Immer teurer, auch wenn am Tag nur einmal der Preis erhöht werden darf: Benzin und Diesel in Deutschland.

Immer teurer, auch wenn am Tag nur einmal der Preis erhöht werden darf: Benzin und Diesel in Deutschland.

Michael Brandt/dpa

Lautes Sprit-Geläut

1. April 2026

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

Mittags um zwölf Uhr in Deutschland – läuten Kirchen im Land zum Angelus-Gebet. So ist das seit dem ausgehenden Mittelalter. Doch diese katholische Tradition hat seit gestern eine ernst zu nehmende Konkurrenz. Mittags um zwölf Uhr klettern die Spritpreise. Ganz ohne Geläut, dafür mit einem Preisrums. Nach oben. Am ersten Tag des neuen Gesetzes, das der Bundestag verabschiedet hat, um die Preisabzocke der Energiemultis einzudämmen, zeigte sich mal wieder: Lasst es lieber! Eingriffe des Staates in den Markt erzeugen fast immer Murks. Denn die Preisstrategen der Konzerne sind schließlich nicht auf den Kopf gefallen: Morgens sind die Preise hoch, um dann bis zum Mittag wieder zu fallen. Dann schießt der Preis pünktlich zur einzig erlaubten Zeit in die Höhe – in Ulm zum Beispiel teilweise über 20 Cent. Um dann zum Abend hin ganz langsam wieder zu fallen. Was bringt das Ganze? Vermutlich in Zukunft Autoschlangen vor den Zapfsäulen um zehn vor zwölf. Billiger wird es dadurch für niemanden, eher im Gegenteil. Wer kann schon am Vormittag seinen Arbeitsplatz verlassen, um billig zu tanken? Aber die Politik kann sich beglückwünschen: Wir haben etwas getan! Hilft nur niemandem. Besser wäre es, die Mineralölsteuer zu senken. Wenn aber der Finanzminister das große 100-Milliarden-Investitionsprogramm bereits für Klientelgeschenke verfrühstückt hat, ist dafür kein Geld mehr übrig. Dumm gelaufen, mittags um zwölf in Deutschland. Hier lesen Sie mehr.

Kommen Sie mit vollem Tank in diesen Donnerstag!

Ihr Ulrich Becker