Wahlkampf in BW
: CDU-Mann Hagel gerät bei Schulbesuch mit Lehrerin aneinander

Eine Lehrerin stellt Hagel vor Schülern auf die Probe: Der Spitzenkandidat muss den Treibhauseffekt erklären – und immer wieder kritische Fragen beantworten. Seine Reaktion geht viral.
Von
dpa
Stuttgart
Jetzt in der App anhören

CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel will jüngster Ministerpräsident in der Geschichte Baden-Württembergs werden.

Marijan Murat/dpa
  • Kurz vor der Landtagswahl sorgt ein Clip von CDU-Spitzenkandidat Hagel für Wirbel.
  • Schulbesuch in Stuttgart: Schlagabtausch mit kritischer Lehrerin vor Kameras.
  • Hagel unterbricht Lehrerin: „Jetzt spreche ich gerade mit den Schülern.“
  • Treibhauseffekt-Erklärung von Hagel kritisiert; Fridays for Future und Lauterbach reagieren.
  • Hagel verteidigt sich; Lehrerin nennt Besuch „interessant“, aber „ernüchternd“ zur CDU.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nur wenige Tage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg sorgt ein Video-Clip mit Manuel Hagel für Wirbel: Der CDU-Spitzenkandidat gerät bei einem Schulbesuch vor laufenden Kameras mit einer Lehrerin aneinander und fährt ihr über den Mund - der Clip wird im Netz tausendfach geteilt. „Ich bin ja jetzt auch kein Roboter, sondern ein Mensch mit ganz normalen Gefühlen“, erklärte der CDU-Frontmann im Nachgang dem Nachrichtensender Welt. Manchmal sage man „im Eifer des Gefechts“ etwas, wo man hinterher denke, „das hätte man auch freundlicher sagen können“.

Das ARD-„Mittagsmagazin“ hatte Hagel im Rahmen einer Serie über die Spitzenkandidaten zur Landtagswahl begleitet. Der am Montag ausgestrahlte Beitrag zeigt den 37-Jährigen bei einem zweistündigen Besuch in einer Gemeinschaftsschule in Stuttgart. Die Lehrerin, deren Klasse er besucht, zeigt sich in dem Beitrag sehr kritisch gegenüber dem Spitzenkandidaten und stellt auch immer wieder kritische Fragen – etwa, als es um die CDU-Forderung nach einem beitragsfreien Pflichtjahr im Kindergarten geht.

„Alles Blabla“? Kritische Fragen im Klassenzimmer

„Seit zehn Jahren sind Sie doch an der Landesregierung, deswegen wundert es mich, warum da so lange nicht reagiert wurde“, sagt die Lehrerin zu Hagel. „Ja, was ist denn die Alternative – dass wir jetzt nichts machen?“ kontert Hagel. „Ich habe halt einfach die Befürchtung, angenommen, Sie könnten weiterhin mitregieren, dass das alles Blabla war im Wahlkampf“, sagt die Lehrerin.

Als die Frau zum Thema Inklusion und Personalmangel eine Frage stellen will, reagiert Hagel sichtlich gereizt. „Jetzt spreche ich gerade mit den Schülern“, fährt der Spitzenkandidat der Lehrerin über den Mund. 

Hagel: Lehrerin ist mir ins Wort gefallen

Hagel sagte nun dem Sender Welt, dass die Kinder in der Klasse an dem Tag viele wichtige Fragen an ihn gehabt hätten, die er habe diskutieren wollen. „Was natürlich jetzt leider nicht gezeigt worden ist, waren die einige Male vorher, wo mir die Lehrerin ins Wort gefallen ist. Und irgendwann habe ich dann mal gesagt, ich würde gerne mit den Kindern sprechen – weil das ist ja auch der Sinn von einem Schulbesuch“, sagte er zu seiner Reaktion.

Die Lehrerin fordert Hagel zudem auf, den Siebtklässlern spontan den Treibhauseffekt zu erklären – auch dafür erntete er Kritik und Häme im Netz. „Wollen Sie vielleicht mal kurz den Treibhauseffekt den Kindern erklären?“, fordert die Klassenlehrerin den CDU-Frontmann auf. Der schreitet an die Tafel zu einem Schaubild. „Zwischen der Erde und der Sonne ist die Atmosphäre. Und wenn die immer dünner wird, dann wird die Sonne immer heißer“, erklärt Hagel. „Und der Grund dafür sind Abgase, CO₂ und und und. Das ist dieser Treibhausgaseffekt.“ Der 37-Jährige blickt in die Klasse, sagt: „Alright, oder?“ und fragt noch die Lehrerin, ob das so gepasst habe. „Wunderbar, bin beeindruckt“, antwortet die Pädagogin.

Klimaaktivisten: Beschreibung von Treibhauseffekt falsch

Klimaaktivisten von Fridays for Future posteten den Clip in den sozialen Medien und übertitelten ihn mit dem Satz: „Wussten gar nicht das Manuel Hagel anscheinend auch die Schule bestreikt hat.“ Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) schrieb auf X: „Der Kollege Hagel, will Ministerpräsident in BW werden, erklärt Schülern den Treibhauseffekt falsch. Seine Schulauftritte sind problematisch...“

Der Treibhauseffekt beschreibt, wie bestimmte Gase in der Atmosphäre die Erde erwärmen. Diese Gase lassen Sonnenlicht bis zur Erde durch, aber verhindern zum Teil, dass Wärme ins All entweicht – ähnlich wie Glas in einem Treibhaus. Dieser Effekt ist notwendig für Leben auf der Erde, weil er für lebensfreundliche Temperaturen sorgt. Er wird aber durch den Menschen gefährlich verstärkt – denn je mehr Klimagase wie Kohlendioxid in der Atmosphäre sind, desto wärmer wird es.

CDU: Lehrerin war zufrieden

Hagel sei gebeten worden, „spontan einen Versuch zu unternehmen, einen ihm vorher nicht genannten Sachverhalt zu erklären“, sagte eine CDU-Sprecherin mit Blick auf die Erläuterung des Treibhauseffekts. „Diese Erklärung erfolgte vor der Klasse und mit dem Ziel, anschließend darüber auch mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen.“ Die Lehrerin sei zudem mit den Erläuterungen zufrieden gewesen und hätte weder Ergänzungen noch Anmerkungen gehabt.

Am Ende des Beitrags bilanziert die Lehrerin noch vor der Kamera, der Besuch Hagels sei interessant gewesen, aber sie habe etwas ernüchtert, dass die CDU „kein Herz für Gemeinschaftsschule“ habe. „Das nehme ich mit und das enttäuscht mich etwas.“

Landtagswahl 2026

Am 8. März 2026 wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Können die Grünen mit Cem Özdemir den zweiten grünen Ministerpräsidenten der Landesgeschichte stellen oder holt Manuel Hagel Baden-Württemberg für die CDU wieder zurück? Wie stehen die Chancen der anderen Parteien?

Infos, Hintergründe und Interviews zur Wahl finden Sie in unserer Übersicht.

Wie funktioniert die Wahl?