Deutscher Buchpreis 2025: Das ist die Shortlist der sechs besten Romane

Das sind die sechs Bücher, die auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2025 stehen.
Christof Jakob/Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V./dpa- Shortlist des Deutschen Buchpreises 2025: Sechs Romane bekanntgegeben, darunter Werke von Elmiger, Melle und Erdmann.
- Themen der nominierten Bücher: Gesellschaftliche, politische und psychologische Abgründe.
- Jury sichtete 229 Titel; Gewinner wird am 13. Oktober 2025 zur Frankfurter Buchmesse gekürt.
- Jury lobt die Vielfalt und literarische Tiefe der finalen Auswahl.
- Preis bietet 25.000 € und steigert Bekanntheit sowie Verkaufszahlen der prämierten Autor*innen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Enttäuscht, ja wütend hatte Clemens Meyer im vergangenen Jahr den Kaisersaal des Frankfurter Römers verlassen: Der Favorit hatte mit seinem Roman „Die Projektoren“ nicht gewonnen, war Martina Hefter unterlegen. Mit dem Deutschen Buchpreis habe er abgeschlossen, ließ der Schriftsteller in einem Interview mit dem „Spiegel“ wissen. Meyer wusste, was diese Auszeichnung bedeutet, abgesehen von 25.000 Euro Preisgeld: „Wenn ich jetzt auf Platz eins der Bestsellerliste wäre, dann hätte ich 100.000 neue Leser und könnte meine Schulden bezahlen.“
Okay, da spielten private Probleme eine Rolle. Tatsache aber ist, dass der Gewinn des Deutschen Buchpreises für Auflage sorgt. Schon wer es auf die Longlist der 20 Titel schafft, genießt erheblichen Werbefaktor – die Verlage kleben eifrig Etikette aufs Cover. Andererseits waren auch jetzt, im 2025er-Jahrgang, viele Romane, die auf den Bestsellerlisten standen oder stehen, nicht nominiert. Immerhin kürt die Stiftung Buchkultur und Leseförderung den „deutschsprachigen Roman des Jahres“. Das ist ein großes Wort. Aber Jury-Meinung, Publikumsgeschmack, Verlagsinteresse und Literaturkritik-Urteile liegen selten auf einer Linie.

Ein Favorit auf den Deutschen Buchpreis: Thomas Melle.
Uwe Anspach/dpaCaroline Wahl jedenfalls, aktuell in den Charts die Nummer eins, war mit ihrem Roman „Die Assistentin“ noch nicht mal auf der Longlist vertreten – zu Recht. Allgemein waren die Nominierungen in ihrer Vielfalt positiv aufgenommen worden, mit den üblichen Klagen über missachtete Einzelfälle. Wieder auffällig: wie die migrantische und post-migrantische Literatur die deutsche Gegenwartsliteratur prägt.
Am Dienstagvormittag (16. September 2025) hat die Jury nun in der nächsten Runde die sechs Titel der Shortlist bekanntgeben: Dorothee Elmiger mit „Die Holländerinnen“, Kaleb Erdmann mit „Die Ausweichschule“, Jehona Kicaj mit ë, Thomas Melle mit Haus zur Sonne, Fiona Sironic mit Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft und Christine Wunnicke mit Wachs. Ein oft genannter Favorit wie Dmitrij Kapitelman mit „Russische Spezialitäten“ ist auf der Strecke geblieben, auch Altmeister wie Michael Köhlmeier und Feridun Zaimoglu sind ausgeschieden. Aber es ist eine spannende Auswahl, und das interessierte Publikum kann sie leicht selbst überprüfen: Der dickste Roman ist „Haus zur Sonne“ von Thomas Melle mit 320 Seiten.
Stets bewundernswert, wie es der Jury in ihrer Begründung gelingt, alle sechs Titel zusammenzubinden. „Kein Zufall, dass wir mit der Shortlist des Jahres 2025 in psychologische, gesellschaftliche und politische Abgründe blicken: Sei es tastend, versponnen, mit Witz oder Radikalität, dabei immer hochliterarisch. So unterschiedlich die Erzählweisen und die Sprachgestaltung sind, so scheinen die Romane miteinander zu korrespondieren, zum Beispiel in Themen wie Gewalt, aber auch Zärtlichkeit.“ Na ja, so konkret ist das auch wieder nicht.
Die Jury macht Leseappetit
Jurysprecherin Laura de Weck aber macht Leseappetit. „Bei Kicaj knirschen Kriegsverbrechen auch nach Jahrzehnten im menschlichen Gebiss, bei Erdmann verändert ein Amoklauf die Psychologie einer ganzen Stadt, Melle fragt in einem manisch-literarischen Ritt, wie selbstbestimmt der moderne Mensch ist. Während Sironic sich der fortgeschrittenen Klimakrise mit Karacho und Liebe annimmt, folgen wir bei Wunnicke im vorrevolutionären Frankreich zwei Frauen, die sich aus Konventionen so gar nichts machen; und Elmiger malt die Dunkelheit, die alles umfängt, wenn Frauen plötzlich verschwinden.“ Aber nein, das klinge nicht düster. „Jede Lektüre auf der Shortlist ist ein Befreiungsschlag.“
Am 13. Oktober, zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse, steht im Kaisersaal des Frankfurter Römers fest, welche Autorin oder welcher Autor, dann auch befreit jubeln darf über den Deutschen Buchpreis, der Ruhm und Auflage beschert.

Auf der Shortlist des Deutscher Buchpreis 2025: Kaleb Erdmann.
Marcus Brandt/dpaDie Jury sichtete 229 Titel
Die sieben Jurymitglieder haben 229 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2024 und dem 16. September 2025 erschienen sind. Zur Jury gehören Laura de Weck (Schweizer Radio und Fernsehen), Maria Carolina Foi (Universität Triest), Jürgen Kaube (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Friedhelm Marx (Universität Bamberg), Kathrin Matern (Frau Rilke Buchladen, Neustrelitz), Lara Sielmann (Deutschlandfunk Kultur), Shirin Sojitrawalla (freie Kritikerin). Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels den deutschsprachigen Roman des Jahres aus.

