Staatstheater Stuttgart: Hamlet, Meistersinger, getanzte Augen/Blicke

Als Uraufführung kommt im Mai 2026 die Oper „Station Paradiso“ heraus – Ulrike Theusner gestaltete die Plakate der Staatsoper Stuttgart.
Ulrike Theusner, Courtesy Galerie EIGEN + ART, Leipzig/Berlin- Staatstheater Stuttgart präsentiert 2025/26 große Stücke, darunter Hamlet und Station Paradiso.
- Schauspielintendant Kosminski thematisiert aktuelle Herausforderungen wie Klimawandel und Autokratie.
- Opernintendant Schoner zeigt Werke wie Turandot und Meistersinger von Nürnberg.
- Ballettintendant Detrich ehrt Choreograf Glen Tetley und bietet interdisziplinäre Tanzabende.
- Cornelius Meister verabschiedet sich als Generalmusikdirektor mit Mahler-Konzerten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Die Zeit ist aus den Fugen“ – aber das wusste schon Shakespeares Hamlet. Im 17. Jahrhundert war auch einiges faul, nicht nur im Staate Dänemark. Aber es geht jetzt um die Befragung der Gegenwart, und was Burkhard C. Kosminski im neuen Saisonbuch 2025/26 der Staatstheater Stuttgart so alles aufzählt, ist nicht schön: „Begriffe wie Freiheit oder Demokratie werden bis zur Unkenntlichkeit zurechtgebogen, der Rechtsstaat ist bedroht. Der Zerstörungswille autokratischer Politiker ist immens. Der Klimawandel schreitet ungebremst voran.“ Und so fort. Die relevante Frage für einen Schauspielintendanten: „Was kann das Theater, was soll Kunst in diesen Zeiten sein?“
Mit den Geistern der Vergangenheit allein will sich Kosminski nicht auseinandersetzen, sondern „zwingend auf den Menschen und seinen Umgang mit anderen Menschen“ blicken. Den „Hamlet“ inszeniert er natürlich. Und was das Schauspiel Stuttgart noch so alles auf die Bühne bringt: „Die Welt im Rücken“ von Thomas Melle, die Chronik seiner bipolaren Erkrankung. Oder Schillers „Räuber“ in der Regie von Stefan Pucher, Brechts „Die Heilige Johanna der Schlachthöfe“ (Sapir Heller), Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ (Tina Lanik) oder Thomas Bernhards „Vor dem Ruhestand“ (Martin Kušej). Als Uraufführung kommt Roland Schimmelpfennigs „Sommersonnenwende“ im Schauspielhaus heraus.
Und noch ein spannendes Projekt, gerade in diesen wirbelnden Zeiten, in der nötiges Geschichtsbewusstsein aus der Kurve fliegt: Kosminski inszeniert „Die Ermittlung“ von Peter Weiss, das dokumentarische Stück über den ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess. Zeugen erzählen von den Gräueltaten; die Aufführung wird im Stuttgarter Landtag gezeigt, dort, wo aktuell auch AfD-Abgeordnete sitzen, Mitglieder einer Partei, die in verschiedenen Bundesländern als gesichert rechtsextremistisch eingestuft ist.
Die Staatstheater Stuttgart aber sind das größte Drei-Sparten-Haus der Welt, mit rund 500.000 Zuschauerinnen und Zuschauern pro Saison. Und so hatten am Freitagmorgen (16. Mai 2025) auf der Jahrespresskonferenz in der John-Cranko-Schule noch weitere Herren einen Auftritt. Was bieten Oper und Stuttgarter Ballett in der kommenden Spielzeit 2025/26?
Musik als Heimat
Intendant Viktor Schoner kündigte großes Musiktheater an: Giacomo Puccinis „Turandot“ in der Regie von Anna Sophie Mahler, unter der musikalischen Leitung von Valerio Galli und mit Ewa Vesin in der Titelpartie. Ivan Gyngazov wird als Calaf den Schlager „Nessun dorma“ singen. Und auch Richard Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ kommen in einer Neuproduktion (von Elisabeth Stöppler) heraus. Cornelius Meister dirigiert – in seiner letzten Saison als Generalmusikdirektor. Seine letzte Stuttgarter Premiere wird dann Francis Poulencs Oper „Dialogues des Carmélites“ sein (am 29. März 2026).
Die Saison startet am 26. September mit einer Kooperation mit den Ruhrfestspielen, einem Musiktheater des Choreografen Ivo van Hove über das Leben nach der Liebe: „I Did It My Way“ mit Musik von Nina Simone und Frank Sinatra sowie mit Larissa Sirah Herden und Lars Eidinger. Dann kehrt Stephan Kimmig als Regisseur zurück für Leos Janaceks Fabel „Das schlaue Füchslein“ (mit Ariane Matiakh am Pult).
In einer Opernsaison, die sich immer wieder um das Thema „Musik als Heimat“ dreht, steht auch eine Uraufführung auf dem Plan: „Station Paradiso“, eine Mixtape-Oper entlang der ehemaligen Europastraße 5 in verschiedenen Sprachen. Auf der Suche nach einer „Musik von Zuhause“ baute die aus Kroatien stammende Komponistin Sara Glojnarić ein „Archiv von in Stuttgart beheimateten Musik(en)“ auf. Die Basis dafür bildeten Gespräche mit Menschen, die oder deren Eltern seit den 1950er Jahren aus dem ehemaligen Jugoslawien, aus Griechenland, aus Italien, aus der Türkei als sogenannte Gastarbeiter in die Landeshauptstadt gekommen waren.
Hommage an Glen Tetley
Das Stuttgarter Ballett feiert in der Spielzeit 2025/26 die Vielfalt seines Repertoires. Als Highlight verspricht Intendant Tamas Detrich den Ballettabend „Augen/Blicke“: Das Duo Sol León und Paul Lightfoot präsentiert sein Meisterwerk „Shut Eye“, mit „Within the Golden Hour“ ist der Brite Christopher Wheeldon erstmals in Stuttgart vertreten, und die junge Tänzerin Vittoria Girelli aus dem eigenen Haus kreiert ihr erstes Werk für die Opernbühne. Anlässlich seines 100. Geburtstags ehren die Stuttgarter den Choreografen Glen Tetley, der zur Avantgarde im 20. Jahrhunderts gehörte, mit dem Ballettabend „Tribute to Tetley“ (darunter seine Version von „Le sacre du printemps“).
Als dritte Premiere präsentiert Detrich im Schauspielhaus den interdisziplinären Tanzabend „Interaktion“, der sich mit der Frage beschäftigt, „wie wir mit der Welt um uns herum und mit uns selbst kommunizieren“. Zu erleben ist dann Startänzer Friedemann Vogel auch als Choreograf: „Die Seele am Faden“. Und dann wäre da noch das Repertoire, die abendfüllenden Ballette und Klassiker, Marcia Haydées „Dornröschen“, Kenneth MacMillans „Mayerling“; auch „Anna Karenina“, „Onegin“ oder „Der Nussknacker“. Die Zeit mag aus den Fugen sein, die Stuttgarter Ballettabende bleiben ein Publikumsmagnet.
Die Saison der Generalmusikdirektoren
Mit drei Mahler-Konzerten (im Juni 2026, die Sinfonien Nr. 1, 6 und 9), verschiedensten Formaten vom Talk mit Harald Schmidt bei dessen „Spielplananalyse“ im Schauspielhaus bis zum Liedkonzert und zahlreichen Operetten- und Opernvorstellungen verabschiedet sich Cornelius Meister in der Saison 2025/26 als Generalmusikdirektor. Ein GMD sagt Servus – aber die ganze Konzertsaison des Staatsorchesters Stuttgart steht originell im Zeichen seiner ehemaligen Chefdirigenten. Es kehren in die Liederhalle zurück: Dennis Russel Davies, Lothar Zagrosek, Manfred Honeck und Sylvain Cambreling.

