Nelio Biedermann in Langenau: Mit 22 eine literarische Sensation – was macht das mit einem?

Jungstar, ohne Allüren, sehr sympathisch: Nelio Biedermann im Langenauer Pfleghof.
Jürgen Kanold- Nelio Biedermann las im ausverkauften Langenauer Pfleghof aus seinem Roman „Lázár“.
- „Lázár“ wurde zum „Lieblingsbuch der Unabhängigen“ und erscheint in rund 30 Ländern.
- Der Schweizer Autor bleibt ohne Allüren, antwortete offen und besonnen im Gespräch.
- Die Familiensaga folgt den ungarischen Lázárs vom Kaiserreich bis zum Kommunismus.
- Nächster Termin: Lesung im Donauschwäbischen Zentralmuseum am Donnerstag, 21. Mai 2026.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Auszeichnung „Lieblingsbuch der Unabhängigen“ sagt ja etwas aus: dass ein Roman, den kaum einer auf der Rechnung hat, langsam aber sicher zum Bestseller wächst, weil die Buchhändlerinnen und Buchhändler an diesen Titel glauben, ihn wärmstens ihrer Leserschaft empfehlen. Weil da eine besondere, emphatische, fesselnde Geschichte erzählt wird. „Altes Land“ von Dörte Hansen war so ein Lieblingsbuch. Oder „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens. Das ist die Liga: Im vergangenen Jahr wurde „Lázár“ von Nelio Biedermann gekürt, nun war der Schweizer zu Gast im ausverkauften Langenauer Pfleghof – auf Einladung der Buchhandlung Mahr.
Als das Buch im September 2025 erschien, war Biedermann ein 22-jähriger Germanistik-Student aus Zürich. „Lázár“ war noch nicht mal sein Debüt gewesen, nach dem Abi hatte er seinen ersten Roman „Anton will bleiben“ geschrieben. Aber jetzt: eine literarische Sensation, „ein Geniestreich“, jubelten die Feuilletons. „Vielleicht der neue Thomas Mann“ wurde gefeiert. Daniel Kehlmann sprach von einem „Donnerschlag“. Zahllose Übersetzungen, rund 30 internationale Verlage geben „Lázár“ heraus. Tom Tykwer wird den Roman verfilmen. Was macht das mit einem?
Keine Allüren, eher demütig
In den Pfleghof kommt unverändert ein junger Mann; Bärtchen, Pullover, Silberkette. Der Student, dem man auch in der Mensa oder in der Unibibliothek begegnen könnte. Null Stargehabe, keine Allüren, eher demütig, sehr sympathisch, offen und besonnen, klug auf die Fragen von Angelika Mahr antwortend. Einer, der überrascht ist von seinem Erfolg, der aber mit 16 wusste, dass er Schriftsteller werden will. Und sagt: „Da mussten alle mithelfen“ – nicht zuletzt seine Deutschlehrerin.
„Lázár“ ist der Name einer ungarischen Adelsfamilie, deren Verfall Biedermann erzählt: vom habsburgischen Kaiserreich bis zum Kommunismus nach dem Zweiten Weltkrieg. Als Lajos von Lázár auf die Welt kommt, bricht das 20. Jahrhundert an, das alles verändern wird. Eine Familiensaga, Liebe und Tragik, historische und private Katastrophen, Zeitgeschichte, auch Märchenhaftes, Magisches. Alles drin, auf nur 336 Seiten. Wie kommt man drauf?
Ungarische Familiensaga
Biedermanns Familie väterlicherseits stammt aus dem ungarischen Adel, seine Großeltern emigrierten nach dem ungarischen Volksaufstand 1956 in die Schweiz. Die Geschichten, die ihm die Großmutter erzählte, seien ein Antrieb gewesen, diesen Roman zu schreiben. Mit der eigenen Kuh verreisen, weil man nur deren Milch trinken möchte – solche Sachen: nicht erfunden. Und Biedermann hat endlos gelesen, die Klassiker, den Kanon der Weltliteratur. Die gebildet stilsichere Sprache, der Anspruch, man spürt das schon im ersten Satz: „Am Rand des dunklen Waldes lag noch der Schnee des verendeten Jahrhunderts, als Lajos von Lázár, das durchsichtige Kind mit den wasserblauen Augen, zum ersten Mal den Mann erblickt, den es bis über seinen Tod hinaus für seinen Vater halten wird.“
Mit leisem Pathos liest Biedermann – und dann ist er im Gespräch wieder der so „normale“ junge Mann, der glücklich darüber ist, dass sein Roman auch in Ungarn (in Budapest wohnt noch Verwandtschaft) „funktioniert“, Erfolg hat. Er habe kein „Heuchler“ sein wollen, der einen Roman über die ungarische Geschichte nur behauptet.

Nelio Biedermann: Lázár. Rowohlt Berlin, 336 Seiten, 24 Euro.
RowohltIm Donauschwäbischen Zentralmuseum
Ein weiteres Mal kommt der Autor Nelio Biedermann bereits in zwei Wochen nach Ulm: am Donnerstag, 21. Mai 2026, 19 Uhr. Dann liest er im Donauschwäbischen Zentralmuseum aus seinem Roman „Lázár“. Den Abend werden Yvonne Faber und Daniel Rosch musikalisch begleiten.

