klassisch!: Vision String Quartet spielt unerhört energiegeladen im Stadthaus Ulm

Cooler Auftritt: Das Vision String Quartet (von links) im Ulmer Stadthaus: Leonard Disselhorst, Florian Willeitner, Daniel Stoll und Sander Stuart.
Volkmar Könneke- Vision String Quartet spielte energiegeladen im Stadthaus Ulm.
- Programm: Werke von Webern, Schostakowitsch und Brahms.
- Konzert am 21. Februar 2025 war ein großer Erfolg.
- Quartett spielt im Stehen und auswendig, was besonders ist.
- Nächstes Konzert der Reihe: Engegård Quartet am 2. April 2025.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nach den Tagen mit dem Württembergischen Kammerorchester (WKO) seien sie jetzt „platt“, erzählte Daniel Stoll locker-sympathisch dem Publikum im Ulmer Stadthaus. Aber welchen inneren Zustand auch immer das Vision String Quartet gefühlt haben mag: Es war ein grandioses Konzert am Freitagabend (21. Februar 2025) in der Reihe „klassisch!" – unerhört energiegeladen. Auf der Bühne: nur ein Klavierhocker für den Cellisten Leonard Disselhorst. Sonst nichts, keine Stühle, keine Notenständer. Dieses Streicherquartett spielt im Stehen und auswendig. Das aber ist kein Showprofil, das ist das Alleinstellungsmerkmal einer selten so erlebten verschworenen Musikergemeinschaft: ein äußerst intensives, emotionales Zusammenspiel. Was ein Auftritt des Vision String Quartet, zu dem noch Florian Willeitner (1. Violine) und Sander Stuart (Viola) gehören, aber so besonders macht: dass sie nicht nur geradezu rockkonzerthafte Attacke können, sondern auch große Klangkultur entfalten.
Es war ein c-Moll-Abend im Stadthaus: Anton von Weberns noch sehr spätromantischer „Langsamer Satz“ von 1905 zunächst, mit einer skrupulösen Schönheit. Danach das 8. Streichquartett von Dmitri Schostakowitsch: eine tief erschütternde Musik, ein Requiem für die Opfer von Krieg und Faschismus, auch die autobiografische Reflexion eines Komponisten, der unter dem sowjetischen Regime litt. Schließlich das Streichquartett Nr. 51,1 von Johannes Brahms: ein virtuoses Werk der romantischen Selbsterkundung, weit in die Moderne gezogen, aber inklusive einer innigen Romanze. Also ein Hammerprogramm – bejubelt dargeboten.
Das brutale Klopfen
Was Stoll wohl mit „platt“ meinte: Mit dem Württembergischen Kammerorchester hatten die „Visions“ zusammengearbeitet, anführend von den ersten Pulten aus, und sie waren in Heilbronn und im Ulmer Kornhaus aufgetreten – auch mit dem 8. Streichquartett von Schostakowitsch, aber in der Fassung für Streichorchester. Ein Orchesterkollektiv mitzureißen, das ist eine harte Kunst. Den Schostakowitsch aber pur, in unverstellter dramatischer Wucht (das imaginierte Klopfen der Geheimpolizei), nah und direkt, auch mit den leisesten Tönen der Hoffnung aufzuführen, das war im Stadthaus eine andere Qualität: atemraubend. Und am Ende des Konzerts, herrlich-komödiantisch, noch eine spaßvoll gezupfte Samba als Zugabe.
Engegård Quartet spielt am 2. April 2025
Die „klassisch!“-Saison im Stadthaus Ulm endet am 2. April 2025, 20 Uhr, mit einem Konzert des Engegård Quartet aus Norwegen. Auf dem Programm stehen Streichquartette von Beethoven, Kvandal und Sibelius. Karten unter swp.de/ticketshop

