Die Stadt steht gut da. In den letzten fünf Jahren haben wir fast zehn Millionen Euro Schulden abgebaut“, sagt Oberbürgermeister Klaus Konzelmann. Innerhalb der vergangenen 14 Jahre sei es gelungen, die Schulden der Stadt von 60 Millionen auf teils unter 30 Millionen zu reduzieren. Trotz Sparzwang sei Konzelmann wichtig gewesen, dass die Stadt in die Jugend, die Bildung und Betreuung investiert. Das sei Albstadt auch gelungen, sagt der Truchtelfinger.
Trotzdem hat sich der Oberbürgermeister vor etwa einem Jahr dazu entschieden, sich für die Wahl am 5. März nicht wieder aufstellen zu lassen. Am 31. Mai hat er seinen letzten Arbeitstag. „Ich habe jetzt noch etwa 140 Arbeitstage abzüglich meines Urlaubs, und ich bereue die Entscheidung nicht.“

Klaus Konzelmann tritt kein zweites Mal an

Als er 2022 60 Jahre alt wurde, habe er im Familienkreis mit seinen Kindern und seiner Frau über eine mögliche zweite Kandidatur gesprochen. „Im Herbst wären es 42 Jahre, die ich im öffentlichen Dienst bin. Ich denke, nach 42 Jahren kann man sich tatsächlich überlegen, ob man aufhört oder nicht.“
Ein ausschlaggebender Punkt sei die Dauer einer weiteren Amtszeit gewesen. Diese beträgt bei Oberbürgermeistern sowie Bürgermeistern acht Jahre. Hätte sich Konzelmann aufstellen lassen und wäre gewählt worden, hätte er bis 69, arbeiten müssen. „Ich gebe ganz ehrlich zu, bis 69 möchte ich nicht arbeiten.“ Doch das Amt nach vier oder fünf Jahren niederlegen und somit eine Neuwahl zu verursachen, hält er ebenfalls nicht für die richtige Entscheidung.
Möglich, dass sich Konzelmann diesbezüglich hätte umentscheiden können, wäre da nicht noch ein weitaus schwerwiegender Grund: „Vor einem Jahr wurden meine Familie und ich massiv von einem Reichsbürger bedroht.“ Der Grund sei die Unzufriedenheit des Reichsbürgers über die Corona-Maßnahmen gewesen, die Albstadt von der Bundesregierung auferlegt worden sind. Selbst vor dem Familienheim machte der Bürger nicht halt. „Die Bedrohung hat meine Familie sehr belastet.“
Klaus Konzelmann stellte eine Strafanzeige und ein Annäherungsverbot wurde ausgesprochen. „Kein Mensch muss so ein Verhalten akzeptieren.“ Der Mann erhielt zudem eine Geldstrafe. „Seither war nichts mehr“, sagt er erleichtert.

Bedroht und Beleidigt

Auf eine solche Erfahrung hätte der 60-Jährige gerne verzichtet. So auch auf die ein oder andere Begegnung mit einigen Bürgern, die statt konstruktiver Kritik Beleidigungen wählen. „Das muss ich mir nicht mehr antun.“ Er gibt offen zu, dass ihm solche Begegnungen früher weniger anhaben konnten. Mittlerweile hinterfrage er derartiges Verhalten ihm gegenüber mehr. „Wenn einem etwas nicht passt, kann man sich in einer normalen Diskussion auseinandersetzen.“ In einer Demokratie müsse jeder Einzelne jedoch auch mal Entscheidungen der Regierung, des Gemeinderats akzeptieren und danach leben, ist der Demokrat überzeugt.
Er sieht in diesem Punkt jedoch eine Veränderung in der Gesellschaft. Eine Diskussionskultur gibt es kaum noch, andere Meinungen werden teils nicht mehr akzeptiert. Das Ziel: das Gegenüber von der eigenen Meinung überzeugen. Im Gemeinderat, führt er ein Beispiel auf, gibt es Stadträte, die bereits getroffene Entscheidungen hinterfragen. „Ein wichtiges Kriterium von Demokratie ist die Akzeptanz von Mehrheitsentscheidungen“, erklärt der Oberbürgermeister.
Als Beispiel nennt er das Thalia Theater in Tailfingen. Eigentlich entschloss sich der Gemeinderat im Sommer vergangenen Jahres mehrheitlich dazu, das sanierungsbedürftige Theater abzureißen. Von eklatanten Mängeln war die Rede. Eine Sanierung würde 13 Millionen Euro kosten. Doch das Theater von 1953 fand in der Bürgerschaft Fürsprecher. Eine Bürgerinitiative mit Online-Petition gründete sich.

Theater um Thalia

Die Initiative erlangte zumindest einen Teilsieg: Zwar konnte der Gemeinderat aus formal-rechtlichen Gründen einem Bürgerentscheid nicht zustimmen, doch wird das Thalia erneut auf der Tagesordnung des Gremiums stehen. „Der Gemeinderat wurde so schalu gemacht, dass wir letztendlich alles wieder neu aufsetzen und neu beraten.“ Rechtlich gesehen darf ein Gemeinderatsbeschluss erst nach einem halben Jahr revidiert oder neu beraten werden, erklärt der Oberbürgermeister. „Wenn etwas entschieden wurde, dann arbeitet die Verwaltung nach dieser Entscheidung. Wenn in einem halben Jahr diese revidiert wird, dann ist die bisherige Arbeit der Verwaltung für die Katz.“ Das finde er nicht richtig und dafür habe er wenig Verständnis.
Vor allem während der Pandemie habe sich das Verhältnis der Bürgerschaft mit Verwaltungen vielerorts verschlechtert, glaubt er. „In den letzten zehn Jahren hat sich in unserer Gesellschaft ein Wertewandel vollzogen.“ Das liege auch an den Krisen, die sich in den vergangenen Jahren häuften. „Ich bin überzeugter Demokrat und ich glaube, dass sich unsere wehrhafte Demokratie durchsetzt.“ Das heißt nicht, dass diese Demokratie über aller Kritik erhaben ist. Die bürokratischen Hürden, die auferlegt werden, werden immer mehr. „Es wird immer komplizierter.“

Konzelmann wünscht sich mehr Zeit für die Familie

So sammelten sich jedoch die Gründe, die Konzelmann zur Entscheidung aufzuhören, führten. „Ich habe seit einem halben Jahr ein Enkele“, ergänzt er. „Ich freue mich auf mehr Zeit mit meiner Familie.“ Stand heute möchte Konzelmann daher nach seiner Amtszeit in den Ruhestand gehen und nicht etwa, wie es andere Amtsträger bereits vorgelebt haben, ein Beratungsbüro eröffnen. „Das ist zumindest der Plan“, sagt er mit einem Schmunzeln.
Er bleibe der Stadt als Bürger auf jeden Fall erhalten. Klaus Konzelmann lebt mit seiner Frau in Truchtelfingen. Sein Mandat im Kreistag wird er ebenfalls erfüllen. Erst im nächsten Jahr wird ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gewählt.
Neben der Zeit für seine Familie freut sich der 60-Jährige auch über Zeit für sein Hobby: das Jagen. „Ich bin leidenschaftlicher Jäger, war aber die vergangenen acht Jahre fast nie im Wald.“
Trotzdem, Konzelmann war gerne Oberbürgermeister und daran hat das Team im Rathaus einen großen Anteil, sagt er. „Ich habe unheimlich tolle Mitarbeiter und ich habe zu 99 Prozent gute Begegnungen gehabt.“ Er möchte sich deswegen nicht auf die ein Prozent schlechten Erfahrungen fokussieren.

Was sagt Konzelmann zu den Bewerbern der Oberbürgermeisterwahl?

So ist er hoffnungsvoll, dass Albstadt auch künftig gut aufgestellt sein wird. Als Vorsitzender des Wahlausschusses will er keine Prognosen zur Wahl abgeben. Ein Nachfolger könne sich auf ein gutes, fachlich versiertes Team verlassen, das dem neuen Rathauschef loyal sein wird, sowie ein gut bestelltes Haus und Stadt übernehmen, betont Konzelmann. „Ich hoffe, dass die Stadt Albstadt eine gute Wahl trifft.“
Als baldiger Mitbürger und nicht mehr Entscheidungsträger wünscht er sich für seine Stadt auch künftig ein gutes Mittelzentrum, dass Albstadt finanziell gut dastehen wird und auch langfristig Projekte umsetzen kann. „Ganz wichtig sind mir die Lautlinger Ortsumfahrung, ob ober- oder unterirdisch, und die Talgangbahn.“ Zudem setzt er große Hoffnungen in das Zukunftsprogramm Innenstadt.

Projekte, die Klaus Konzelmann mit angestoßen hat

Klaus Konzelmann nennt einige Beispiele von Projekten, die in seiner Amtszeit umgesetzt worden sind. Dazu gehört der Neubau der Hochschule in der Gartenstraße, die Sanierungen der Langenwand-Eyachquellgrundschule mit Sporthalle, der Turn- und Festhalle in Pfeffingen sowie der Schalksburgschule. In Tailfingen wurde eine komplett neue Mitte geschaffen. Das sei ein Projekt gewesen, das Konzelmann seine gesamte Amtszeit begleitete, und die Stadt mehr als 20 Millionen Euro kostete. Zudem nennt er die Neubauten einiger Kindergärten, wie die Kita Veilchenweg im Tailfinger Wohngebiet Langenwand, die kirchliche Kita Heusteigstraße, die Kita in Laufen und Ebingen.
Im Tourismusbereich kamen zu den bestehenden Traufgängen vier neue Bike-Trails dazu. „Wir sehen, dass der Tourismus zunimmt und, dass man in Fachkreisen auf uns aufmerksam geworden ist.“ Das Angebot soll weiter ausgebaut werden. Als Beispiel nennt Konzelmann „Traufgängerle für Kinder“ und Winterwanderwege.