„Monets Küste“ im Städel Museum: Die Faszination Étretat

Claude Monet schuf in Étretat zahlreiche Gemälde: „Die Felsnadel und das Felsentor von Aval“, 1885 entstanden.
© The Clark Art Institute- Ausstellung „Monets Küste“ im Städel Museum zeigt 170 Werke zur Entdeckung Étretats.
- Monet ist zentral vertreten: 24 Gemälde und Pastelle aus Aufenthalten 1864 bis 1886.
- Gezeigt werden Étretat-Motive wie Porte d’Amont, Porte d’Aval, Manneporte und Aiguille.
- Historischer Bogen bis zur Moderne – von Isabey, Delacroix und Courbet bis Matisse.
- Aktueller Bezug: Übertourismus, Erosion und gesperrte Klippen werden thematisiert.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Deutschen haben die Kreidefelsen auf Rügen, die der Maler Caspar David Friedrich fürs romantische Gedächtnis verewigte. In Frankreich sind die Steilklippen und die bizarr-skulpturalen Kalkfelsen von Étretat ein Naturkulissen-Mythos – und ein Hotspot des Übertourismus. Ein Dorf in der Normandie, am Ärmelkanal, 30 Kilometer von Le Havre entfernt: 1100 Einwohner, 1,5 Millionen Besucher pro Jahr. Es dürften dank der großartigen Ausstellung „Monets Küste“ im Frankfurter Städel Museum noch mehr werden.
Zuletzt hatte die Netflix-Serie „Lupin“ mit Omar Sy den Sightseeing-Kult neu forciert. Sie bezieht sich auf die berühmten Romane um den Meisterdieb Arsène Lupin, die fünfte Staffel wurde in Étretat dramatisch in Szene gesetzt. Der Autor Maurice Leblanc (1864-1941) hatte seine Bestseller tatsächlich in dem Badeort geschrieben; in „L'Aiguille creuse“ etwa befindet sich in besagter Felsnadel die geheime Schatzkammer des Gentleman-Gauners.
Entdeckt aber haben die Maler die atemraubende Landschaft von Étretat: und etablierten einen bedeutenden Künstlerort, vergleichbar Barbizon (bei Fontainebleau, Region Île-de-France) und Pont-Aven (Bretagne). Und Claude Monet war nicht der Erste. Selbstverständlich ist der Ausstellungstitel „Monets Küste“ publikumsmagnetisch gewählt. Doch das ist keine Schummelei, das Städel kann unter den 170 Exponaten allein 24 Gemälde und Pastelle des Superstars zeigen, der sich zwischen 1864 und 1886 mehrfach in Étretat aufhielt und arbeitete.
Ein Schauplatz des Impressionismus
In einem üppig bestückten Monet-Saal sind verschiedene Étretat-Gemälde zu bewundern. Eine Studie geradezu des Impressionismus: Meer, Wind, Wellen, Felsengebilde; wie das Wetter, das Licht, die Tageszeiten die malerische Wahrnehmung beeinflussen. Die Motive: die Felsentore Porte d’Amont (der Schriftsteller Guy de Maupassant verglich den Bogen mit einem „riesigen Elefanten, der aus dem Meer trinkt“), Porte d’Aval und Manneporte sowie die Felsnadel Aiguille. Monet malte im Freien, suchte immer neue Perspektiven. Bei schlechtem Wetter aber, so heißt es, schaute er nur aus dem Fenster seines Zimmers im Hôtel Blanquet, das direkt am Strand lag.
Und wie passt in diese Naturschauspiel-Galerie Claude Monets großformatiges Interieur „Le Déjeuner“ (Das Mittagessen), eines der weltbekannten Gemälde der Städel-Sammlung? Schöne Pointe der Sonderausstellung: Der Künstler malte es 1868/69 in Étretat.

Die entfesselte Naturgewalt: Gustave Courbets Gemälde „Die Woge“ (1869).
Städel Museum, Frankfurt am Main.„Die Entdeckung von Étretat“ – so lautet der Untertitel der Ausstellung. Keine Straße, kein Hafen, das raue, bedrohliche Meer: Es gab Gründe, dass das Fischerdorf lange Zeit niemanden interessierte. Dann kam die Aufklärung, die Kuratoren zitieren den englischen Philosophen Edmund Burke: Der Mensch müsse den Schrecken vor den Naturgewalten überwinden, um das Gefühl des Erhabenen zu erfahren. Und das tat dieser. Ein gewisser Alexandre Jean Noël schuf 1786 die erste bekannte Darstellung Étretats, und zwar im Auftrag eines Austernzüchters, zu Werbezwecken.
Eugène Isabey war der erste Künstler, der sich um 1820 länger in Étretat aufhielt und folgenreich davon schwärmte. Die Alabasterküste der Normandie war romantisch in Mode, das Naturspektakel zog dann zunehmend die Maler an, etwa Eugène Delacroix, Eugène Le Poittevin oder Johann Wilhelm Schirmer. 1869 erlebte Gustave Corbet in Étretat einen heftigen Sturm, was sich in wild aufbrausenden, drastisch komponierten Wellen-Bildern niederschlug: Krustig trug er die Ölfarbe mit dem Palettmesser auf. Im 20. Jahrhundert kamen etwa Felix Vallotton und Henri Matisse vorbei. So erzählt das Städel am Beispiel Étretat ein Kapitel Kunstgeschichte bis in die Moderne: über das Staunen der Künstler angesichts landschaftlicher Schönheit.
Ein Geheimtipp war Étretat aber bald nicht mehr: Das Fischerdorf entwickelte sich zum Seebad mit Villen und Casino. Und in der Gegenwart? Menschenmassen, Klimawandel, Gefahr durch Erosion. Im April 2025 sperrte die Gemeinde den Zugang zu den Klippen und weiten Teilen der Strände. Auch das macht die Ausstellung zum Thema. Man will dann aber trotzdem hinfahren nach Étretat, das alles selbst sehen – bestens vorbereitet durch die Städel-Schau.

Ein Maler am Strand von Étretat, um 1900.
© Collection Pascal ServainDigitorial und Film
Die Ausstellung „Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“ mit 170 Gemälden, Zeichnungen, Fotografien und historische Dokumenten läuft bis zum 5. Juli 2026 im Städel Museum in Frankfurt am Main. Öffnungszeiten: Di-So 10-18, Do bis 21 Uhr. Zur Einführung in die Ausstellung bietet das Städel auf seiner Internetseite ein informatives Digitorial und auch einen Film: staedelmuseum.de Der Audioguide ist kostenlos: über eine App auf dem Smartphone.

