Lispeln, Stottern – Logopädie wird oft nur mit Sprachstörungen in Verbindung gebracht. Doch es steckt viel mehr dahinter, sagt Patrick Beck. Der 25-Jährige hat eine Praxis für Logopädie in der Marktstraße in Ebingen. „Ich behandle vor allem neurologische Patienten.“ Das sind Menschen, die an Parkinson oder Multiple Sklerose erkrankt sind, einen Schlaganfall erlitten haben oder einen Tumor haben. „Mein Schwerpunkt sind Schluck- und Stimmstörungen.“ Das kann jedes Alter betreffen: Becks jüngster Patient ist vier Monate und sein ältester 94 Jahre alt.
„Der neurologische Bereich wird in der Logopädie nahezu immer vergessen“, so Beck, obwohl es Teil der Ausbildung ist. „Viele wissen bis zum ersten Praktikum gar nicht, dass Logopäden auch neurologische Erkrankungen behandeln.“ Der Fokus vieler Auszubildender liege bei Aussprachestörungen von Kindern. Das liegt unter anderem daran, dass viele Personen bei der Grundschulvoruntersuchung zum ersten Mal mit der Logopädie in Berührung bekommen und da geht es eben um die Sprache, den Wortschatz, die Aussprache und die Grammatik.

Spektrum der Logopädie

Um die Logopädie bekannter zu machen und den Nachwuchs zu fördern, bietet Patrick Beck verschiedene Praktika an: Schul- und Ausbildungspraktika. Schüler äußern Interesse, weil im Bekanntenkreis jemand Patient ist, so Beck. Wer eine Ausbildung anstrebt, sollte ein derartiges Praktikum machen, ist der Logopäde überzeugt. Dort können die Praktikanten bereits vorab vom breiten Spektrum der Logopädie erfahren. Danach kann die Ausbildung folgen.
Um staatlich anerkannter Logopäde zu werden, bedarf es einer dreijährigen Ausbildung, die sowohl theoretischen und praktischen Unterricht beinhaltet sowie eine praktische Ausbildung (Ausbildungspraktikum). Abgeschlossen wird sie mit einer Prüfung. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit eines Studiums. „In der Ausbildung lernt man zunächst das Grundwerkzeug.“ In der Praxis und durch Weiterbildungen lässt sich dieses Grundwerkzeug mit neuen Therapieformen und Erkenntnisse aus der Medizin erweitern, so Beck. „Für Praxisinhaber und -leiter sind derartige Weiterbildungen Pflicht, für Angestellte nicht.“ Er selbst sei dadurch überhaupt im neurologischen Bereich gelandet.
„Die Neurologie ist innerhalb der Logopädie ein ungeliebtes Feld.“ Das, so Beck, liege jedoch auch daran, dass es generell zu wenige Logopäden gebe und von diesen hat sich nur ein kleiner Teil auf neurologische Erkrankungen spezialisiert. Der Bedarf an Fachkräften sei jedoch da, egal in welchem Bereich.
Der 25-Jährige bekommt den Fachkräftemangel zu spüren. Er benötigt schön länger zusätzliche Unterstützung in seiner Praxis. Derzeit hat er eine Mitarbeiterin. „Ich bekomme nicht einmal Bewerbungen.“ Das gilt auch für Ausbildungspraktika. „Seit 2020 habe ich meine Praxis und ich hatte jetzt meine erste Bewerbung für ein Ausbildungspraktikum erhalten.“ Dabei sei er froh, Auszubildende vor Ort zu haben. „Das ist immer bereichernd.“ Denn auch durch sie erfährt Beck von neuen Therapieformen.

Woran liegt der Fachkräftemangel?

Es hat viele Gründe. Die Bezahlung, so Beck, könne es nicht sein, der Bekanntheitsgrad schon. Zudem gebe es wenige Ausbildungsstätten: „Die nächsten beiden sind in Tübingen, dann gibt es am Bodensee drei Stück und in Stuttgart noch Schulen. Die sind allerdings relativ weit weg“, sagt Beck über Azubis aus dem Zollernalbkreis. Hinzukommt, dass die Ausbildung außerhalb von staatlichen Schulen zunächst selbst finanziert werden muss. Die Plätze an den staatlichen Schulen hingegen sind rar.
Bei den Praxen zeigt sich der Bedarf: Zwar gebe es im Ballungsgebiet zwischen Tübingen und Hechingen relativ viele Praxen, doch die haben teils lange Wartelisten. „Ich habe Wartezeiten von bis zu einem Jahr.“

Patrick Beck wirbt für den Beruf

So wirbt er weiterhin für seinen Beruf und hofft auf mehr junge Menschen, die sich entscheiden, Logopäde zu werden. Die Vorteile liegen für ihn auf der Hand: Patrick Beck lernt dank seines Berufs ganz unterschiedliche Menschen, jeden Alters, jeder Berufsgruppe, jeder Überzeugung und mit diversen Erkrankungen kennen. „In meiner Praxis sind wir sehr familiär miteinander.“ Zudem zeigt sich bei vielen Patienten schnell eine Verbesserung.

Jüngster Logopäde Deutschlands

Patrick Beck schloss seine Ausbildung zum staatlich anerkannten Logopäden an der Medizinischen Akademie in Tübingen 2017 ab. Der damals 20-Jährige wurde damit Deutschlands jüngster Logopäde. Von 2017 bis 2020 war er in der logopädischen Praxis Koch in Spaichingen. Zudem hat er in der Praxis von Sabine Klante-Allweier und in der Acura Klinik in Albstadt sein Wissen ausgebaut. Seit 2020 hat er eine eigene Praxis in der Marktstraße in Albstadt und ist zudem Dozent im Bereich Dysphagie (Schluckstörung).