In etwa vier Wochen könnte in der Sigmundstraße in Ebingen ein großes Loch klaffen. Denn je nach Witterung ist der Abriss der maroden Schloßberg-Turnhalle bis Mitte Februar abgeschlossen, teilt die Stadt Albstadt auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE mit. Schon vor Weihnachten wurde die Halle entkernt. Mittlerweile sind zwei Drittel der Halle abgerissen, die Nebenräume bis auf wenige Stützen ebenfalls. Die Wände in Richtung Norden stehen noch und die Bodenplatte ist noch drin. Doch auch hier wird es nicht mehr lange dauern.

Abbruch der Schloßberg-Turnhalle schreitet voran

Mit dem Abbruch allein ist es nicht getan. Das Abbruchmaterial muss im Labor analysiert werden, erklärt Bauamtsleiter Bernd Michael Abt. Dabei werden die Materialgüte und die Inhaltsstoffe festgestellt, um so eine sichere und richtige Entsorgung zu gewährleisten. Eine derartige Laboranalyse dauert zwei bis drei Wochen. Erst danach wird das Grundstück mit einer Schotterfläche versehen und dient so als provisorischer Parkplatz. Derzeit geht die Stadt von Kosten in Höhe von 122 000 Euro aus.

Erhebliche Mängel

Grund für den Abriss und die vorangegangene Schließung waren erhebliche standsicherheitsrelevante und technische Mängel. „Es gab keine andere Möglichkeit“, sagt Udo Hollauer, „sie zu erhalten und zu sanieren, wäre unmöglich gewesen, weil sie in einem desolaten Zustand war“, so der Erste Bürgermeister.
Die Halle wurde aber unter anderem für den Schul- und Vereinssport genutzt. Die Nutzer sind auf die sonstigen städtischen Sporthallen sowie die Kreissporthalle verlegt worden. Keine Dauerlösung, ein Ersatz für die Schloßberhalle ist unabdingbar. Das sieht auch der Albstädter Gemeinderat so. Bis zum Bau einer neuen geeigneten Sporthalle am Areal Schloßberg entschied sich das Gremium bereits Ende September für eine Interimslösung am Albstadion. „Der Bauantrag ist eingereicht und die Werk- und Produktionsplanungen laufen“, so Abt zum aktuellen Stand. Bis Herbst dieses Jahres soll das Provisorium stehen.

Kosten: 4,6 Millionen Euro

Zunächst war eine Traglufthalle geplant. Kostenpunkt: drei Millionen Euro. Allerdings benötigt diese Traglufthalle ein Gebläse. Das bedingt enorme Stromkosten. Damit erhöhen sich die Kosten auf etwa 4,9 Millionen Euro, so Hollauer. Da allerdings die Strompreise aufgrund des Krieges nicht mehr zu prognostizieren sind, entschied sich die Stadt für eine Stahlhalle, die etwa 4,6 Millionen Euro kostet. Die ist dann auch für mehr als die angedachten vier bis fünf Jahre ausgelegt.
Parallel laufen die Planungen eines Wettbewerbs für den Neubau zwischen der Real- und Hohenbergschule. Dort allerdings steht die Ebinger Festhalle. Diese hätte abgerissen werden sollen, doch das zugehörige Hallenkonzept 2035+ wird in diesem Jahr neu beraten – und die jeweiligen Planungen für die Hallen der Stadt basieren aufeinander.
Wie also beeinflusst die nun verschobene Hallenkonzeption die Arbeiten an der Schloßberg-Halle und der Interimslösung? Gar nicht, sagt Bernd Michael Abt. Sowohl der Abbruch der Schloßberg-Halle als auch der Neubau sind beschlossen und laufen plangemäß, so der Bauamtsleiter.
Im vom Gemeinderat beschlossenen Hallenkonzept war beispielsweise auch die Ebinger Festhalle und das Theater Thalia thematisiert worden. Beide sollten abgerissen werden und als Ersatz war eine neue Kulturhalle geplant. Interimsweise war die Zollern-Alb-Halle angedacht. Doch ein Bürgerbegehren gründete sich, um das Thalia zu retten (siehe Infokasten). Das verunsicherte Mitglieder des Gemeinderats, weswegen das Hallenkonzept erneut diskutiert werden soll.
„Schon als ich angefangen habe, hieß es, wir können die Festhalle nicht mehr nutzen“, sagt Oberbürgermeister Klaus Konzelmann, „wir brauchen aber eine Kulturhalle.“ Die Festhalle stammt noch aus dem 18. Jahrhundert, wurde immer wieder renoviert. „Sie ist zu klein und hat eine schlechte Infrastruktur. Wir brauchen eine gescheite Kulturhalle.“

Suche nach Grundstück

Bereits zweimal lehnte der Gemeinderat ein passendes, innenstadtnahes Grundstück ab, so Konzelmann. Mittlerweile hat ein Investor die Chance genutzt und würde das Grundstück nur für einen Millionen-Preis wieder hergeben. Doch die Stadt hat bereits eine neue Fläche gefunden, allerdings nicht so innenstadtnah, ergänzt der OB.
Ein Kriterium ist die Größe: „Wir brauchen Platz für eine Kulturhalle für mindestens 800 bis 1000 Menschen.“ Konkurrenz für Balingen soll es jedoch nicht werden. Aber der Bedarf auch vonseiten von Veranstaltern sei da.
Eine neue Kulturhalle, so Konzelmann, sei ein Projekt für seinen Nachfolger. Er glaubt, dass sich Albstadt eine neue Kulturhalle leisten könne, trotz 30 Millionen Euro Schulden, die weiter verringert werden sollen. Grund dafür seien die Gewerbesteuereinnahmen, die sich langsam, aber sicher erholen. Wann die Stadt ein derartiges Großprojekt jedoch angehen kann, ist die Frage: Oberbürgermeister Klaus Konzelmann glaubt, in den nächsten zehn Jahren stehe die neue Kulturhalle.

Theater um Thalia

Im Juli vergangenen Jahres hatte der Gemeinderat Albstadt mit der Hallenkonzeption 2035+ beschlossen, das städtische Theater Thalia in Tailfingen abzureißen. Auch hier gibt es „eklatante bauliche Mängel“. Doch Ende Oktober reichten Lara Herter und Markus Ringle, der sich mittlerweile um den Posten des Oberbürgermeisters bemüht, ein Bürgerbegehren ein. Demnach forderten sie einen Bürgerentscheid, um das Thalia zu retten.
Allerdings wurde das Begehren abgelehnt. Letztlich fehlten die nötigen Unterschriften. Für ein Bürgerbegehren müssen mindestens 2466 Unterschriften von wahlberechtigten Albstädter Bürgern eingereicht werden. Herter und Ringle verfehlten dieses Ziel mit 1948 Unterschriften.
Trotzdem möchte der Gemeinderat die Hallenkonzeption erneut besprechen. Das stößt jedoch auf wenig Verständnis vonseiten des Oberbürgermeisters Klaus Konzelmann. „Der Gemeinderat wurde so schalu gemacht, dass wir letztendlich alles wieder neu aufsetzen und neu beraten.“ Rechtlich gesehen darf ein Gemeinderatsbeschluss erst nach einem halben Jahr revidiert oder neu beraten werden, erklärt der Oberbürgermeister. „Wenn etwas entschieden wurde, dann arbeitet die Verwaltung nach dieser Entscheidung. Wenn in einem halben Jahr diese revidiert wird, dann ist die bisherige Arbeit der Verwaltung für die Katz.“ Das finde er nicht richtig.