Ferienwanderung Meßstetten
: Auf den Spuren des Hossinger „Schlössles“

Die Meßstetter Ferienwanderungen sind mit der Abschlusstour rund um Hossingen dieser Tage zu Ende gegangen. Und auch die 17. Auflage war wieder ein Erfolg.
Von
red
Meßstetten
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Interessiert verfolgt die Wandergruppe die Ausführungen von Rose Pfersich (Albverein Hossingen), die viel Wissenswertes über die einstige Hossinger Burg zu berichten wusste.

Interessiert verfolgt die Wandergruppe die Ausführungen von Rose Pfersich (Albverein Hossingen), die viel Wissenswertes über die einstige Hossinger Burg zu berichten wusste.

Stadt Meßstetten/Volker Bitzer
  • Abschluss der Meßstetter Ferienwanderungen: Rundtour bei Hossingen mit etwa 190 Teilnehmenden.
  • Höhepunkt war die ehemalige Burg ob dem Burtel, von Einheimischen „Schlössle“ genannt.
  • Die Burg entstand im 13. Jahrhundert, wurde 1525 zerstört und später fast vergessen.
  • Albverein legte die Anlage ab den 2010er-Jahren frei, Pflegekräfte fehlen inzwischen.
  • Station am Sportplatz Greut: Bau 1930, Sanierung 1959, Handball bis 1974, Turnier bis 2019.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eine Ferienwanderung ist mehr, als nur ein paar Kilometer zurückzulegen. Vielmehr bietet sie Gelegenheit, gemeinsam unterwegs zu sein, Leute kennenzulernen, marschierend ins Gespräch zu kommen und obendrein noch so manche, oft unbekannte Sehenswürdigkeit zu erkunden. Getreu diesen Worten brachte es Hossingens Ortsvorsteher Thomas Wizemann in seiner Begrüßung zur Abschlusstour auf den Punkt, was die Teilnehmer nicht nur in seinem, sondern in jedem Stadtteil Meßstettens erwartete. Wer nun aber an diesem Mittwochabend mit einem gemütlichen Abschlussspaziergang rechnete, der täuschte sich ein wenig.

Runter, rauf, runter, rauf – so in etwa könnte man die von Rose Pfersich und Andrea Bodmer von der Ortsgruppe Hossingen im Schwäbischen Albverein geführte Runde mit wenigen Worten charakterisieren. Einige der geschätzt 190 Wanderer mussten an manchen Stellen deshalb etwas schnaufen, aber es war zu meistern. Zumal es laut städtischer Pressemeldung sowieso nicht um Zeitrekorde ging. Das erste angestrebte Ziel war zugleich auch der Höhepunkt der siebten Wanderung: die ehemalige Burg ob dem Burtel bei Hossingen.

Augen offen halten

Der Ort, an dem dieses markante Anwesen einst thronte, wird kaum wahrgenommen, auch wenn tagtäglich viele daran vorbeifahren. Denn wer mit dem Auto von Hossingen nach Unterdigisheim unterwegs ist, muss nach etwa einem Viertel der Wegstrecke linker Hand nur die Augen offenhalten. Da schimmert vor einer scharfen Linkskurve, leicht erhaben, ein Felssporn durch die Vegetation. Auf diesem stand sie bis vor gut 500 Jahren, die Hossinger Burg.

Rose Pfersich hatte in den „Blättern des Schwäbischen Albvereins“ gestöbert und so konnte sie aus einem Aufsatz Robert Alfred Kochs aus dem Jahre 1916 so einiges über die Burg erzählen. Von den Hossingern immer nur liebevoll „Schlössle“ genannt, entstand die kleine Bastion Mitte des 13. Jahrhunderts. Auf 1253 ist die erste urkundliche Erwähnung datiert und sie war im Laufe der Zeit im Besitz vieler Eigentümer aus Adel und Ritterstand. Im Bauernkrieg 1525 wurde die Burg zerstört und allmählich von den ortsansässigen Bürgern abgetragen.

So sah sie vermutlich aus – und auf diesem Felssporn neben der Straße zwischen Hossingen und Unterdigisheim stand sie: die Burg ob dem Burtel. Das Modell konnten die Wanderer in der Turn- und Festhalle bestaunen.

So sah sie vermutlich aus – und auf diesem Felssporn neben der Straße zwischen Hossingen und Unterdigisheim stand sie: die Burg ob dem Burtel. Das Modell bestaunten die Wanderer in der Turn- und Festhalle.

Stadt Meßstetten/Volker Bitzer

Die geschichtsträchtige Festung geriet beinahe vollkommen in Vergessenheit, bis sie von Burgenforscher Alfred Koch wieder ins Gedächtnis gebracht wurde. Viele Jahrzehnte später animierte die Geschichte auch heimatliebende Hossinger. Anfang der 2010er-Jahre legten Aktive des örtlichen Albvereins die Burganlage frei, sie bauten eine Brücke über den Halsgraben und schafften Wege. Auch wenn die Wandertruppe erwartungsgemäß keine Spornburg vorfand, so konnte sie sich dennoch ein Bild von diesem früheren Kastell ob dem Burtel (dialektisch abgeleitet von Burgtal) machen. Nicht nur anhand der vor Ort aufgestellten Hinweistafel, sondern auch mit Blick auf ein Modell, das an diesem Tage im Eingangsbereich der Turn- und Festhalle aufgestellt war.

Übernommen von der Natur

Heutzutage drohen die rudimentären Überreste der Hossenburg, wie sie auch genannt wird, allmählich wieder komplett von der Natur übernommen zu werden. Denn der Hossinger Albverein, so berichtete Rose Pfersich schmerzlich, habe keine Leute mehr, um das Gelände abzuholzen und zu mähen. Sollte es so kommen, bleiben nur noch Namenszeugen, die an die Historie erinnern – so beispielsweise die Burtelstraße und der Burtelbach in Unterdigisheim oder auch die „Burtales Buaba“, die passenderweise bei der Abschlusseinkehr in der Hossinger Turn- und Festhalle aufspielten.

Mehr oder weniger Geschichte ist auch der Sportplatz Greut, den die Wandergruppe im weiteren Verlauf der Runde passierte. Hier wartete Wolfgang Eppler vom TSV Hossingen und auch er hatte in den alten Chroniken geblättert. Es war 1930, als Mitglieder des Sportvereins in harter Arbeit die Anlage bauten; 1959 erfolgte für das unebene Gelände eine aufwendige Sanierung, die nicht nur kostenintensiv war, sondern bei der Aktive gut 1200 Arbeitsstunden leisteten. Bis ins Jahr 1974 wurde auf diesem Platz Großhandball gespielt. Von 1971 bis 2019 wurde auf Greut sogar jährlich ein internationales Handballturnier ausgetragen. Corona war es schließlich, das dem beliebten Wettbewerb den Todesstoß versetzte; seither ist der Platz im Dornröschenschlaf.

Meßstetter Ferienwanderung 2026

Auch in diesem Jahr haben die Meßstetter Ferienwanderungen wieder rund 1250 Wanderfreunde auf die Hochalb gelockt. Von Ende Juli bis Anfang September führten die Touren durch Meßstetten und seine Stadtteile und boten Gelegenheit, die heimische Landschaft aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen. Die Wanderungen fanden jeweils mittwochs ab 17 Uhr statt und wurden von örtlichen Vereinen und Gruppen organisiert. Nach den rund zweistündigen Touren blieb Zeit für ein gemütliches Beisammensein und eine Stärkung.