Es war ein Schock für viele Besucher des Badkaps in Albstadt: Im Sommer vergangenen Jahres erhöhte das Erlebnisbad seine Preise um zehn Euro pro Eintrittskarte. Als Grund nannte die Betreiberfirma „g1“ die gestiegenen Energiepreise. Mittlerweile liegt der Energiezuschlag, wie er vonseiten des Badkaps bezeichnet wird, bei 1,90 Euro pro Gast. Das hat mehrere Gründe, erklärt Geschäftsführer Marcus Eichstädt.
Bislang hat das Erlebnisbad zwei Blockheizkraftwerke (BHKW), die mit Gas laufen. „Diese derzeit zu betreiben, macht keinen Spaß“, findet Eichstädt klare Worte. Das ist allerdings nun schon seit gut einem Jahr so. Während das Unternehmen im Dezember 2021 noch zwischen 50 000 und 60 000 Euro für Gas ausgegeben hat, musste es im gleichen Zeitraum 2021 etwa 250 000 Euro in die Hand nehmen. „Das war noch nicht einmal die Spitze.“ Die gab es im August 2022, als eine Kilowattstunde Gas 33 Cent kostete. Zum Vergleich: Vor Corona zahlte „g1“ nur zwei Cent pro Kilowattstunde Gas.

Badkap reduziert Gasverbrauch

Um den Gasverbrauch zu reduzieren und sich unabhängiger zu machen, entschied sich das Unternehmen dazu, eine Photovoltaikanlage (PV-Anlage) auf dem Dach des Badkaps zu installieren. Im April wurde die Anlage bestellt, doch auf die Wechselrichter musste das Badkap etwa ein halbes Jahr warten. Seit Dezember ist die Anlage inzwischen in Betrieb und hat bislang mehr als 7000 Kilowattstunden Strom produziert, die fast ausschließlich im eigenen Haus benötigt werden. „Die Sonne steht noch relativ tief. Das ist nicht die Ausbeute, die wir im Sommer haben werden“, so Eichstädts Prognosen.
Die PV-Anlage war die logische Schlussfolgerung, um den Gasverbrauch mit teils 16-fach höheren Preisen zu reduzieren. Allerdings generiert diese Anlage nur Strom. Um zu heizen, investiert das Badkap erneut: Noch in diesem Jahr wird eine Hackschnitzelanlage gebaut. „Das ist der zweite Schritt, mit dem wir uns vom Gas wegbewegen, hin zu erneuerbaren Energien.“ Der Geschäftsführer über den Zeitplan: „Wir erwarten, dass wir die Genehmigung zum Bau in den nächsten zwei Wochen haben werden.“ Dann soll es so schnell als möglich vorangehen.

Neue Hackschnitzelanlage

Zwei Container werden aufgestellt, die müssen mit dem vorhandenen Heizungssystem verbunden werden und dann kann die Hackschnitzelanlage loslegen. „Wir gehen davon aus, dass alles bis zum Sommer steht, dass der Badegast das Freibad ohne Baustelle genießen kann.“ Das liegt auch daran, dass die notwendigen Container bereits bestellt worden und auf Abruf sind. Damit reagierte das Badkap auf die verzögerten Lieferzeiten, so Eichstädt. „Die Lieferzeit betrug auch hier ein halbes Jahr.“
Zudem wird eine Lagerhalle für die Hackschnitzel gebaut. Diese wird, wie das Badkap selbst, mit PV-Anlagen versehen. „Dazu sind wir laut Landebauverordnung verpflichtet.“
Ganz auf Gas verzichten kann das Badkap nach Fertigstellung der Hackschnitzelanlage nicht, allerdings werde der Verbrauch um 50 Prozent reduziert, sagt der Geschäftsführer.

Eintritts- und Gaspreise

Bis dahin reagiert das Badkap flexibel auf den Markt und die Gaspreise, so Eichstädt zu den Eintrittspreisen. Denn das Bad hat mit den Albstadtwerken, von denen sie Gas beziehen, keinen Festpreis abgeschlossen. Als Anfang 2021 ein neuer Vertrag verhandelt wurde, wollte das Unternehmen möglichst flexibel auf die sich ständig ändernden Corona-Verordnungen reagieren. Darf das Bad nicht öffnen, benötigt es auch deutlich weniger Gas. Man einigte sich, keinen Zwei-Jahresvertrag wie bisher abzuschließen, sondern die bestellte Menge zu den aktuellen Konditionen zu bezahlen.
„Dieser Vertrag lief Ende vergangenes Jahr aus. Wir hätten dann einen Zwei-Jahresvertrag mit etwa 17 Cent pro Kilowattstunde abschließen können.“ Doch das Unternehmen entschied sich dagegen und erneut für die individuelle Lösung. Ende dieses Jahres wird es neue Verhandlungen geben.
Sollten die Energiekosten also erneut explodieren, werde auch die Energiepauschale dementsprechend angepasst. „Wenn die Preise allerdings wieder dauerhaft heruntergehen, schaffen wir diese Energiepauschale wieder ab“, sagt der Geschäftsführer hoffnungsvoll.

Einführung der Energiepauschale

Doch die Einführung der Energiepauschale stieß nicht bei allen Besuchern auf Verständnis. Das zeigte sich vor allem in den Sozialen Medien, die in solchen Fällen gerne als Kritikplattform genutzt werden. „Wir haben nichts davon gehalten, unsere Beckentemperaturen zu senken, was viele unsere Mitbewerber gemacht haben.“ Der Gast möchte ins Badkap, um sich wohlzufühlen. Bei nur 24 Grad im Wellenbad zu schwimmen – „das macht keinen Spaß.“ Das Bad wählte stattdessen die Preisanpassung.
„Der höchste Stand beim Gaspreis war im August, da haben wir ebenfalls einen wirklich hohen Preis verlangen müssen.“ Etwa vier bis fünf Wochen lang lag die Energiepauschale bei zehn Euro. Im September und Oktober ist der Gaspreis jedoch wieder stark gesunken. Ende Oktober, Anfang November war er stellenweise wieder auf dem Niveau vor dem Krieg – nämlich bei drei Cent. „Da war er aber nur zwei Wochen. Er schwankt halt brutal.“ Momentan können keine zwei Wochen prognostiziert werden, so Eichstädt.
Die Erhöhung der Eintrittspreise war allerdings eine der letzten Anpassungen infolge der gestiegenen Kosten. Im Badkap wurde zuvor beispielsweise in die Wärmerückgewinnung investiert. Diese entzieht dem Wasser, das für das Reinigen der Filter genutzt wird, die Wärme und erwärmt damit das frische Wasser. Zudem wurden zahlreiche Bewegungsmelder und LED-Lampen installiert. „Den Außen-Kinderbereich haben wir mit einer Solaranlage verbunden, die das Beckenwasser erwärmt. Wir haben also einiges gemacht, um die Energiekosten zu senken.“ Zusätzlich sollen allmählich die teils 20 Jahre alten Lüftungsanlagen ausgetauscht werden. „Durch diese Investitionen können wir den besten Energiemix für unser Bad ermöglichen.“ Auf einen Energieträger könne sich das Unternehmen nicht mehr verlassen.

3000 Gäste mehr als im Vorjahr

Wie viel die bereits getätigten Maßnahmen jedoch gebracht haben, sei nicht bekannt, so Eichstädt. Zum einen arbeiten die Techniker derzeit noch tagtäglich an derartigen Verbesserungen und zum anderen hänge es auch vom Wetter ab. „Im Dezember 2021 war es kalt und dieses Jahr konnte man fast mit T-Shirt hinausgehen.“ Dementsprechend wurde weniger geheizt.
Das Albstädter Badkap steht gut da, fasst es Marcus Eichstädt jedoch zusammen. Das liege unter anderem an der Rückendeckung der „g1“-Bädergruppe, als auch an den steigenden Besucherzahlen: „Über die Weihnachtsferien hatten wir 3000 Gäste mehr als noch zum Vorjahr.“ Die Menschen kommen immer mehr in den normalen Modus zurück, so Eichstädt, und der Schnee als Konkurrenz blieb diesen Winter bislang weitestgehend aus.