokolade isst, realisiert er langsam, was er da geschafft hat.

Fünf Jahre sind vergangen seit diesem Tag. Aber die Augen des jungen Mannes leuchten immer noch, als er in einem Balinger Café sitzt und vom Wettbewerb im Ruhrpott erzählt. Seinem bislang größten Erfolg. Nun möchte Prinz zurück. Zurück auf die große Bühne. Nochmal angreifen, durchstarten. Er hat es ja schon einmal geschafft und fühlt sich wieder bereit.

Von 90 auf 100 Kilogramm

Zuletzt war alles anders. Es ist im Bodybuilding ja nicht wie beim Fußball. Sein Talent auf Top-Niveau beweisen, Profi werden, gutes Geld verdienen. Nur ein Bruchteil schafft es, von diesem Sport zu leben. Prinz weiß das. Er studiert an der IST in Stuttgart, möchte Sport- und Gesundheitstrainer mit Diplom werden. Zudem baut er gemeinsam mit seinem Bruder derzeit eine Coaching-Firma auf.

Das nimmt Zeit in Anspruch. Und verursacht Stress. Viel Stress. In den vergangenen Jahren hatte Prinz immer weniger Zeit zu trainieren, baute Muskelmasse ab und entfernte sich von seinen sportlichen Zielen. Jetzt ist er im letzten Semester und auch die Firma kann erste Erfolge verbuchen. Prinz will sich nun wieder die nötige Zeit nehmen, um seiner Leidenschaft nachzugehen.

„Für 2023 habe ich mir ehrgeizige Ziele gesteckt“, betont Prinz. Konkret heißt das: Das Jahr nutzen, um wieder Bühnenform zu erreichen. Von 90 Kilogramm, die er gerade wiegt, soll es auf 100 gehen. Bedeutet: Fünfmal die Woche trainieren und einen strikten Ernährungsplan.

4000 Kalorien isst Prinz wieder pro Tag. Unter anderem stehen Porridge mit Proteinpulver und Hähnchen mit Reis auf dem Speiseplan. Täglich nimmt er rund 300 Gramm Eiweiß zu sich – mehr als das Dreifache des Tagesbedarfs, den ein Mann seiner Größe braucht.

Süße Sünden gönnen

Ein Jahr ohne Sünden? „Nein“, versichert Prinz lachend. „Das hält keiner durch.“ Hin und wieder genehmige er sich Süßigkeiten, am liebsten amerikanische, oder esse mal eine fettige Mahlzeit, zum Beispiel einen Döner, der im Plan nicht vorgesehen ist. Anders funktioniere es nicht: „Man muss sich Dinge gönnen, sonst hört man irgendwann einfach auf mit dem Training.“

Steroide und andere gefährliche Substanzen

Im Zusammenhang mit der Verwendung von Steroiden und anderen Substanzen sind bereits einige Bodybuilder an Herzinfarkten gestorben. Ein Beispiel ist der bekannte jamaikanische Bodybuilder Shawn Rhoden. 2018 sicherte er sich noch den Titel „Mr. Olympia“, 2021 starb er im Alter von nur 46 Jahren.

Nimmt er Hilfsmittel, um die Muskeln wachsen zu lassen? Anabole Steroide etwa, die für zahlreiche Bodybuilder zum Alltag gehören? Zu dieser Frage möchte sich Prinz nicht äußern. Er sagt dazu nur so viel: „Es ist normal in diesem Sport.“ In vielen Bodybuilding-Klassen sei man ohne gar nicht wettbewerbsfähig.

Der Wettbewerb, von dem Prinz träumt, heißt Arnold Classic und geht in Spanien über die Bühne. Benannt ist er nach Arnold Schwarzenegger, dem Terminator und Vorbild für viele junge Kraftsportler wie Prinz. 2024 möchte der Bodybuilder aus dem Schwabenland daran teilnehmen. In der Herrenklasse, versteht sich. „Von Balingen nach Barcelona: Bodybuilder beeindruckt auf der Bühne“: Es wäre eine Schlagzeile, die sich Prinz gerne übers Bett hängen würde.

„Mr. Olympia“: Der größte Titel im Bodybuilding

Der prestigeträchtigste Wettbewerb im Bodybuilding heißt „Mr. Olympia“ und geht in der US-Spielerstadt Las Vegas über die Bühne. Im Dezember war es wieder soweit. Den Sieg und damit 400 000 Dollar Preisgeld holte sich der unter dem Spitznamen „persischer Wolf“ bekannte Hadi Choopan. 

Mit acht Titeln teilen sich die beiden US-Amerikaner Lee Haney und Ronnie Coleman den Rekord für die meisten Siege. Arnold Schwarzenegger wurde immerhin siebenmal „Mr. Olympia“. Ein Deutscher konnte den Wettbewerb, der jährlich vom Bodybuilding-Verband (IFBB) veranstaltet wird, noch nie gewinnen.