Eine Abkühlung im Sommer – für viele Familien ist der Besuch des Freizeitbads „Badkap“ in Albstadt ein beliebtes Ausflugsziel. Mit zahlreichen bunten Attraktionen und Schwimmkursen hat das Bad ein dementsprechendes Angebot für Familien. Doch was, wenn ein solcher Ausflug zur Tragödie wird? Das ist einer Familie am 23. Juni vergangenes Jahr passiert.
Gegen 17 Uhr bemerkte ein Badegast ein Kind am Boden eines der Albstädter Schwimmbecken. Es trieb leblos am Boden, teilte die Polizei damals mit. Der Badegast reagierte, holte das Kind schließlich aus dem Wasser. Nur fünf Jahre alt war das Kind. Es musste von einem Rettungsschwimmer, Ersthelfern und einer zufällig anwesenden Kinderärztin reanimiert werden. Der Zustand: lebensbedrohlich. So wurde das fünfjährige Mädchen mit einem Rettungshubschrauber in die Tübinger Klinik eingeliefert.

Polizeiliche Ermittlungen abgeschlossen

Nur einen Tag später musste die Polizei die traurige Nachricht veröffentlichen: Das fünfjährige Mädchen war nach dem tragischen Badeunfall gestorben. Die Kriminalpolizei bat um Zeugenhinweise und nahm die Ermittlungen zum Unglückshergang auf. „Die polizeilichen Ermittlungen sind abgeschlossen und die Ergebnisse wurden der Staatsanwaltschaft übergeben“, sagt Lutz Jaksche, Pressesprecher der Polizei. Die Staatsanwaltschaft prüft die Ergebnisse und leitet, wenn nötig, ein Verfahren ein.
Die Staatsanwaltschaft Hechingen teilte kürzlich mit, dass sie Anklage gegen eine 25-jährige Frau wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung erhebt. „Der Frau wird vorgeworfen, am 23. Juni 2022 mit ihren drei Kindern ein Freizeitbad in Albstadt besucht und dabei ihre elterliche Aufsichts- und Fürsorgepflicht verletzt zu haben, indem sie insbesondere ihre fünfjährige Tochter, die nicht schwimmen konnte, unbeaufsichtigt und ohne Schwimmhilfe in einem 1,25 Meter tiefen Becken zurückließ“, teilt die Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung mit.

Unbeaufsichtigt gespielt

Die mögliche Verletzung der Fürsorge hatte schreckliche Folgen. Das Mädchen soll durch das unbeaufsichtigte Spiel mit Taucherbrille und Schnorchel mit dem Kopf unter Wasser geraten sein. Infolgedessen verlor die Fünfjährige das Bewusstsein und sank zu Boden. Nur wenige Minuten soll sie so leblos am Boden getrieben haben, bis eine Besucherin sie entdeckte und aus dem Wasser zog. „Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen und eine anschließende intensivmedizinische Behandlung konnte das Mädchen nicht gerettet werden“, wie es in der Anklageschrift heißt.
Wird die Mutter verurteilt, drohen ihr entweder eine Geldstrafe von bis zu 360 Tagessätzen oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren, sagt Ronny Stengel, Sprecher der Hechinger Staatsanwaltschaft auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE. Wie hoch die Strafe ausfallen wird, und ob die Mutter ihre Aufsichtspflicht wirklich vernachlässigt hat, wird das Amtsgericht Albstadt entscheiden müssen. So oder so wird die Familie ihr Leben lang mit dem schrecklichen Unfalltod des fünfjährigen Mädchens leben müssen.

Nur wenige Minuten reichen aus

Geraten Menschen unter Wasser, tritt zunächst der Tauchreflex ein. Hierbei steht die Atmung still, der Herzschlag verlangsamt sich, um den Sauerstoffverbrauch zu senken. Untrainierte Menschen überleben so nur für wenige Minuten. Bei Kindern reichen etwa zwei Minuten unter Wasser, bis sie das Bewusstsein verlieren. Nach drei Minuten führt der Sauerstoffmangel in den meisten Fällen zu Gehirnschäden.
Doch selbst wenn Kinder nur kurz unter Wasser sind, kann das lebensgefährlich sein. Tritt Wasser in die Lunge, kann es zum sogenannten sekundären Ertrinken kommen. Gefährlich ist dieses Phänomen besonders deswegen, weil noch bis zu 24 Stunden nach dem „Beinahe-Ertrinken“ Symptome wie Entzündungen, Schwellungen und Lungenschäden entstehen können, die im schlimmsten Fall zum Tod führen können.