
Die Tinte ist trocken: Manuel Hagel (CDU, l) und der designierte Ministerpräsident Cem Özdemir (Bündnis 90 / Die Grünen) bei der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags.
Marijan Murat/dpaZum Erfolg verdammt
12. Mai 2026
Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
heute ist es also soweit: Die 15-jährige Ära des ersten grünen Ministerpräsidenten dieser Republik endet. Winfried Kretschmann geht von Bord, der Landtag in Stuttgart wählt am Vormittag Cem Özdemir zu seinem Nachfolger. Erneut ein Grüner, erneut erfolgreich im Wahlkampf gegen einen vermeintlich überlegenen CDU-Kandidaten, erneut ein überzeugter, gebürtiger Schwabe. Aber einer, der als Sohn türkischer Einwanderer die Geschichte des modernen Deutschland widerspiegelt. Was bedeutet das für dieses Land? Zunächst ein Stück Normalität. Dass ein Ministerpräsident den Nachnamen Özdemir trägt, zeigt die Integrationskraft eines Systems, das zurzeit von vielen Seiten gescholten wird. Deutschland ist ein Einwanderungsland. Diese Menschen prägen und tragen das Land inzwischen nicht nur im Sport, sondern in allen gesellschaftlichen Bereichen. Das ist nicht nur gut so, es ist überlebenswichtig für eine rasant alternde Gesellschaft.
Doch abseits dieses Faktums ist die grün-schwarze Koalition auch aus politischen Gründen zum Erfolg verdammt. Özdemir und Hagel sind Vertreter einer aufgeklärten und pragmatischen Mitte unserer Gesellschaft. Ökonomisch und ökologisch geprägt, beide überzeugte Verfechter unserer Demokratie. In Baden-Württemberg beweist sich, ob diese Mitte noch fähig ist, miteinander erfolgreich zu regieren. Ob sie noch fähig ist, Herausforderungen anzunehmen und zu Ergebnissen zu kommen. Denn jenseits der AfD könnte diese Kombi auf lange Sicht die einzige sein, die noch Mehrheiten erreichen kann. Darum gilt von heute an: Baden-Württemberg kann nicht nur erfolgreich sein – es muss. Als Vorbild für andere. Hier lesen Sie mehr.
Kommen Sie gut in diesen Mittwoch!
Ihr Ulrich Becker





