Archäologie in UIm
: Sensation aus der SWP-Baugrube wird erstmals gezeigt

Bei den Bauarbeiten für das Medienhaus der SÜDWEST PRESSE entdeckten Archäologen mittelalterliche Gefäße. Sie sind nun in der Kunsthalle Weishaupt zu bestaunen.
Von
Marcus Golling
Ulm
Jetzt in der App anhören
Museum Ulm - Ausstellung "Museum neu buchstabiert. Teil 2: M-Z" in der kunsthalle weishaupt

So werden die Aquamanile aus der Olgastraße in der Kunsthalle Weishaupt präsentiert.

Volkmar Könneke
  • Archäologen entdeckten mittelalterliche Aquamanile bei Bauarbeiten in Ulm.
  • Die Gefäße werden bis März 2025 in der Kunsthalle Weishaupt ausgestellt.
  • Die Funde stammen aus dem 13./14. Jahrhundert und zeigen Ritter, Tiere und Fabelwesen.
  • Überreste von Straßen und Gebäuden wurden ebenfalls entdeckt.
  • Das Museum Ulm plant eine dauerhafte Ausstellung der Stücke ab Ende 2026.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Fund prangt sogar auf dem Titel des Bandes „Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg“ für das Jahr 2023. Er sei ein „Highlight des Jahres“, sagt Jonathan Scheschkewitz vom Landesamt für Denkmalpflege. Es handelt sich um sogenannte Aquamanile, also figürlich gestaltete Gießgefäße, mit denen sich die besseren Herrschaften im Mittelalter bei Tische ihre Hände zu waschen pflegten – man speiste damals vor allem mit den Fingern. Die zerbrochenen Keramiken stammen aus einer Baugrube an der Olgastraße, dort, wo derzeit das neue Medienhaus der SÜDWEST PRESSE in die Höhe wächst.

Jetzt sind die Gefäße in der Kunsthalle Weishaupt zu sehen, wo das Museum Ulm, derzeit selbst eine Baustelle, am 22. November 2024 den zweiten Teil seiner Interimsausstellung „Museum neu buchstabiert“ eröffnet. Die Aquamanile aus der Olgastraße, von Fachleuten auf das 13. oder 14. Jahrhundert datiert, sind schon wegen ihrer Anzahl bemerkenswert: Mehr als zehn wurden laut dem Archäologen Scheschkewitz entdeckt, „ein Komplex, der außergewöhnlich war“. Es handelt sich – wie häufig zu dieser Zeit – um keine einfachen Kannen, man kann deutlich Ritter zu Pferde, Tiere oder Fabelwesen erkennen.

Bei den Grabungen wurden Reste von Straßen, Mauern, Zäunen und kleinen Gebäuden freigelegt. Sie stammten von Gärten, die im Mittelalter vor der nördlichen Stadtmauer lagen. Die Aquamanile lagen zerbrochen in einer mittelalterlichen Abfallgrube. Aber warum? Um die Restbestände eines Ladens dürfte es sich nicht handeln, auch eine Töpferei hält Scheschkewitz für unwahrscheinlich.

Bruchstücke von Geschirr und Lampen

Er hat eine andere Hypothese: Es spreche vieles dafür, „dass dort in einem größeren Maßstab gefeiert worden ist“. In der Grube lagen nämlich auch Bruchstücke von Geschirr, von tönernen Talglämpchen und -leuchtern – sowie eines Signalhorns. Vielleicht kannte man auch schon im späten Mittelalter das Prinzip „Feieralarm“.

Die archäologischen Funde werden bis 17. März 2025 im ersten Stock der Kunsthalle Weishaupt in der Ulmer Neuen Mitte gezeigt. Sie gehören sie dem Land Baden-Württemberg, Stefanie Dathe will sie aber gerne als Dauerleihgabe in der neuen Archäologie-Abteilung des Museums präsentieren. Diese soll Ende 2026 eröffnet werden.