Bregenzer Festspiele 2026: Viel Bier und berauschende Musik – „Die Ausflüge des Herrn Brouček“

Der Kleinbürger im Kosmos: "Die Ausflüge des Herrn Brouček" bei den Bregenzer Festspielen.
Anja Köhler- Janáčeks „Die Ausflüge des Herrn Brouček“ feierte im Festspielhaus Premiere.
- Die Oper zeigt einen betrunkenen Kleinbürger auf Mond und in Hussitenzeit.
- Musik klang farbenreich, mit Walzeranklängen und markanten Bläsern.
- Yuval Sharon inszenierte spielzeughaft, mit woker Mondgesellschaft und Unterwelt.
- Großer Applaus für Ensemble und Wiener Symphoniker; weitere Termine genannt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es ist eine sehr tschechische Geschichte. Sie spielt im Wirtshaus, und der Protagonist, der einen Krug Bier nach dem anderen runterkippt, ist die ganze Oper lang besoffen. Da kann man sich schon mal auf den Mond träumen oder zurück ins 15. Jahrhundert der Hussitenkriege. Es ist eine Satire auf menschliche Schwächen, aufs geistfeindliche Kleinbürgertum: Leoš Janáček komponierte „Die Ausflüge des Herrn Brouček“ neun Jahre lang bis 1917, er wollte seine tschechische Nation aufrütteln, die noch verzahnt war mit dem habsburgischen k.k.-Reich.
Ja, einen Spiegel wollte der Komponist seinen Landsleuten vorhalten. Gutes Stichwort: Draußen auf der Bregenzer Seebühne ist ein zerborstener Spiegel das symbolkräftige Bühnenbild für Giuseppe Verdis Oper „La traviata“. Und drinnen im Festspielhaus hatte anderntags (23. Juli 2026) diese sehr selten gespielte Janáček-Oper Premiere: eine hoch expressive Musik, ungemein farbenreich bis spätimpressionistisch. Die Walzeremphasen im ersten Teil lassen sich sentimental als einen „Rosenkavalier“ aus Prag hören. Scharf sich reibende Blechbläserfiguren, volkstümliche Motive, eine weich blühende Melancholie. Und die tschechische Sprachmelodie bestimmt auch den Gesang. Robert Jindra webte mit den wunderbaren Wiener Symphonikern einen faszinierenden Klangteppich.
Bier und Wurst
Auf dem von Intellektuellen bevölkerten Mond denkt Brouček also auch nur an Bier und Wurst, und in den Wirren der Hussitenkriege verweigert der Drückeberger unpatriotisch den Waffendienst. Aber vielleicht ist dieser Herr Brouček auch einfach ein Kollege des braven Schwejk, den die entgleiste Welt verstört: eine liebenswerte, wenn auch keine unschuldige Figur. Und wie charakterisiert ihn in Bregenz der Regisseur Yuval Sharon?
Die Inszenierung des US-Amerikaners, der auch schon mit dem Maler Neo Rauch einen sehr blauen „Lohengrin“ in Bayreuth herausbrachte, ist mit Spannung am Bodensee erwartet worden, weil Sharon 2028/29 die nächste Seebühnen-Produktion verantworten wird: Wagners „Fliegenden Holländer“. Sharon und Jon Bausor (Bühne/Kostüme) verorten die „Ausflüge“ in einem spielzeughaften Setting: Brouček sitzt in einem spitzgiebeligen Ein-Zimmer-Häuschen vorm Fernseher, das sich beim Flug ins All auch auf den Kopf dreht; grafische Zeichnungen zudem wie aus dem tschechischen Animationsfilm. Oben begegnet Brouček keinen Menschen, sondern singenden Stoffkästen, einer woken, vegetarischen Gesellschaft.
Im zweiten Teil erkundet der immer auch delirierende Brouček mit der Taschenlampe den Keller. Die Unterwelt versammelt dann, wie aus dem Historiengemälde kopiert, tschechische Vergangenheit aus der Zeit von Jan Hus: entsprechend alt und verdreckt kostümiert. Brouček irrt durch diese Welten – und bleibt durstig. Er hat nicht viel davon begriffen, was mit ihm geschehen ist, und stärkt sich am Ende wieder mit einem Krug Bier.
Yuval Sharon inszeniert diese Groteske fröhlich bildhaft und mit Ironie, aber auch das Publikum begreift nicht wirklich, was da alles passiert, wenn es nicht gründlich die Übertitel mitliest. Doch diese Musik und dieses großartige Ensemble! Mit Peter Hoare in der Titelpartie, mit dem fantastischen lyrischen Tenor Mihails Culpajevs als Mazal und Tatev Baroyan als Málinka. Premierenjubel im Bregenzer Festspielhaus. T
Weitere Aufführungen bei den Bregenzer Festspielen: 26. Juli (11 Uhr), 3. August (19.30 Uhr).

