Einkaufen in Albstadt und Balingen: Inflation, teurer Strom: Wie Händler die Krise meistern

Corona hat die Einkaufsgewohnheiten verändert. Händler vor Ort müssen kämpfen, um gegen die Online-Konkurrenz zu bestehen.
ZakEs wirkt fast so, als wäre nie etwas gewesen: Menschen schlendern durch die Fußgängerzonen von Balingen und Ebingen, halten Tüten in den Händen, bleiben vor den Schaufenstern stehen, gucken sich um. Manche sind in Kauflaune, wollen Weihnachtsgeld ausgeben. Hier ein Paar neue Schuhe, dort eine neue Halskette.
Es gibt sie noch: die Shopping-Lust in den Innenstädten – trotz Inflation, Ukraine-Krieg und Energiekrise. „Ich bin mit dem Dezember-Umsatz echt zufrieden. Er war auf Vor-Pandemie-Niveau“, resümiert Buni Gut, Chefin des Modehauses Postsattler in Ebingen.
Nach zweimal Weihnachten im Corona-Modus habe sie die Erleichterung bei der Kundschaft gespürt: „Es gab viele, die sich mal wieder etwas gönnen wollten. Trotz oder gerade wegen der schlechten Nachrichten.“
Mit dem Frühjahresgeschäft steht nun die nächste Herausforderung an. Was die Zukunft angeht, so Gut, werde es für die Händler in der Stadt nicht leichter. Ein Ende der Krise ist bekanntlich nicht in Sicht. Hinzu kommen bekannte Probleme: Online-Konkurrenz, rückgängige Frequenzen, teurere Ware. Da seien neue Impulse gefragt.
So veranstaltet Gut, die das Geschäft mit ihrer Tochter betreibt, Live-Shopping-Events auf Instagram: Im Video-Format präsentieren sie Outfits und die Kundinnen schreiben, wenn sie etwas kaufen möchten. „Es geht darum, mit der Zeit zu gehen und auch online was zu bieten“, betont die Unternehmerin.
Seitens der IHK Reutlingen, die für den Zollernalbkreis zuständig ist, spricht der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Christoph Heise von einem krisengeprägten 2022. So werde es 2023 wohl erst einmal weitergehen. Die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage zeigt, dass 49 von 100 befragten Händlern in diesem Jahr mit schlechteren Geschäften rechnen. 41 haben „gleichbleibend“ angegeben.
Gartenschau als Publikumsmagnet
Corona habe die Gewohnheiten der Leute nachhaltig verändert, sagt Heise. Das Online-Shopping boome. Die Akteure in den Innenstädten müssten sich nun umso mehr ins Zeug legen, um Kunden zurückzugewinnen – mit attraktiven Angeboten, Aufenthaltsqualität und einem gelungenen Zusammenspiel von Handel und Gastronomie.
In Balingen sieht Heise viel Potenzial. Das zeige auch das IHK-Ranking, bei dem 66 Gemeinden in der Region hinsichtlich ihrer Anziehungskraft verglichen wurden. Metzingen liegt – vor allem dank der Outlet-City – auf Rang eins, den dritten Platz belegt Balingen. „Das kostenfreie Parken kommt gut an. Außerdem wird die Gartenschau dieses Jahr ein Publikumsmagnet“, sagt Heise.
Das Ranking bescheinigt auch Albstadt eine gesteigerte Attraktivität als Handelsstandort. Rang sieben könne sich sehen lassen, betont Heise. Für die Entwicklung der Innenstadt hat der Bund bekanntlich knapp drei Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Mit dem Geld soll vor Ort auch in mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität investiert werden.
Den Stammkunden dankbar
Mit „Schrillem“ und „Skurrilem“ wirbt der Balinger Geschenkeladen Froschkönig. Von bunten Schneekugeln bis hin zu flauschigen Stofftieren gibt es hier viel Außergewöhnliches. Es ist eine Nische, die Betreiberin Marianne Alber besetzt hat – und das nach wie vor erfolgreich.
Einen Online-Shop brauche sie nicht: „Die Leute wollen in den Laden kommen, gucken und die Sachen anfassen.“ Das Konzept funktioniere dank Stammkundschaft und Mundpropaganda.
Die Stimmung bei den Kunden nimmt Alber als „gemischt“ wahr. Krieg und Inflation schlage einigen aufs Gemüt, man spüre eine gewisse Zukunftsangst. Trotzdem gebe es auch immer wieder positive Gespräche im Laden. Besonders freut sich Alber darüber, dass sie das Branchenproblem Personalmangel nicht trifft: „Mit fünf Teilzeitkräften sind wir richtig gut aufgestellt – für Gegenwart und Zukunft.“
Kammer wirbt für Sichtbarkeit im Netz
Einkaufen Im Zuge der Digitalisierung bieten zahlreiche Innenstadt-Händler ihre Ware nun auch im Internet an. Christoph Heise, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Reutlingen, lobt die Online-Auftritte vieler Geschäfte. Ein neues Must-have sei ein Internet-Shop allerdings nicht. Jeder Händler müsse Für und Wider abwägen. Was Heise in jedem Fall empfiehlt, ist, eine Online-Visitenkarte zu hinterlegen – mit Angeboten und Öffnungszeiten.
