Wählerwanderung bei Landtagswahlen: Grüne bedienen sich bei der SPD, CDU absorbiert die FDP – so sind die Wähler gewandert

Manuel Hagels CDU hat deutlich besser abgeschnitten als bei der Landtagswahl 2021 – und die Grünen von Cem Özdemir (links) dennoch nicht überholt.
Bernd Weißbrod/dpa- CDU vs. Grüne dominieren Rennen; kleinere Parteien litten im Kopf-an-Kopf-Duell.
- FDP scheitert an Fünf-Prozent-Hürde; ca. 150.000 Stimmen an die CDU, viele an AfD.
- SPD stürzt auf 5,5 %; verliert 110.000 von 200.000 Stimmen an die Grünen; kein Zugewinn.
- Grüne verlieren ca. 150.000 an CDU, gewinnen ca. 275.000 v. a. von SPD, Linke, FDP.
- AfD legt stark zu, mobilisiert viele Nichtwähler; Linke gewinnt ca. 20.000 v. a. von Nichtwählern.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Am 8. März wurde ein neuer Landtag gewählt und die Regierung neu bestimmt. Doch welche Wählerinnen und Wähler haben den Parteien ihre Stimmen gegeben? Ob von der Linken zu den Grünen oder von der FDP zur CDU gewandert wurde, zeigt die folgende Grafik.
Einfluss des Wahlkampfs auf die Wählerbewegung
Mit dem vorläufigen Endergebnis ist klar, dass insbesondere die kleineren Parteien in Baden-Württemberg unter dem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Manuel Hagel (CDU) und Cem Özdemir (Grüne) gelitten haben.
Besonders die FDP spürt die Folgen. Seit Beginn der ersten Wahlperiode im Jahr 1952 war die liberale Partei stets vertreten. Nun scheiterte die FDP erstmals an der Fünf-Prozent-Hürde. Sie verlor rund sechs Prozent ihrer Stimmen – insbesondere an die CDU und die AfD. Von den etwa 225.000 verlorenen Stimmen gingen rund 145.000 an die CDU. Für viele FDP-Wähler galt es offenbar, den CDU-Spitzenkandidaten zu unterstützen. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke kündigte nach der Wahl seinen Rücktritt an.
Auch die SPD erlebte ein historisch schlechtes Ergebnis. Mit gerade einmal 5,5 Prozent der Stimmen verlor die Partei 5,5 Prozentpunkte im Vergleich zur letzten Landtagswahl. Die Grafik zeigt, dass die SPD die meisten Stimmen an die Grünen verlor (100.000 von 195.000). Dies liegt vermutlich daran, dass viele Wähler entweder Cem Özdemir als neuen Ministerpräsidenten unterstützen wollten oder die Grünen inzwischen verstärkt soziale Kernpunkte besetzen, während die SPD ihre Identität als soziale Partei zu verlieren scheint. Weitere Stimmen verloren die Sozialdemokraten an CDU und AfD. Auffällig ist auch, dass die SPD praktisch keine Stimmen von anderen Parteien gewinnen konnte. Nach den ersten Hochrechnungen kündigte Andreas Stoch seinen Rücktritt als SPD-Fraktionschef an.
Die Linke schaffte es erneut nicht in den Landtag. Für sie ist das Ergebnis etwas weniger enttäuschend, da es sich um das beste Ergebnis handelt, das die Partei bisher in Baden-Württemberg erzielt hat. Dennoch hatten Umfragen sie vor der Wahl teils bei um die 7 Prozent verortet. Ein Teil ihrer Stimmen ging zwar an die Grünen und die AfD verloren, dennoch gewann die Linke etwa 20.000 Stimmen hinzu – vor allem durch die Mobilisierung von Nichtwählern.
Grüne holen Stimmen von SPD und Linken
Die CDU verlor etwa 80.000 Stimmen an die AfD. Dennoch konnte sie von allen Parteien die meisten Stimmen hinzugewinnen, rund 515.000 – insbesondere von den Grünen (165.000) und der FDP (145.000). Außerdem konnte die Union 130.000 Nichtwähler überzeugen.
Die Grünen hingegen konnten mit Cem Özdemir ihr Ergebnis der letzten Landtagswahl von über 32 Prozent nicht halten – stattdessen büßten sie 2,4 Prozent ein. Etwa 165.000 Stimmen gingen an die CDU verloren. Dennoch gewannen sie rund 200.000 Stimmen hinzu, die Hälfte von der SPD, aber auch von 70.000 Nichtwählern und kleineren Parteien. Am Ende war ihr Vorsprung knapper als in den ersten Hochrechnungen vorhergesagt.
Die größte Wählerbewegung verzeichnete die rechte AfD. Sie verdoppelte nicht nur ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Landtagswahl, sondern mobilisierte neben CDU- und FDP-Wählern vor allem Nichtwähler (190.000).
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