Unwetter über Deutschland: Gewitter-Front: Zugverkehr bleibt in vielen Teilen Deutschlands beeinträchtigt

Mit teils heftigen Regenfällen und Gewittern hat ein Unwetter Nordrhein-Westfalen am Donnerstag erreicht. Für weite Teile des bevölkerungsreichsten Bundeslandes gab der Deutsche Wetterdienst (DWD) Unwetterwarnungen heraus.
Christoph ReichweinDer Deutsche Wetterdienst warnte seit Tagen vor dem Gewitter-Tief „Lambert“ mit schweren Unwettern am Donnerstag, 22.06.2023. Nach DWD-Informationen sollte das Tief am Abend und in der Nacht zum Freitag über die Mitte Deutschlands ostwärts ziehend – gewarnt wurde vor schweren Gewittern und teils heftigem, mehrstündigem Regen. Es könne lokal bis zu 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter in kurzer Zeit geben. Zu dem Starkregen seien schwere Sturmböen bis 100 Stundenkilometer sowie „großer Hagel bis 5 cm Korngröße“möglich, hieß es am Donnerstagabend.
Eine Steigerung von extremen Orkanböen um 140 Stundenkilometer sowie sehr großer Hagel bis sieben Zentimetern sei „nicht gänzlich ausgeschlossen“. Insgesamt sei aber mit einer nachlassenden Gewitteraktivität im Laufe der Nacht zu rechnen.
Der Freitagmorgen: Wo ist es aktuell kritisch?
Am Freitagmorgen warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor „teils heftigem, mehrstündigem Starkregen“ im Nordwesten Deutschlands und in Mecklenburg mit Regenmengen zwischen 30 und 90 Litern pro Quadratmeter. Im Osten und Südosten könne es noch vereinzelt Gewitter mit Starkregen, Hagel und stürmischen Böen geben. Im Laufe des Freitags gebe es dann langsam eine Wetterberuhigung. In der Nacht zum Samstag seien dann „wahrscheinlich keine Warnungen mehr erforderlich“. Laut der DWD-Wetterkarte ereignen sich Unwetter mit Starkregen (Stand 9.09 Uhr) aktuell hauptsächlich in Teilen von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. In Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt sowie Teilen von Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen kann es zusätzlich zu starken Windböen kommen.
Unwetter: Überflutungen in Berlin, Sauerland, NRW und Hessen
Für Gebiete des Sauerlands hatte der DWD am Donnerstag die höchste Unwetterwarnstufe herausgegeben. Dort rückten Feuerwehr und Polizei schon am Nachmittag zu zahlreichen Einsätzen aus. Wie die Polizei Märkischer Kreis berichtete, liefen Keller voll, Straßen wurden überflutet und Gullys hochgedrückt. Mehrfach zogen teils sehr heftige Regenfälle über NRW hinweg. Auch dort liefen Keller voll und Straßen wurden überflutet.
In Berlin-Spandau kam es in der Nacht auf Freitag zu Überschwemmungen der Kanalisation unter der Heerstraße in Höhe Freybrücke. Am Freitagmorgen gab es dort deshalb Staus und Verkehrseinschränkungen. Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Berliner Stadtreinigung pumpten das Wasser ab.
Probleme bei Bus und Bahn durch Gewitter
Bundesweit kam es in der Nacht aufgrund von Unwetterschäden zu Verspätungen und Zugausfällen, wie die Deutsche Bahn bekannt gab. Die Sperrung der Strecke zwischen Berlin und Hamburg blieb auch am Freitagmorgen erhalten. Sämtliche Züge werden derzeit über Stendal umgeleitet, die Bahnreisenden müssen mit zusätzlichen 60 Minuten kalkulieren.
Auch die Strecke zwischen Kassel und Göttingen sowie die zwischen Bebra und Kassel sind gesperrt, ICE- und IC-Züge werden umgeleitet. Auf der Strecke zwischen Siegen und Letmathe in Nordrhein-Westfalen gibt es ebenfalls keinen Zugverkehr. Die IC-Verbindungen von Frankfurt (Main) über Siegen nach Münster fallen aus.
Auch in Teilen von BW Hagel und schwere Gewitter
Im oberbayerischen Valley gingen bei einem Gewitter golfballgroße Hagelkörner nieder. Auch aus Oberelchingen im Kreis Neu-Ulm wurde heftiger Hagel gemeldet. Von Schäden war bei der Polizei zunächst nichts bekannt. Auch andernorts gewitterte es am Donnerstagabend über Bayern.
Die Unwetterlage in Baden-Württemberg war bis zum Abend vergleichsweise ruhig. Der SWR-Meteorologe Karsten Schwanke warnte allerdings gegen 20 Uhr, dass der Abend für Baden-Württemberg noch nicht zu Ende sei. Der Sender berichtete, dass die Polizei in Ravensburg Schäden durch Unwetter im Kreis Sigmaringen gemeldet habe: Windböen hätten mehrere Häuser abgedeckt, Bäume seien auf die Straße gestürzt, zudem habe ein umgefallener Strommast einen kleineren Flächenbrand verursacht. Den Angaben zufolge stürzte außerdem ein Baum auf ein fahrendes Auto. Niemand sei verletzt worden. Im Kreis Ravensburg sei es zu einem Brand in einem Wohnhaus gekommen, nachdem ein Blitz eingeschlagen habe.
Bislang keine größeren Unwetterschäden in Bayern
In Bayern sind bislang keine größeren Schäden durch das Unwetter bekannt geworden. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag soll es zwar viele Einsätze gegeben haben, besonders schwerwiegende Vorfälle seien nicht dabei gewesen, so die Polizeipräsidien.
In Niederbayern ist die Bahnstrecke zwischen Schwandorf und Cham am Morgen gesperrt. In Oberfranken musste wegen den Wassermassen die Autobahn 9 zwischenzeitlich gesperrt werden. Außerdem brannte ein Gebäude, nachdem ein Blitz einschlug. Der Schaden soll bei 40 000 Euro liegen.
Insgesamt gab es in Oberfranken rund 100 Einsätze wegen des Unwetters. Der S-Bahn-Verkehr um München war in der Nacht gestört. Einige Bäume fielen in Oberbayern und Mittelfranken dem starken Wind zum Opfer. Außerdem wurden Keller überflutet. In Unterfranken und Schwaben gab es nur vereinzelt Einsätze wegen des Unwetters.
Sommerferienbeginn mit Unwetter - Bäume auf Oberleitung
Mit teils heftigen Regenfällen und Gewittern hatte das Unwetter Nordrhein-Westfalen erreicht - ausgerechnet am ersten Tag der Sommerferien. Für weite Teile des bevölkerungsreichsten Bundeslandes gab der DWD Unwetterwarnungen heraus. Mehrfach zogen teils sehr heftige Regenfälle über die Region. Keller liefen voll, Straßen wurden überflutet - aber bis zum frühen Donnerstagabend sind keine großen Schäden oder Meldungen über Verletzte bekanntgeworden.
Im Frankfurter Vorort Sindlingen fielen mehrere Bäume auf eine Oberleitung in Bahnhofsnähe. Mehrere Autos wurden schwer beschädigt. „Die Leute haben ein Riesenglück gehabt“, sagte ein Feuerwehrsprecher angesichts der regelrecht platt gedrückten Fahrzeuge in einem Wohngebiet - es blieb bei Sachschaden. Angesichts der Vielzahl der Feuerwehreinsätze war der Notruf überlastet. Ein Sprecher appellierte, nur in wirklichen Notfällen anzurufen, mit Wartezeiten müsse gerechnet werden.