Bundessieger bei der Firma Gühring ausgebildet
: Bester Präzisionswerkzeugmechaniker Deutschlands

Er hat bei den German Craft Skills den Sieg geholt und darf sich in diesem Jahr bester Azubi als Präzisionswerkzeugmechaniker nennen.
Von
Vera Bender
Ebingen
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  • Bei der Firma Gühring in Albstadt wurde Patrick Straub zum besten Präzisionswerkzeugmechaniker Deutschlands ausgebildet. Sein Ausbilder Stefan Schairer (rechts) hat im Jahr 2008 selbst diese Ausbildung bei Gühring begonnen und als erster den Preis gewonnen.⇥

    Bei der Firma Gühring in Albstadt wurde Patrick Straub zum besten Präzisionswerkzeugmechaniker Deutschlands ausgebildet. Sein Ausbilder Stefan Schairer (rechts) hat im Jahr 2008 selbst diese Ausbildung bei Gühring begonnen und als erster den Preis gewonnen.⇥

    Vera Bender
  • Bei der Siegerehrung in Berlin.⇥⇥

    Bei der Siegerehrung in Berlin.⇥⇥

    Firma Gühring
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Dieser Weg war Patrick Straub nicht vorbestimmt. Doch er ist – über ein paar Kurven – dort angekommen, wo er offensichtlich hingehört. Ein Beleg dafür ist die Urkunde, die inzwischen bei der Firma Gühring in Ebingen an der Wand prangt und sich in die Gruppe Ebenbürtiger einreiht.

Schlechtes Abschneiden bei Pisa-Studie

Es ist wenige Tage her, da kam der junge Trochtelfinger strahlend aus Berlin zurück. Als frisch gebackener Bundessieger im Ausbildungsberuf Präzisionswerkzeugmechaniker. Begleitet haben ihn zur Preisverleihung Günter Hartmann, der im Gühring-Konzern für die technischen Ausbildungen zuständig ist, sowie sein direkter Ausbilder Stefan Schairer, der selbst vor ein paar Jahren diese hohe Auszeichnung erhielt.

„Bester Präzisionswerkzeugmechaniker-Auszubildender Deutschlands“ ist etwas, auf das man stolz sein kann. Dabei hat der 26-Jährige zunächst Fensterbauer gelernt. „Damals hatte ich die Bohrer in der Hand“, lacht der junge Mann. Heute stellt er diese Bohrer und andere Werkzeuge selbst her. Sein erster erlernter Beruf hat Patrick Straub nicht genug gefordert. Deshalb bewarb er sich bei der Firma Gühring als Industriemechaniker. Es war Ausbildungsleiter Günter Hartmann, der Straubs Potential gleich erkannte. Zumal der Bewerber etwas älter war als die anderen. Viele junge Leute können sich unter Präzisionswerkzeugmechaniker nicht viel vorstellen und ihre Eltern auch nicht, verdeutlicht Hartmann, weshalb es für diesen Beruf so wenig Bewerbungen gibt. Während Industriemechaniker in Balingen die Berufsschule besuchen, müssen die Präzisionswerkzeugmechaniker beim Blockunterricht ab dem zweiten Lehrjahr immer wieder für mehrere Wochen nach Bad Neustadt und die Entfernung von etwa 340 Kilometer in Kauf nehmen. „Hier ist eine gewisse Selbstständigkeit vonnöten und die Ausbildung ist deshalb anspruchsvoller“, weiß Hartmann.

Berufsbild kaum bekannt

Patrick Straub hat sich auf die Einschätzung des erfahrenen Ausbildungsleiters verlassen und den vorgeschlagenen Weg eingeschlagen. Denn später kann man nicht mehr so einfach zwischen den Ausbildungsberufen wechseln. Heute kann Straub nicht nur Bohrer fertigen. Es geht darum, für verschiedene Hersteller oder beispielsweise Autobauer genau das Werkzeug zu fertigen, welches für die Produktion eines bestimmten Produktes benötigt wird. Und dabei geht es eben um Präzision im Mikrometer-Bereich.

Experten werden überall gesucht

Dies ist gleichzeitig auch die Faszination für Patrick Straub an seinem Beruf. Was sein direkter Ausbilder Stefan Schairer durchaus nachvollziehen kann. Er war im Jahr 2008 der erste Auszubildende bei Gühring in diesem Berufszweig, der damals noch Schneidwerkzeugmechaniker hieß. Und auch er hat die Deutsche Meisterschaft im Handwerk gewonnen. Seither bildet der Konzern jedes Jahr zwei bis drei Präzisionswerkzeugmechaniker aus. Es ist ein Beruf mit Zukunft. Solche Experten werden heute mehr denn je gesucht. „Man hat die Chance, aus der Masse herauszustechen“, so Schairer. Und Straub ergänzt: „Es war die richtige Entscheidung. Ich bereue nichts.“

Eine Meisterschaft nach der anderen

Die Teilnahme an den Meisterschaften ist freiwillig. Zunächst gilt es, ein Werkstück anzufertigen. Dafür hat man eine Woche Zeit. Der Rohling wird gedreht und gefräst, Zeichnungen und Dokumentationen sowie ein Programm müssen erstellt werden. Vor Ort gilt es bei den Prüfungen dann nochmals nachzuschleifen und verschiedene Kriterien zu berücksichtigen. Hinzu kommt eine Theorieprüfung. Das alles dauert nochmals zehn Stunden. Als Voraussetzung muss man einen Zeugnisschnitt von mindestens 2,5 haben, um überhaupt für die „German Craft Skills“ zugelassen zu werden. Nach dem Landessieg hat sich Straub dann noch den Bundessieg geholt.

Der Weg wird hier sicher noch nicht zu Ende sein. Schließlich kann Patrick Straub noch den Meister oder Techniker draufsetzen – wie es sein 36-jähriger Ausbilder Schairer gemacht hat. Und sein Ausbildungsbetrieb würde ihn natürlich gerne behalten.

Ausbildung in einem Beruf mit Zukunft

Die Berufsschule für angehende Präzisionswerkzeugmechaniker ist in Bad Neustadt an der Saale im Bundesland Bayern. Hier werden jährlich 60 bis 90 Auszubildende aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz geschult.

Die Firma Gühring, einer der weltweit führenden Hersteller von Präzisionswerkzeugen für die Metallzerspanung mit über 8000 Mitarbeitern an über 70 Produktionsstandorten in 48 Ländern bildet jährlich zwei bis drei Präzisionswerkzeugmechaniker aus, für die es nach der Lehre eine hundertprozentige Übernahmegarantie und Aufstiegsmöglichkeiten gibt.