Jubilarin in Albstadt
: Die älteste Bürgerin Margrethausens feiert ihren 100. Geburtstag

Mit guter Gesundheit und geistiger Fitness feiert Emma Schairer heute ihren 100. Geburtstag.
Von
Horst Schweizer
Albstadt
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Die Jubilarin Emma Schairer in ihrem Bereich vor ihren Büchern. Jedes davon hat sie mehrfach gelesen.⇥

Horst Schweizer

Wer Emma Schairer, die bestens gelaunt ist, sieht, kann nicht glauben, dass diese rüstige Frau hundert Jahre alt ist. „Darauf bin ich stolz“, lacht sie und ergänzt, dass sie gar nicht mehr wisse, wann sie zuletzt beim Doktor gewesen sei.

Emma Schairer wird 100 Jahre alt

Emma Schairer wurde am 20. September 1923 mit dem Mädchennamen Kohler in Herrenberg geboren. „Wir waren fünf Mädchen und jede hatte einen Bruder, wie viele Buben waren dann in der Familie?“ so ihre scherzhafte Frage, auf welchen viele hereinfallen, schmunzelt die rüstige Seniorin. Der Vater von sechs Kindern wurde Obermeister in einer Tübinger Mühle, woraufhin die Familie dorthin zog.

Emma Schairer und ihre Geschwister gingen in Tübingen zur Schule. Sie hatte danach die Auswahl, ihr Pflichtjahr in der Rüstung oder einem lebenswichtigen Betrieb zu absolvieren. Und entschied sich bis Kriegsende für eine Bäckerei in Tübingen. Die 100–Jährige war auch beim Roten Kreuz, verrichtete regelmäßig Bahnhofsdienste zwischen 20 und 6 Uhr morgens für Soldaten, deren Züge nachts dort standen. „Hinterher ging es gleich wieder zur Arbeit, das hat man damals mit links gemacht“, lacht sie.

Durch Zufall habe sie von Bekannten erfahren, dass jemand in Margrethausen für sechs Wochen eine Haushaltshilfe suche. Sie trat die Stelle 1948 bei der Familie Götz vom Margretwerk an. „Wahrscheinlich waren sie mit mir zufrieden und baten, ein Jahr zu bleiben, daraus wurden zwei, es hat mir recht gut gefallen“, erzählt Emma Schairer.

1949 lernte sie Willi Schairer kennen und lieben, im Mai 1950 war ihre Hochzeit in Margrethausen. Anfangs wohnten sie bei den Schwiegereltern, die eine Landwirtschaft betrieben. 1952 kauften sie das Haus in der Dorfstraße, ihrer seitherigen Heimat. Dort wurden auch die beiden Töchter Annemarie und Roselinde geboren. Sie leben heute noch im Elternhaus, direkt nebenan, und unterstützen die Mutter.

Heimarbeit fürs Margretwerk

Um für die Töchter da zu sein, machte Schairer Heimarbeit für das Margretwerk. Arbeitete dort später noch 33 Jahre bis zu ihrer Rente im Versand. Das Ehepaar sei immer viel gewandert, vor allem in heimischer Umgebung oder auch in den Allgäuer Bergen. „Das war eine schöne Zeit“, meint die Jubilarin. Auch besuchten und bestaunten sie immer wieder Kirchen im Oberland.

Viele Jahre bis zu dessen Tod im Jahr 2017 pflegte sie liebevoll ihren Ehemann Willi. Emma Schairer trat dem katholischen Kirchenchor in Margrethausen bei, und sei heute noch die einzige Überlebende aus jener Zeit. Auch ging sie regelmäßig, bis die Pandemie begann, zur Seniorengymnastik, schwärmt von der perfekten Organisation von Leiterin Lotte Bärtle.

Die 100–Jährige zeigt im Wohnzimmer auf eine Bücherwand und meint, „das ist mein Bereich“. Die dortigen mehr als 60 Bücher, vielfach mit Ereignissen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, habe sie mehrfach gelesen. Sie interessiere sich heute noch für das Dorf– und Weltgeschehen und die Entscheidungen der Regierung, verstehe aber deren wiederholte Uneinigkeit nicht.

„Die Öffentlichkeit war nie mein Ding, ich wollte immer im Hintergrund bleiben“, lacht Emma Schairer. Daher erscheine nun erstmals etwas von ihr in der Zeitung. Dieser 100. Geburtstag wird schlicht und einfach mit der Familie, zu welcher eine Enkeltochter gehört, und ihren beiden Schwestern, 93 und 95 Jahre alt, gefeiert.