Verluste und Schuldenfalle
: Bafin warnt vor riskanten Investitionen und Krediten

Die EU hat die Beteiligung von Privatanlegern an Infrastrukturprojekten erleichtert. Die Finanzaufsicht BaFin warnt jedoch vor ihren Risiken. Und nimmt auch Immobilienkredite ins Visier.
Von
Sabine Rößing
Frankfurt/Main
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Finanzaufsicht Bafin

Die Finanzaufsicht Bafin warnt vor Investitionsfonds für Infrastrukturvorhaben.

Boris Roessler/dpa-tmn/dpa
  • BaFin warnt vor ELTIF für Privatanleger, da Anlagen illiquide und schwer bewertbar sind.
  • Hohe Renditeversprechen locken, doch BaFin sieht erhebliche Verlustrisiken und hohe Kosten.
  • Markt wächst stark: mehr ELTIF und Anbieter, verwaltetes Vermögen laut Scope bei 34 Mrd. Euro.
  • BaFin nimmt Private Debt in den Blick – Rücknahmen in den USA begrenzt, Risiken vernetzt.
  • Sorge um Immobilienkredite: hoher Anteil neuer Darlehen über dem Immobilienwert in Deutschland.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin will künftig bei sogenannten „European Long Term Investment Funds“ (ELTIF) genauer hinschauen, vor allem, wenn diese an private Anleger vertrieben werden. Die Abkürzung ELTIF bezeichnet Investmentfonds für Infrastrukturvorhaben. Mit diesen können Marktteilnehmer in die Modernisierung von Straßen, Schienen oder Stromtrassen investieren.

Die EU hat Privatanlegern vor zwei Jahren solche Investments erleichtert. Hintergrund ist die Überlegung, dass es – ähnlich wie bei der Energiewende – kaum möglich scheint, die für eine Modernisierung erforderlichen Summen allein aus dem Steueraufkommen zu stemmen. Deswegen sollen zunehmend private Geldgeber ran, auch Kleinanleger. ELTIF sollen ihnen Zugang verschaffen zu Beteiligungen an Infrastrukturprojekten, die bisher institutionellen Anlegern vorbehalten waren.

Dafür hatte die EU im Januar 2024 die regulatorischen Voraussetzungen geschaffen. Eine novellierte Verordnung ermöglicht unter anderem geringere Mindestanlagebeträge. Dadurch wird es für Privatkunden einfacher, in breit gestreute Infrastrukturanlagen zu investieren. Die Reform war von Ökonomen und Fondsanbietern begrüßt worden.

Erhebliche Verluste möglich

„Die Assets, die in solchen Fonds stecken, sind oft illiquide“, warnte dagegen der Chef der BaFin, Mark Branson. Sie könnten nicht immer schnell und ohne Wertverlust in Barmittel umgewandelt werden. Wer in einen solchen ELTIF investiere, solle daher zumindest nicht auf kurzfristige Liquidität angewiesen sein.

Obwohl die Anlageobjekte nicht immer leicht zu bewerten seien, fielen die Renditeversprechen oft verlockend aus, warnt Branson: „Man findet Produkte, die eine Rendite von zwölf Prozent plus in Aussicht stellen.“ Tatsächlich aber könnten Anleger auch erhebliche Verluste erleiden, „insbesondere wenn sie einen kürzeren Anlagehorizont haben“. Auch auf die Kosten sollten Anleger achten, so Branson: „Drei bis vier Prozent pro Jahr sind normal, fünf bis sechs Prozent findet man auch“.

Skeptisch bewertet der BaFin-Chef zudem die Aussagekraft der gängigen Indikatoren zur Risikobemessung. Viele ELTIFs gäben ihr Risiko im mittleren Bereich an, doch nicht alle relevanten Risikoinformationen fänden darin Berücksichtigung. „Wir sehen hier Handlungsbedarf“, sagt Branson und mahnt: „Die Produkte kommen in der Regel nicht aus Deutschland. Aber Deutschland ist für Asset-Manager ein sehr attraktiver Markt.“

34 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen

Dieser Markt für die neuen Infrastrukturanlagen wächst: Nach einer Aufstellung des Analysehauses Scope verzeichnet die ELTIF-Branche Rekorde: „Mit 113 neuen ELTIFs kamen im vergangenen Jahr fast doppelt so viele Produkte auf den Markt wie 2024“, registrieren die Autoren.

Gestiegen sei auch die Zahl der Anbieter: 56 Gesellschaften hätten im vergangenen Jahr erstmalig einen ELTIF-Fonds aufgelegt. Das Inkrafttreten der neuen EU-Regeln habe „endgültig alle Bremsen gelöst“. Das verwaltete Vermögen stieg im Vergleich zum Vorjahr laut Scope um zwölf Milliarden Euro und lag zum Jahresende 2025 bei 34 Milliarden Euro – ein Plus von 55 Prozent.

„Jetzt ist daher die richtige Zeit, um sicherzustellen, dass nicht die falschen Kunden in diese Investments hineinstolpern“, mahnt Branson. In den USA wollten im Augenblick viele Privatanleger aussteigen: „Was für vermögende oder professionelle Investoren geeignet ist, passt nicht immer für Privatkunden.“

Nichtbanken als Kapitalgeber

Überhaupt sorgt sich die deutsche Finanzaufsicht zunehmend über Verwundbarkeiten im Markt für Private Debt. Gemeint ist der Kreditmarkt, auf dem sogenannte Nichtbanken – vorwiegend spezialisierte Fonds, Versicherer oder Pensionseinrichtungen – Fremdkapital direkt an Unternehmen vergeben. Größe und Bedeutung dieser Institute nehmen kontinuierlich zu. Und damit auch die Risiken, die im Falle einer Krise von ihnen ausgehen können.

In den USA hätten einige Fonds in den vergangenen Monaten die Rückzahlungen begrenzt oder ausgesetzt, erklärt Branson. Manche Private-Debt-Fonds haben Softwareunternehmen finanziert, deren Geschäftsmodell durch den breiten Einsatz von KI infrage gestellt werden könnte.

Die Qualität dieses Marktes sei nie über einen ganzen Kreditzyklus getestet worden, insbesondere nicht in Stressphasen. „Wir können nicht einschätzen, wie gut das Risikomanagement der Fonds ist“, sagt Branson. Auch, weil Bewertungen in privaten Märkten langsamer auf Änderungen reagierten. Potenziell gefährlich wird es nach Befürchtung der BaFin, weil diese Fonds in der Finanzbranche hochgradig vernetzt sind. Auch mit Banken und Versicherern. Risiken könnten also ihren Weg in den traditionellen Bankensektor finden.

Risiko Immobilienmarkt

Auch auf dem Immobilienmarkt können sich laut BaFin neue Risiken aufbauen. Was der BaFin Sorge bereitet: Der Anteil von neuen Krediten mit einer hohen „Loan-to-Value-Ratio“ (Verhältnis zwischen Kreditsumme und dem Wert der finanzierten Immobilie) sei in Deutschland im europäischen Vergleich hoch. Im vierten Quartal 2025 überstieg laut BaFin bei 14 Prozent der Neukredite das Darlehensvolumen den Wert der finanzierten Wohnimmobilie. „Es wurde also bei rund jedem siebten Kredit mehr Geld aufgenommen, als die Wohnung oder das Haus wert war. Das sehen wir kritisch“, erklärt der Chef der BaFin, Mark Branson.